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    Wenn die Netzhaut an ihrer dünnsten Stelle, im Bereich des schärfsten Sehens, der Makula, reißt, ist eine Operation unumgänglich. © mehmetcan/stock.adobe.com

     

Internationales Team von Augenärzt*innen erhält Theodor-Axenfeld-Preis 2021

Stuttgart, September 2021 – Ein plötzlich auftretender Riss in der Netzhaut führt zu schweren Sehstörungen. Das entstandene Loch tritt häufig an der dünnsten Stelle der Netzhaut auf. Dieser Bereich ist gleichzeitig der Punkt des schärfsten Sehens, die sogenannte Makula. Ein internationales Team von Augenärzt*innen beschreibt in der Fachzeitschrift „Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) ein operatives Verfahren, mit dem sich größere, beziehungsweise nach einem Eingriff fortbestehende, Makulalöcher verschließen lassen. Die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft zeichnet das gesamte Team um Erstautor Professor Dr. med. Carsten Meyer für seine klinische Studie mit dem Theodor-Axenfeld-Preis aus. Die Stuttgarter Thieme Gruppe stiftet die mit 1500 Euro dotierte Auszeichnung.

Bei bis zu drei von 1000 Menschen kommt es im Alter ohne erkennbaren Grund zu einem Riss der Netzhaut (Retina). Augenärzt*innen machen eine Verklebung (Adhäsion) mit dem Glaskörper dafür verantwortlich, durch die die Retina an ihrer dünnsten Stelle, der Makula, einreißt. Um das Loch zu schließen, ist ein chirurgischer Eingriff notwendig. Dabei wird der Glaskörper, die durchsichtige Substanz, die den Augapfel zwischen Linse und Retina ausfüllt, entfernt und durch eine Flüssigkeit oder ein Gas ersetzt. In 95 Prozent der Fälle gelingt der Eingriff. Für die übrigen beschreiben die Preisträger*innen in ihrem jetzt ausgezeichneten Beitrag ausführlich ein alternatives Verfahren.

Professor Dr. med. Carsten H. Meyer (Davos/Schweiz), Dr. med. Miriam Adamcova (Aarau/Schweiz), Eduardo Rodrigues, MD (St. Louis/USA), Privatdozent Dr. med. Boris Stanzel (Sulzbach/Saar) und Professor Dr. med. Michael Koss (München) gehen davon aus, dass Verklebungen zum Gewebe unterhalb der Netzhaut, einen erfolgreichen Verschluss verhindern können. Daher empfehlen sie bei fortbestehenden und großen Netzhautrissen, die Injektion von Flüssigkeit in den subretinalen (unter der Netzhaut liegenden) Raum, um diese zu lösen. Dieses erstmals 2002 beschriebene Vorgehen führt zu sehr positiven Behandlungsergebnissen und sei von erfahrenen Chirurgen gut, sicher und schnell durchführbar.

Damit die Flüssigkeit nicht sofort durch das Makulaloch entweicht, wird dieses zunächst von außen mit einem Tropfen Decalin, einer öligen Substanz, verschlossen. Erst dann kann die Retina durch die Injektion einer Salzlösung von der subretinalen Schicht abgehoben werden. Die jetzt auf dem Untergrund schwimmende Retina glättet sich und häufig verschließt sich das Makulaloch von selbst. Der Decalin-Tropfen wird wieder entfernt. Wenn die Retina wieder flach aufliegt, können sich die Sehstörungen bessern, die bei einem Makulaloch häufig zu einem verzerrten Sehen, der Metamorphopsie, führen.

Professor Dr. med. Siegfried Priglinger, Editor-in-Chief der Thieme Fachzeitschrift „Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde”, hebt in seiner Laudatio hervor, dass fortbestehende oder große Makulalöcher mit konventionellen Techniken nur selten dauerhaft verschlossen werden könnten. „Es ist bemerkenswert, dass die von Professor Meyer und Ko-Autor*innen beschriebene Behandlungsstrategie eine Erfolgsrate von mehr als 80 Prozent erreicht“, erklärt er. Darüber hinaus beeindruckten ihn und die weiteren Jurymitglieder die detaillierte und anschauliche Beschreibung der einzelnen Operationsschritte, welche auch für nicht chirurgisch-tätige Augenärzte gut verständlich, grafisch aufgearbeitet wurden.

Die Jury

Neben Professor Dr. med. Priglinger gehört der Präsident der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, Professor Dr. med. Michael Amon, und die Präsidentin der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft, Professorin Dr. med. Beatrice Früh der diesjährigen Jury an. Insgesamt begutachteten sie 64 Originalarbeiten, die im vergangenen Jahr in den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde“ erschienen sind.

Über den Preis

Im Gedenken an den Augenarzt Theodor Axenfeld (1867–1930) würdigt die Thieme Gruppe zukunftsweisende wissenschaftliche Arbeiten, die wesentliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Augenheilkunde, für den in Klinik und Praxis tätigen Augenarzt, erbringen. Erstmals 1938 verliehen, wird die Auszeichnung seit 1964 regelmäßig für eine herausragende Veröffentlichung in den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde“ vergeben. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert.

Ausgezeichneter Beitrag

C.H. Meyer et al.:
Verschluss von persistierenden Makulalöchern durch subretinale Flüssigkeitsapplikation: technisches Vorgehen und chirurgische Überlegungen
Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2021; 238 (2): 173–178

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