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Postoperative Bildgebung des Orbitainhalts

Die bildgebende Darstellung der Orbita kann Ergebnis einer gezielten Untersuchung oder ein zufälliger Nebenbefund sein, da die Augenhöhlen bei der bildgebenden Untersuchung von Gehirn, Gesicht oder Nasennebenhöhlen miterfasst werden. Jeder Radiologe ist daher unausweichlich mit den Folgen zahlreicher chirurgischer Eingriffe am Auge und seinen Adnexen konfrontiert, darunter verschiedene Implantate.

Kenntnisse des Spektrums der postoperativen Orbitabefunde sind unerlässlich, weil ihr radiologisches Erscheinungsbild verwirrend aussehen und pathologischen Entitäten zum Verwechseln ähneln kann. Die Kenntnis der MRT-Sicherheitsprofile dieser verschiedenen Implantate ist von entscheidender Bedeutung für die Untersucher, ebenso die Fähigkeit, sie von Fremdkörpern zu unterscheiden. CT und MRT sind die beiden gebräuchlichsten bildgebenden Modalitäten; aber auch Röntgenbilder, auf denen die Orbita miterfasst ist, kommen gelegentlich vor. In diesem Artikel werden einige häufiger durchgeführte Eingriffe am Auge und die dabei zu erwartenden Bildgebungsbefunde beschrieben. 

Glaukomoperationen und -implantate

Nach Makuladegeneration und diabetischer Retinopathie ist das Glaukom bei Erwachsenen in den USA die dritthäufigste Ursache irreversibler Erblindung. Es handelt sich um eine Neuropathie mit Schädigung des Sehnervs, die zu dem charakteristischen peripheren Verlust der Sehfähigkeit führt. Ein erhöhter Augeninnendruck ist der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms, und die Senkung des Augeninnendrucks ist die einzige bekannte Therapie, mit der sich das Fortschreiten der glaukombedingten Optikusneuropathie stoppen lässt. Als Erstlinientherapie werden Medikamente eingesetzt. Für den Fall, dass die medikamentöse Behandlung erfolglos bleibt, stehen verschiedene chirurgische Optionen zur Verfügung.

EX-PRESS-Glaukomfiltrationsimplantat

Operationsverfahren

Die häufigste Glaukomoperation ist die Trabekulektomie, bei der eine Fistel im superonasalen, superioren oder superotemporalen Bereich des korneoskleralen Übergangs (sog. Limbus) des Augapfels angelegt wird, um Kammerwasser aus der Vorderkammer in den subkonjunktivalen Raum zu leiten. Auffällige Befunde sind im postoperativen Routine-CT bzw. -MRT nach Trabekulektomie nicht zu sehen.

Implantat

Als Erweiterung des Trabekulektomieverfahrens wurde in letzter Zeit das Glaukomfilterimplantat EX-PRESS (Fa. Alcon, Fort Worth, Texas, USA) eingeführt. Dieses Implantat wird aus rostfreiem Stahl hergestellt und ist nur 2 – 3 mm lang. Es wird unter einen Skleralappen eingebracht und am Limbus implantiert. Dabei kommt das proximale Ende unter dem Skleralappen zu liegen, während die distale Spitze in die Vorderkammer eindringt, sodass eine begrenzte Menge Kammerwasser in den Intraskleralraum fließen kann und der Augeninnendruck auf diese Weise kontrolliert wird.

Die EX-PRESS-Implantate imponieren im CT als punktförmige Bereiche mit der Dichte von Metall und sind in der Regel im superioren oder superonasalen Bereich des korneoskleralen Übergangs lokalisiert. Eine superotemporale Platzierung ist weniger häufig. Nur selten werden diese Implantate horizontal oder inferior eingesetzt; dies hilft bei der Unterscheidung von Fremdkörpern.

Da sie aus Stahl bestehen, verursachen EX-PRESS-Implantate bei der MRT mit Standardsequenzen Suszeptibilitätsartefakte; außerdem erscheinen sie als Signalauslöschungen. Der durch das EX-PRESS-Glaukomfiltrationsimplantat verursachte Shunt hat sich als MRT-sicher bei Magnetfeldstärken bis zu 3 T erwiesen.

Glaukomdrainageimplantate

Glaukomdrainageimplantate (Glaucoma Drainage Devices) waren ursprünglich Glaukompatienten vorbehalten, die auf Medikamente oder Trabekulektomie nicht ansprachen. Mittlerweile werden diese Implantate jedoch häufiger verwendet.

Operationsverfahren

Glaukomdrainageimplantate bestehen aus 2 Teilen: einem Schlauch und einer Basisplatte. Das eine Ende des Schlauches liegt in der Vorderkammer, der Hinterkammer oder dem hinteren Augenabschnitt. Das andere Ende ist an der Basisplatte des Implantats befestigt, die zwischen den geraden Augenmuskeln und unter der Tenon-Kapsel operativ an der Sklera fixiert wird. Die bevorzugte Technik besteht in der Implantation des Glaukomdrainageimplantats im superotemporalen oder inferonasalen Quadranten der Orbita. Die Implantation im superonasalen Quadranten wird vermieden, weil Berichte über Assoziationen mit dem Brown-Syndrom (Obliquus-superior-Sehnenscheidensyndrom) vorliegen und weil die Trochlea an dieser Stelle leicht verletzlich ist. Das Brown-Syndrom ist eine Störung, bei der es nicht möglich ist, bei adduziertem Auge nach oben zu blicken. Ursache dafür ist eine Abnormität des Sehnenscheidenkomplexes des oberen schrägen Augenmuskels. Welcher Quadrant gewählt wird, hängt letztlich von den Präferenzen des Operateurs und dem Zustand der Konjunktiva des Patienten sowie von seiner Augenanamnese ab. Die Basisplatte hat die Aufgabe, zwischen Sklera und Konjunktiva einen potenziellen Raum offenzuhalten. Das Kammerwasser fließt durch den Schlauch zur Basisplatte, wo es sich in dem potenziellen Raum sammelt. Die periokulären Gefäße der umgebenden fibrösen Kapsel resorbieren das Kammerwasser zurück in den systemischen Kreislauf.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Postoperative Bildgebung des Orbitainhalts

Aus der Zeitschrift Neuroradiologie Scan 4/2015

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