• Riechstoerungen © goanovi/Adobe.Stock.com

    Gut zwei Drittel der Erkrankten scheinen im Verlauf von COVID-19 eine Riech- und Schmeckminderung zu erleiden. © goanovi/Adobe.Stock.com

     

Riechstörungen bei COVID-19: Was wissen Mediziner aktuell?

fzm, Stuttgart, Juli 2020 - In bisher veröffentlichten Studien aus Europa und den USA berichten gut zwei Drittel der SARS-CoV-2-Infizierten über eine Riech- und Schmeckminderung. Dabei treten die Symptome zu einem frühen Stadium der Erkrankung sehr plötzlich auf und klingen rasch wieder ab. Mediziner der Universitätsklinik Köln haben in der Fachzeitschrift "Laryngo-Rhino-Otologie" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2020) die aktuell zur Verfügung stehenden Forschungsergebnisse zusammengetragen. Dabei fußen die Erkenntnisse meist auf Befragungen der Betroffenen. Validierte Riechtests seien die Ausnahme und objektive Untersuchungen mit elektrophysiologischen Verfahren fänden sich bislang in der COVID-19-Literatur noch nicht, so die Experten. Beides sei jedoch dringend notwendig, um den zeitlichen Verlauf und die genaue Ursache der Funktionsstörung zu verstehen.

Für die aktuelle Übersichtsarbeit hat Dr. med. Martin Otte gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen 35 medizinische Beiträge ausgewertet, die bis zum 5. Mai 2020 in der Datenbank PubMed recherchierbar waren. In elf davon fanden sich Zahlen zur Häufigkeit von Riechstörungen im Zusammenhang mit COVID-19. Auffallend sei, so die Ärzte der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Universitätsklinik Köln, dass in europäischen und US-amerikanischen Studien sehr viel häufiger über die Symptomatik berichtet werde als in Untersuchungen aus dem asiatischen Raum. So schwankt der Anteil der Erkrankten mit Riechstörungen zwischen gut fünf in einer chinesischen Arbeit bis über 75 Prozent in einem Beitrag aus den USA. "Leider fehlen bislang systematische Studien, die einen Vergleich erlauben würden", schränken die Autoren ein. Zudem gingen die Daten der chinesischen Studie auf die Anfangszeit der Pandemie zurück als noch wenig über die Symptome bekannt war. "Es ist zu vermuten, dass nicht alle Patienten gezielt nach diesen Symptomen gefragt wurden."

Darüber hinaus berichten die meisten der Arbeiten von Riechstörungen im Rahmen von milden bis moderaten Verläufen der Erkrankung. Die Wissenschaftler geben hierzu jedoch zu bedenken, dass fragenbogenbasierte Erhebungen vor allem mit Betroffenen mit einer geringeren Symptomatik durchgeführt würden. Grundsätzlich seien Studien im Hinblick auf einen eingeschränkten Riech- und Geschmackssinn mit hospitalisierten, also schwer von der Krankheit betroffenen Patienten, seltener. Zudem existierten bislang keine belastbaren Vergleichsstudien zwischen ambulanten und stationär Behandelten.

Übereinstimmend berichten die vorliegenden Studien, dass die Riechstörungen zu einem frühen Zeitpunkt der Erkrankung sowie sehr plötzlich auftreten "Dadurch unterscheidet sich die Riech- und Schmeckstörung im Rahmen von COVID-19 deutlich von anderen postviral erworbenen Riechstörungen", erklären die Autoren.

Keine Aussage können die Mediziner zu den Ausprägungen der Riechstörungen im Rahmen von COVID-19 machen. Um herauszufinden, ob ein Patient nur eine verminderte Riechfunktion (Hyposomie) habe oder unter einem vollständigen Riechverlust (Anosmie) leide, könne mittels Befragung nicht sicher geklärt werden. Bisher differenzierten die vorliegenden Arbeiten auch kaum zwischen einer Schmeck- und Geschmacksstörung, so Otte und Kollegen. So könne aktuell nicht gesagt werden, ob SARS-CoV-2 lediglich die Funktion des Riechnervs beeinflusse oder gegebenenfalls auch die "Geschmacksnerven" der Zunge und des Rachens in Mitleidenschaft ziehe. Dazu seien weitere Studien mit validierten Riechtests notwendig.

M. Otte et al.:
Riechstörungen bei COVID-19 – aktueller Wissensstand
Laryngo-Rhino-Otologie 2020; online erschienen am 10.6.2020

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