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    Parkinson tritt meist erst nach dem 50. Lebensjahr auf. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird auch die Anzahl der Patienten in Zukunft zunehmen. © Khunatorn/Adobe.Stock

     

Neue Medikamente, Hirnstimulation und Tango erhalten Beweglichkeit bei Parkinson

fzm, Stuttgart, April 2019 – In Deutschland leben momentan rund 400 000 Patienten mit der Parkinsonkrankheit. Fast die Hälfte der Betroffenen erkrankt zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr, weitere 20 Prozent in noch höherem Alter. Der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung werden die Zahl der Betroffenen in Zukunft weiter steigen lassen. Heilbar ist die Nervenerkrankung bislang nicht. Es gibt jedoch eine Reihe von Behandlungen, die die Beschwerden lindern und die Lebensqualität der Patienten länger erhalten können. Experten der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Marburg berichten in der Fachzeitschrift “Neurologie up2date“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2019), was heute möglich ist. Die Marburger Klinik wurde kürzlich als erste und einzige Einrichtung in Deutschland als „Center of Excellence“ der International Parkinson Foundation zertifiziert.

Symptome

Das häufigste Symptom im Frühstadium der Parkinson-Krankheit ist die sogenannte Bradykinese; die Bewegungsabläufe der Betroffenen verlangsamen sich auffällig. Noch auffälliger ist das Zittern der Hände, was Experten als Ruhetremor bezeichnen. Hinzu kommen eine Steifheit der Muskeln und eine zunehmende Unsicherheit beim Stehen. Für erfahrene Ärzte reichen diese Anzeichen meist aus, um Parkinson zu diagnostizieren. Den Beweis liefert oft die probeweise Einnahme von L-Dopa. Das Standardmedikament kann die Symptome innerhalb kurzer Zeit beseitigen. L-Dopa ersetzt im Gehirn den Botenstoff Dopamin, dessen Mangel für die Erkrankung verantwortlich ist.

Medikamente

Für ältere Menschen mit Parkinson ist es weiter das bevorzugte Mittel, berichtet Professor Lars Timmermann. Er ist Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg und hat mit seiner Kollegin Dr. Josefine Waldthaler in der Fachzeitschrift „Neurologie up2date“ den aktuellen Forschungsstand zusammengefasst. Jüngeren Patienten verordnen die Ärzte häufiger Dopaminagonisten. Sie ahmen die Wirkung des fehlenden Dopamins nach. Anders als L-Dopa müssen die Dopaminagonisten nicht erst in eine wirksame Form umgewandelt werden, sondern wirken direkt.

In den letzten Jahren sind weitere Mittel hinzugekommen. Safinamid und Opicapon hemmen Enzyme, die L-Dopa im Körper abbauen. Das verbessert die Wirkung des Medikaments. Den größten Nutzen davon haben Patienten, bei denen es zu neuen Bewegungsstörungen, sogenannten Dyskinesien, oder zu Schwankungen in der Wirkung von L-Dopa gekommen ist, erklären die Marburger Wissenschaftler.

Tiefe Hirnstimulation

Wenn die Medikamente nicht mehr wirken, kann einigen Patienten durch eine tiefe Hirnstimulation geholfen werden. Unter Narkose werden Elektroden in die erkrankten Hirnregionen vorgeschoben. Leichte elektrische Impulse lindern danach vor allem den störenden Ruhetremor, schreiben Timmermann und Waldthaler. Möglich sind auch Infusionstherapien, bei denen den Patienten das Medikament Apomorphin in konstanter Menge unter die Haut gespritzt wird. Eine weitere Behandlung besteht in der kontinuierlichen Gabe von Dopamin über eine Magensonde.

Endstadium Demenz

Weder die Hirnstimulation noch die Medikamente können die Zerstörung des Gehirns jedoch aufhalten. Zunehmende Gedächtnisstörungen gipfeln häufig in einer Demenz. Auch hier können Medikamente helfen. In den USA wurde jüngst mit Pimavanserin speziell ein Psychopharmakon für Parkinson-Kranke eingeführt. In Deutschland ist das Mittel noch nicht zugelassen.

Tanzen gegen den Tremor

Die Experten raten Betroffenen, nicht allein auf neurochirurgische und medikamentöse Behandlungen zu setzen. Viele motorische Störungen und das Gangbild ließen sich auch durch Physiotherapie und Freizeitaktivitäten verbessern. Studien belegten mittlerweile die positive Wirkung von Tango, Paartanz, Irish Dance, Zumba, Samba, Yoga, Nordic Walking und Ballett. „Die positiven Aspekte regelmäßiger nichtmedikamentöser Therapie sollten nicht außer Acht gelassen werden: Sie leistet einen elementaren Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität und zum Erhalt der Alltagskompetenzen, der Mobilität und der sozialen Integration der Patienten“, betonen Dr. Waldthaler und Professor Timmermann.

J. Waldthaler und L. Timmermann:
Neues zu Diagnostik und Therapie des idiopathischen Parkinson-Syndroms
Neurologie up2date 2019; 2 (1); S.31–46

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