• Bildgebende Diagnostik gynäkologischer Notfälle

     

Bildgebende Diagnostik gynäkologischer Notfälle

Akute Erkrankungen der weiblichen Genitalorgane sind eine häufige Ursache des akuten Abdomens. Aufgrund der vielen möglichen Differenzialdiagnosen reicht die klinische Untersuchung oft genug nicht aus, um gynäkologische und gastrointestinale Notfälle (z. B. die Appendizitis) zu unterscheiden. Eine zusätzliche diagnostische Herausforderung ist die Abklärung von Notfällen während der Schwangerschaft.

Häufige Befunde einer normal verlaufenden Schwangerschaft wie Übelkeit, Erbrechen oder unspezifische Schmerzen beeinflussen die klinische Präsentation und verkomplizieren das klinische Bild. Darüber hinaus ist die klinische Untersuchung einer schwangeren Patientin schwieriger beurteilbar und Laborparameter wie CRP und Leukozyten sind im Rahmen der Schwangerschaft erhöht. Dadurch gewinnt die Bildgebung bei der notfalldiagnostischen Abklärung immer mehr an Bedeutung, was sich nicht zuletzt an den stetig steigenden Untersuchungszahlen zeigt: In den USA hat sich die Häufigkeit des Einsatzes bildgebender Diagnostik während der Schwangerschaft innerhalb der letzten Dekade verdoppelt.

In Abhängigkeit von der Verdachtsdiagnose kommen verschiedene Verfahren der Bildgebung zum Einsatz:

  • Der Ultraschall (US) ist initial die bildgebende Methode der Wahl, unabhängig davon, ob eine Schwangerschaft vorliegt oder nicht.
  • Die CT hat ihre Bedeutung bei der Abklärung akuter Traumata.
  • Die MRT kommt bei unklaren und subakuten Fällen oder für die Diagnostik in der Schwangerschaft zum Einsatz.
Generell ist die Bildgebung schnell verfügbar, kann die klinische Verdachtsdiagnose objektivieren, und Notfälle, wenn nötig, auch im Verlauf beobachten. Eine detaillierte Anamnese (z. B. Voroperationen, frühere Schwangerschaften) und eine ausführliche klinische Untersuchung stehen jedoch am Anfang jeder Abklärung. Zielführend eingesetzt, kann die radiologische Diagnostik Verdachtsdiagnosen bestätigen und ausschließen oder auf andere zugrunde liegende Veränderungen hinweisen.

Dieser Übersichtsartikel soll

  • einen Überblick über die unterschiedlichen Erscheinungsbilder gynäkologischer Notfälle im Ultraschall (US), in der CT und in der MRT geben,
  • die bildgebende Methode der Wahl je nach klinischer Verdachtsdiagnose empfehlen,
  • bei der Interpretation der Erkenntnisse aus der Bildgebung im klinischen Kontext zur Gewährleistung einer adäquaten Patientenversorgung helfen und
  • auf die aktuellen Richtlinien zum Gebrauch von Kontrastmittel während der Schwangerschaft und Stillzeit hinweisen.

Methoden

Ultraschall

Indikationen. Den Ultraschall (US) zeichnet eine hohe Sensitivität bei vielen akuten Erkrankungen aus. Daneben ist er kosteneffizient und schnell verfügbar, sodass er häufig zur Erstuntersuchung der Patientin eingesetzt wird. Den transabdominellen Ultraschall führt dabei i. d. R. der Radiologe durch. Je nach Habitus der Patientin ist damit eine Aussage über den Uterus und die Adnexe möglich, vor allem aber über pathologische Veränderungen wie freie Flüssigkeit im Abdomen. Differenzialdiagnosen wie eine Harnstauung oder eine Appendizitis können ausgeschlossen werden. Eine genauere Beurteilung der Genitalorgane selbst wird mit der transvaginalen Sonografie erreicht. Mithilfe des Farbdopplers können signifikante Zusatzinformationen gewonnen werden. Bei der Frage nach der Organperfusion ist der Farbdoppler z. B. von entscheidender Bedeutung.

Schwangerschaft. Es sind keine negativen Effekte der Sonografie für die Mutter oder den Fötus bekannt. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) empfiehlt während der Schwangerschaft jedoch eine maximale Schallwellenintensität von 720 mW/cm2. Diese Intensität kann bei einer Doppler-Untersuchung durchaus erreicht werden. Deshalb sollte der Doppler-Ultraschall so kurz wie möglich eingesetzt werden – gerade so lange, bis die Diagnose gestellt werden kann.

Kontrastmittel. Kontrastmittel für die Sonografie bestehen aus gasgefüllten Mikrobläschen, die von einer elastischen Hülle umgeben sind. Diese Hülle besteht aus Lipiden, Albumin, Polymeren oder auch weiteren Hilfsstoffen wie Tensiden oder Polyethylenglykol. Meist werden die Kontrastmittel intravenös appliziert und sind lungengängig. Primär verteilen sie sich in den Gefäßen und weisen damit hohe Kontrastabgrenzung gegenüber dem Extravaskulärraum auf. Sie sind äußerst gut verträglich, werden aber derzeit weder bei Kindern noch bei Schwangeren eingesetzt. Bei gynäkologischen Notfällen werden i. d. R. keine Ultraschallkontrastmittel angewendet.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Bildgebende Diagnostik gynäkologischer Notfälle

Aus der Zeitschrift Radiologie up2date 3/2016

Call to Action Icon
Radiologie up2date Jetzt kostenlos testen

Thieme Newsletter

  • Jetzt Newsletter abonnieren und kostenloses Poster sichern!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Mit brandaktuellen News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie up to date und immer einen Schritt voraus.

Quelle

Radiologie up2date
Radiologie up2date

EUR [D] 135,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Radiologische Diagnostik Abdomen und Thorax
Gabriele A. Krombach, Andreas H. MahnkenRadiologische Diagnostik Abdomen und Thorax

Bildinterpretation unter Berücksichtigung anatom. Landmarken u. klin. Symptome

EUR [D] 129,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Ultraschall in Gynäkologie und Geburtshilfe
Christof Sohn, Wolfgang HolzgreveUltraschall in Gynäkologie und Geburtshilfe

EUR [D] 199,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.