Aktinomykose beim Hund

Definition und Ätiologie

  • chronische pyogranulomatöse Erkrankung
  • Erreger: u. a.
    • Actinomyces (A.) canis
    • A. bowdenii
    • Arcanobacterium pyogenes (früher A. pyogenes)
  • pleomorphe, verzweigte Fadenbakterien
    • obligat anaerob wachsend
    • nicht säurefeste
    • nicht sporenbildend
    • grampositiv
  • Kommensalen der Schleimhäute insbes. der Maulhöhle und des Gastrointestinaltrakts
  • frühere Bezeichnung: „Strahlenpilzerkrankung“
  • enge Verwandtschaft mit Nokardien → Ähnlichkeit des klinischen Bildes

Pathogenese

  • Aktinomyzeten werden in traumatisiertem Gewebe mit anaeroben Verhältnissen v. a. bei Anwesenheit von Begleitbakterien pathogen:
    • Biss-/Kratzverletzungen
    • eingedrungene Fremdkörper
    • Quetschwunden
    • inhalierte Pflanzenteile
  • pyogranulomatöse Entzündung
  • polymikrobielle Infektion:
    • Begleitbakterien sind notwendig, um das notwendige anaerobe Wachstumsmilieu herzustellen
    • z. B. Streptokokken, Fusobakterien, Bacteroides
  • Zerstörung des umliegenden Gewebe durch
    • proteolytische Enzyme der assoziierten Bakterien,
    • der neutrophilen Granulozyten
    • und Makrophagen
    • → Ausbreitung der Infektion
  • Bakterien locken neutrophile Granulozyten an, aktivieren Makrophagen und stimulieren die B-Lymphozyten
  • → Eiteransammlungen entstehen
    • darin bilden sich sog. Drusen oder Schwefelkörner
    • bestehen aus Bakterienfäden (Mikrokolonien)
  • hämatogene Ausbreitung selten

Symptome

Formen, je nach Lokalisation:

  1. thorakale/abdominale Aktinomykose:
    • chronischer und progressiver Verlauf mit Fieber und Gewichtsverlust
    • thorakal: kann Lunge, Mediastinum, Pleura, Herz und/oder Thoraxwand (Fisteln- und/oder Abszessbildung) betreffen
    • Symptome:
      • Husten
      • Tachypnoe
      • Dyspnoe
      • verminderte Lungengeräusche (bei Pyothorax)
    • abdominal: geht mit palpierbaren abdominalen Massen oder einem eitrigen Erguss einher
  2. retroperitoneale Aktinomykose:
    • meist mit Rückenschmerzen und gelegentlich Parese oder Paralyse der Hintergliedmaßen verbunden
    • Knochenbeteiligung der Wirbel ist eher selten und röntgenologisch feststellbar (meist T13–L3 betroffen)
    • Spondylodiszitis (Befall der Bandscheiben) ist ungewöhnlich
    • chron. Osteomyelititiden können mit pathologischen Frakturen einhergehen
  3. kutane/subkutane Aktinomykose:
    • weiche, evtl. auch derbe Weichteilschwellung mit einem drainierenden Sinus
    • häufige Lokalisationen: Kopf-, Hals-, laterale Thoraxwand- und Flankenregion

untypische Symptome

  • Extremitäten oder ZNS wegen hämatogener/lymphogener Ausbreitung involviert
  • Zystitiden mit Arcanobacterium pyogenes sind beschrieben

Laborbefunde:

  • abhängig vom Schweregrad und der Lokalisation:
    • gering- bis mittelgradige nicht regenerative Anämie
    • Leukozytose mit Linksverschiebung
    • Monozytose
    • Hyperglobulinämie
    • evtl. Hypoglykämie

 

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