• Apendizitis

     

MRT-Diagnostik bei Verdacht auf Appendizitis

Bei Verdacht auf Appendizitis sind derzeit Sonografie und ggf. die CT-Untersuchung Diagnostik der Wahl. Beide Untersuchungen haben insbesondere bei Kindern einige Nachteile, z. B. die unklare Sensitivität oder die Strahlenexposition. Um diese Nachteile zu umgehen, wird teilweise die MRT-Untersuchung als Alternativmethode eingesetzt. Laut einer retrospektiven Studie der University of Arizona eignet sich die MRT aber auch als Erstliniendiagnostik.

Zwischen 2013 und 2016 wurden in Tucson 1624 Kinder und Jugendliche mit akutem Abdomen im MRT untersucht. Patienten, bei denen die MRT-Untersuchung erst nach Sonografie oder CT durchgeführt wurde, wurden ausgeschlossen, ebenso wie Patienten über 18 und mit Zustand nach Appendektomie. Ausgewertet wurden somit nur die Daten von 402 Patienten, die bei Verdacht auf eine akute Appendizitis initial im MRT untersucht worden sind.

Das MRT-Notfall-Protokoll für Kinder mit akuten Bauchschmerzen umfasste die (fettsupprimierte) Single-Shot Fast-Spin-Echo-Sequenz, die T1-gewichtete 3D-Dual-Echo-spoiled Gradientenechosequenz, die axiale Diffusionswichtung sowie die T2-gewichtete 3D-TSE. Als Referenzstandard dienten die OP-Berichte und die Pathologiebefunde bzw. bei den nicht operierten Patienten die Follow-Up-Untersuchungen.

Bei 349 (86,8 %) der Patienten ließ sich die Appendix darstellen und bei 98 Patienten (24,4 %) lag tatsächlich eine Appendizitis vor. Diagnosekriterien waren eine flüssigkeitsgefüllte Appendix, eine ödematöse Appendixwand, entzündliche Veränderungen in der Appendixumgebung oder das Vorhandensein eines Appendicoliths. Bei 4 der 53 Patienten, bei denen die Appendix nicht dargestellt werden konnte, wurde die Diagnose auf Basis sekundärer Appendizitis-Zeichen gestellt (erhöhtes T2-Signal in der Appendixregion in der Nähe des unteren Coecumrandes). Sensitivität, Spezifität und Genauigkeit der MRT-Untersuchung als primäre Diagnostik bei akuter Appendizitis lagen bei 97,9 %, 99 % bzw. 98,8 %. Zwischen der letzten MRT-Sequenz und dem vorläufigen Befund vergingen im Mittel 38 Minuten; bis zum OP-Beginn dauerte es bei positivem Appendizitis-Befund 9 Stunden und 50 Minuten.

Bei 37,2 % fand sich in den MRT-Aufnahmen eine andere Erklärung für die angegeben Beschwerden; darunter vor allem Enteritis (33), Colitis (17), rupturierte ovarielle Follikel (11) und Pyelonephritis (10).

Fazit

Die native MRT-Untersuchung als Erstliniendiagnostik könnte die Wartezeiten für Kinder mit akutem Abdomen in der Notaufnahme verbessern. Die höheren Kosten der MRT-Untersuchungen seien, nach Ansicht der Autoren, durch die höhere Sicherheit im Vergleich zur CT gerechtfertigt. Allerdings werden in Tucson Notfall-MRT-Untersuchungen sehr häufig durchgeführt und die Radiologen werden speziell geschult, um die Aufnahmen auszuwerten, was die Studie positiv beeinflusst haben kann, so die Autoren.

Aus der Zeitschrift: RöFo 01/2020

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Quelle

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