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    Husten kann viele Ursachen haben: Häufig tritt er als Begleiterscheinung einer Erkältung auf; manchmal ist auch Sodbrennen der Auslöser. © hoghwaystarz/Adobe.Stock

     

Neue Leitlinie für Lungenfachärzte: Was tun, wenn der Husten nicht aufhört?

fzm, Stuttgart, März 2019 – Die meisten Menschen leiden bei Erkältung oder Grippe auch unter Husten. Das ist normal und meist klingen die Beschwerden nach kurzer Zeit ab. Hält der Husten jedoch an oder tritt ohne erkennbare Ursache auf, ist eine medizinische Abklärung notwendig. Die aktuell in der Fachzeitschrift „Pneumologie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2019) veröffentlichte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) zeigt, welche Maßnahmen wann sinnvoll sind. Ein besonderes Augenmerk legen die Experten auf mögliche Ursachen, die mittels üblicher Diagnostik unentdeckt bleiben.

Akuter Husten gehört zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch. Sofern keine weiteren bedrohlichen Symptome wie Bluthusten, Atemnot oder hohes Fieber vorliegen, sind in der Regel keine weiteren Untersuchungen notwendig. Passende Medikamente können dazu beitragen, dass der Husten schneller abklingt: Bei Erkältungen dominiert die Schleimproduktion in den ersten Tagen, hier helfen Medikamente, die das Abhusten erleichtern. Bei trockenem Husten sind Mittel, die den Hustenreiz unterdrücken, die beste Wahl. Hier haben sich auch Hausmittel wie Gurgellösungen, Lutschtabletten, Honig und Hustenbonbons bewährt. Diese Mittel lindern den Husten, indem sie die Hustenrezeptoren im Rachen „umhüllen“ und dadurch vor einer Reizung schützen. Die Wirkung ist allerdings meist von kurzer Dauer. In der Regel verschwindet der Husten innerhalb von zwei Wochen.

Hält der Husten über zwei bis sechs Wochen an, sprechen Lungenfachärzte von einem subakuten Husten. „Schuld sind oft hartnäckige Adenoviren, seltener auch bakterielle Erkrankungen wie Keuchhusten“, erklärt der Facharzt für Innere Medizin, Dr. med. Peter Kardos, der gemeinsam mit weiteren Experten die neue Leitlinie auf den Weg gebracht hat. An der vermeintlichen Kinderkrankheit leiden heute vermehrt Menschen im Jugend- und Erwachsenenalter, weil die Wirkung der Impfung nachlässt. Aber auch chronische Erkrankungen wie Bronchitis oder Asthma können im Falle einer akuten Verschlechterung, auch „Exazerbation“ genannt, einen über Wochen anhaltenden Husten auslösen. Gar nicht selten kann Husten sogar das einzige Symptom einer Asthmaerkrankung sein. Dr. Kardos und seine Kollegen berichten über Fälle, bei denen das typische Giemen und Pfeifen der Atmung fehlte und die Lungenfunktion normal war. Auf Asthmamedikamente sprachen die Betroffenen jedoch gut an.

Wenn ein Husten länger als acht Wochen anhält, raten die Experten zu weiteren Untersuchungen. Mithilfe eines Lungenfunktionstests oder Röntgenaufnahmen können ernsthafte Erkrankungen, wie ein Tumor oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), erkannt beziehungsweise ausgeschlossen werden.

Manchmal liegt die Ursache für den Husten jedoch gar nicht in der Lunge oder den Atemwegen selbst. Gängige diagnostische Mittel wie Lungenfunktionstest und Röntgenuntersuchung laufen dann ins Leere. Verschiedene Erkrankungen können jedoch den Hustenreflex empfindlicher machen: „Dazu zählen chronische Infektionen im Nasen-Rachen-Raum, wie eine Nebenhöhlenentzündung, die gemeinsam mit einem HNO-Arzt diagnostiziert und behandelt werden müssen“, erläutert Dr. Kardos.

Ein weiterer Trigger für chronischen Husten kann Sodbrennen sein. Der aufsteigende Magensaft reizt Rachen und Atemwege. Die Störung ist häufig, so Dr. Kardos. Jeder zweite Hausarztpatient berichte bei Nachfragen über Sodbrennen. Der Reflux könne durch Medikamente gut behandelt werden. Doch leider bessere sich der Husten häufig aufgrund der erhöhten Empfindlichkeit des Hustenreflexes bei diesen Patienten nicht. Konventionelle Hustenhemmer, wie Kodein, sind nur wenig wirksam.

Lungenfachärzte hoffen derzeit auf neue Medikamente, die die Empfindlichkeit des Hustenreizes über längere Zeit hemmen. Die klinischen Tests sind laut Dr. Kardos und Kollegen jedoch noch nicht abgeschlossen.

P. Kardos et al.:
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten
Pneumologie 2019; 73 (3); S.140–177

 

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