• MRT Halswirbelsäule

     

MRT der Halswirbelsäule: Diskus-Bulging bei den meisten asymptomatischen Menschen

Die Entscheidung für Eingriffe an der Halswirbelsäule basieren Chirurgen auf neurologischen Symptomen und abnormen MRT-Befunden. Doch auch bei asymptomatischen Personen finden sich häufig pathologische MRT-Veränderungen.

Untersucht wurde die Relevanz solcher Befunde bisher nur in kleinen Kohortenstudien und im Fokus standen vorwiegend degenerative Bandscheibenveränderungen, während es kaum Daten gibt zur asymptomatischen Zervikalkanalstenose und zu Auffälligkeiten des Rückenmarks (kompressive Myelopathie).

Bei der kompressiven Myelopathie wirken statische und dynamische Faktoren zusammen. Der wichtigste statische Faktor sind stenosierende spondylotische Veränderungen, die meist Folge einer Bandscheibendegeneration sind. In einer prospektiven Querschnittsuntersuchung haben Neuroradiologen aus Japan die Häufigkeit und den Schweregrad pathologischer MRT-Befunde der Halswirbelsäule in einer großen asymptomatischen Kohorte untersucht.

Bei 1211 gesunden Freiwilligen zwischen 20 und 70 Jahren wurden der anterior-posteriore Durchmesser des Rückenmarks und die Diskus-Vorwölbung sowie die axiale Querschnittsfläche des Rückenmarks und das Kompressionszeichen der verstärkten Signalintensität mittels MRT erfasst. Die Probanden waren gleichmäßig verteilt auf alle Altersdekaden und beide Geschlechter.

Ein Bulging fand sich bei 87,6 % der Patienten. Mit dem Alter nahmen die Häufigkeit und der Schweregrad des Bulging sowie die Zahl der betroffenen Level zu. Selbst bei 73,3 % der Männer und 78 % der Frauen zwischen 20 und 30 Jahren fanden sich Bandscheiben mit Bulging. Eine Kompression des Rückenmarks wurde jedoch nur bei 5,3 % und eine verstärkte Signalintensität bei 2,3 % des asymptomatischen Kollektivs festgestellt. Menschen zwischen 20 und 30 waren davon nicht betroffen. Auch die Anteile von Probanden mit Kompression nahmen mit dem Alter zu, insbesondere ab 50 Jahren. Der schwerste Fall zeigte eine Verminderung der Rückenmarks-Querschnittsfläche auf C5 /C6 um 77,6 %.

Die Kompression betraf in 58 % der Fälle 1 Level und in 38 % 2 Level, meist C5/C6 (41 %) oder C6/C7 (27 %). Eine Diskus-Vorwölbung um mehr als 1,35 mm und eine Querschnittsfläche von weniger als 128,5 mm2 erwiesen sich als signifikante Risikofaktoren für eine Rückenmarkskompression (p < 0,0001).

Fazit

Selbst in der jungen asymptomatischen Bevölkerung zeigt das MRT der Halswirbelsäule sehr häufig ein Bandscheiben-Bulging. Das Phänomen nimmt mit dem Alter an Häufigkeit zu, eine Kompression findet sich jedoch selten. Auch hier sieht man einen Anstieg nach dem 50. Lebensjahr, der begleitet wird von einem zunehmenden Schweregrad des Bulging. Therapieentscheidungen dürfen nach Meinung der Autoren deshalb niemals auf der Basis von MRT-Befunden allein, sondern müssen immer unter Beachtung klinischer Symptome gefällt werden.


Aus der Zeitschrift Neuroradiologie Scan 1/2016; MRT der Halswirbelsäule: Diskus-Bulging bei den meisten asymptomatischen Menschen; Spinal

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