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    Zum 100. Weltfrauentag erscheint eine neue Ausgabe der Neonatologie Scan und rückt die Leistung von Ärztinnen in den Mittelpunkt. © ajkramer/stock.adobe.com

     

Zum 100. Weltfrauentag: „Neonatologie Scan“ rückt Ärztinnen in den Mittelpunkt

Stuttgart, März 2021 – Am 8. März erscheint eine neue Ausgabe der Fachzeitschrift „Neonatologie Scan“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart). Anlässlich des 100. Weltfrauentags sind alle darin publizierten Beiträge von Medizinerinnen und Journalistinnen verfasst. Darüber hinaus würdigen die Herausgeber in ihrem Editorial exemplarisch Ärztinnen und Wissenschaftlerinnen, die mit ihrer Arbeit die Versorgung von Neugeborenen und Kindern maßgeblich geprägt und verbessert haben und solche, die sich dieser Aufgabe bis heute annehmen. Gleichzeitig merken sie kritisch an, dass bis heute die meisten fachpolitischen und klinischen Leitungspositionen in der Pädiatrie und Neonatologie von Männern besetzt seien.

Viele Rechte haben sich Frauen in den vergangenen hundert Jahren erkämpft, und dennoch sind viele Lebensbereiche bis heute männlich geprägt. Das gilt auch für das Fach der Medizin. Obwohl hier inzwischen mehr Frauen als Männer studieren, bildet sich dieses Verhältnis in den Führungspositionen nicht ab. PD Dr. med. habil. Axel Hübler und Professor Dr. med. Roland Hentschel verdeutlichen dieses Ungleichgewicht in ihrem Editorial am Beispiel medizinischer Fachgesellschaften, an deren Spitze Frauen nach wie vor die Ausnahme sind: So werde die 1977 gegründete Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin e. V. (GNPI) derzeit erstmals von einer Frau geleitet. Bis die Kinderärztin Professor Dr. Ursula Felderhoff-Müser das Amt 2017 übernahm, vergingen 40 Jahre. Der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.  V. (DGKJ), 1883 gegründet, folgte nach fünfundsechzig Männern an der Spitze mit Ingeborg Krägeloh-Mann 2018 erstmals eine Präsidentin. Dabei wäre die Entwicklung der Pädiatrie und Neonatologie ohne eine Vielzahl herausragender klinischer und wissenschaftlicher Leistungen von Ärztinnen, Kinderkrankenschwestern, Hebammen und Vertreterinnen weiterer Disziplinen nicht denkbar gewesen, betonen die Herausgeber der „Neonatologie Scan“.

So sei die erste Station für Frühgeborene und die Entwicklung des Inkubators 1880 im Pariser Hôpital de la Charité eng mit der dort leitenden Hebamme Félice Henry verknüpft. Gemeinsam mit dem Kinderarzt Etienne Stéphane Tarnier sei es ihr gelungen, die Überlebensrate von Frühgeborenen um 51 Prozent zu steigern. Die US-Medizinerin Virginia Apgar veröffentlichte 1953 fünf Kriterien zur Erfassung des Zustands von Neugeborenen. Bis heute ist der nach ihr benannte Apgar-Test der erste Gesundheitscheck für Babys nach der Geburt. Mary Ellen Avery wiederum forschte an der Harvard University und entdeckte 1957 die Ursache des Atemnotsyndroms bei Neugeborenen. Ihre Theorie, dass infolge eines Surfactant-Mangels die Lungenbläschen kollabieren, wurde erst Jahrzehnte später anerkannt. Seit den 1980er Jahren gilt die Gabe von Surfactant, wenn es nicht ausreichend in der Lunge gebildet wird, als Standardbehandlung von Atemnot bei Frühgeborenen, was maßgeblich zu deren Überleben beiträgt. Über dies würdigen die Herausgeber weitere Ärztinnen und Wissenschaftlerinnen wie Leonore Ballowitz, Ingeborg Syllm-Rapoport, Heidelise Als, Barbara Schmidt und Angela Kribs.

Ihre sowie die Leistung aller in der Neonatologie tätigen Frauen möchten die Herausgeber als gleichwertig zu der ihrer männlichen Kollegen anerkannt wissen. Die Ergebnisse einer 2020 im Journal of Perinatology veröffentlichten US-amerikanischen Studie zeigten jedoch, dass in der Pädiatrie und Neonatologie beschäftigte Ärztinnen immer noch signifikant seltener Führungspositionen innehaben, weniger verdienen und weniger publizieren. Es gibt also noch viel zu tun in Sachen Gleichberechtigung, so die Herausgeber.

Das Editorial von PD Dr. med. habil. Axel Hübler und Professor Dr. med. Roland Hentschel können Sie hier lesen: 
Ärztinnen und Wissenschaftlerinnen in der Neonatologie

„Neonatologie Scan“

Seit 2012 fassen Expertinnen und Experten in der „Neonatologie Scan“ in vier Ausgaben pro Jahr aktuelle Studien aus der internationalen neonatologischen Literatur zusammen. Ergänzend dazu werden in Stellungnahmen neueste Entwicklungen und strittige Themen diskutiert. Ein wesentlicher Teil jeder Ausgabe sind schließlich die beiden ausführlichen CME-zertifizierten und praxisnahen Fortbildungsbeiträge, die den Wissensstand zu ausgesuchten Themen widerspiegeln.

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