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    Bessert es die diagnostische Genauigkeit bei Verdacht auf Appendizitis, wenn nicht eindeutige CT-Befunde mittels Ultraschall nachuntersucht werden? Bild: © Tyler Olson - Fotolia.com

     

Zusätzliche Ultraschalldiagnostik bei Verdacht auf Appendizitis

Eine akute Appendizitis ist eine der häufigsten Ursachen von plötzlich einsetzenden Abdominalschmerzen. Dabei ist bei akuten Beschwerden die operative Entfernung des Appendix immer noch die einzige anerkannte Behandlungsmethode. Die exakte Diagnose kann aber trotz CT immer noch schwierig sein. Bessert es die diagnostische Genauigkeit, wenn nicht eindeutige CT-Befunde mittels Ultraschall nachuntersucht werden? Eine Gruppe aus Südkorea hat das überprüft.

Bei Patienten mit Verdacht auf Appendizitis und nicht eindeutigen CT-Befunden kann die Ultraschalluntersuchung die diagnostische Präzision verbessern. Zu diesem Ergebnis kommen Ji Ye Sim und Kollegen, die dazu zwischen April und Oktober 2011 insgesamt 869 Patienten mit Verdacht auf eine akute Blinddarmentzündung in ihre prospektive Studie aufgenommen hatten.

Bei allen Patienten erfolgte zunächst eine CT mit intravenöser Kontrastmittelgabe (KM) im 16- oder 64-Zeilen-Gerät. De Aufnahmen wurden dann anhand von 5 Kriterien beurteilt:

  • Zunahme des Appendixdurchmessers auf mehr als 6 mm,
  • streifige Infiltrationen des periappendikulären Fettgewebes,
  • Verdickung oder verstärkte KM-Anreicherung der Appendixwand,
  • Verdickung der apikalen Zäkumwand im Vergleich zur Wand des Colon ascendens insgesamt und
  • Nachweis extraluminaler Flüssigkeits- oder Gasansammlungen um den Appendix.

Waren 2 Kriterien positiv, wurde eine „wahrscheinliche Appendizitis“ diagnostiziert, bei nur 1 positiven Kriterium wurde der CT-Befund als „nicht eindeutig“ klassifiziert. In diesem Fall, oder wenn der Appendix nicht in seiner ganzen Ausdehnung beurteilbar war, empfahlen die Radiologen eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung. Dabei wurde die Diagnose Appendizitis gestellt, wenn alle 3 der folgenden Kriterien vorlagen:

  • vergrößerter Appendix (mehr als 6 mm),
  • Verdickung der Appendixwand gegenüber der restlichen Darmwand und
  • Druckschmerz im rechten Unterbauch bei der Untersuchung.

Bei nicht komplett zu beurteilendem Appendix wurde eine „geringe Wahrscheinlichkeit für eine Appendizitis“ festgestellt.

Ausgewertet wurde die Rate negativer Appendektomien, also entfernte Appendices, die nach chirurgischer bzw. pathohistologischer Beurteilung nicht akut entzündlich verändert waren, und mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres verglichen.

Bei 294 Patienten ergab sich in der CT eine akute Appendizitis, sie wurden operativ versorgt. Bei insgesamt 71 Patienten wurde der Befund bei der CT als „nicht eindeutig“ beurteilt, bei 40 von ihnen erfolgte die empfohlene Ultraschalluntersuchung. Dabei ergab sich 15-mal die Diagnose „akute Appendizitis“, 18-mal die Diagnose „normaler Appendix“, und 7-mal die Diagnose „geringe Wahrscheinlichkeit einer Appendizitis“. Von den 15 Patienten mit akuter Appendizitis gemäß Ultraschall wurde bei 12 die Diagnose bestätigt, bei 3 lag histologisch keine Appendizitis vor.

Von den 31 Patienten, die in der CT nicht eindeutige Befunde aufgewiesen hatten, aber nicht mittels Ultraschall nachuntersucht worden waren, wurde bei 18 aufgrund der klinischen Symptomatik die Operationsindikation gestellt, bei 3 von ihnen lag keine Appendizitis vor. Bei 12 der 13 restlichen Patienten in dieser Gruppe besserte sich die Symptomatik unter konservativer Therapie, und bei einer Frau erfolgte die klinische Diagnose einer entzündlichen Beckenerkrankung (pelvic inflammatory disease). Bei 63 Patienten wurde der CT-Befund als „wahrscheinlich keine Appendizitis“ beurteilt, davon wurden 8 mittels Ultraschall nachuntersucht. Bei 6 lautete die Diagnose „keine Appendizitis“ und bei 2 „geringe Wahrscheinlichkeit für eine Appendizitis“. Keiner dieser Patienten wurde operiert. Die Rate negativer Appendektomien lag bei insgesamt 2,3%, im Vergleichszeitraum hatte sie 3,4% betragen. Sensitivität und Spezifität von CT plus Ultraschall berechneten sich als 100% und 98,1% gegenüber 93% und 99% für die CT alleine.

Fazit
Wenn die CT den klinischen Verdacht auf eine akute Appendizitis nicht sichern, aber auch nicht komplett ausschließen kann, kann die Ultraschalluntersuchung bei der korrekten Diagnose helfen. Eine größere, multizentrische Studie mit Beteiligung unterschiedlicher Untersucher und unterschiedlicher Gerätetechnik sollte klären, ob diese Ergebnisse sich verallgemeinern lassen.

Aus: RöFo Ausgabe 01/2014

Originaltitel der Publikation: Eur Radiol 2013; 23: 1882–1890

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