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    Bis zu 50 Prozent der Einweisungen in Altenheime sind direkt oder indirekt durch Inkontinenz verursacht. © DOC RABE Media/Adobe.Stock

     

Auch ältere Patientinnen profitieren von OP bei Blasenschwäche

fzm, Stuttgart, Juni 2019 – Liegt bei älteren Frauen eine behandlungswürdige Senkung am Beckenboden oder eine Blasenschwäche vor, wird ihnen oft von einer Operation abgeraten. Eine Studie in der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019) zeigt jedoch, dass entsprechende Eingriffe auch bei über 70-Jährigen größtenteils erfolgreich sind.

Eine von acht Frauen erleidet im Verlauf ihres Lebens eine behandlungswürdige Senkung am Beckenboden (Deszensus genitalis). Des Weiteren entwickelt jede siebte Frau eine therapiewürdige Blasenschwäche in Form einer Belastungsinkontinenz. Letzteres bezeichnet den Urinverlust bei Druckerhöhung im Bauchraum, etwa beim Husten oder Heben schwerer Lasten. Der Schließmuskelapparat der Betroffenen ist geschwächt. Prinzipiell können beide Krankheitsbilder unabhängig voneinander auftreten. Eine Senkung kann eine Harninkontinenz jedoch begünstigen oder verstärken. Das Risiko für eine Belastungsinkontinenz und/oder einen Deszensus nimmt mit dem Alter zu, weil die Stabilität der Beckenbodenmuskulatur nachlässt.

Inkontinenz ist häufig Ursache für die Einweisung in ein Heim

Das mindert die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und kann weitreichende Folgen haben: „In Deutschland stellt die Harninkontinenz nach der Immobilität die zweitwichtigste Ursache für eine häusliche Krankenpflege dar; bis zu 50 Prozent der Einweisungen in Altenheime sind direkt oder indirekt durch Inkontinenz verursacht“, berichtet der Gynäkologe Dr. Ralf Joukhadar vom Universitätsklinikum Würzburg.

Beeinflusst das Alter den OP-Erfolg?

Mittlerweile gibt es verschiedene operative Verfahren, die bei einem Deszensus oder einer Belastungsinkontinenz durchgeführt werden können. Weil bislang jedoch nicht eindeutig geklärt ist, inwiefern das Alter der Patientinnen den Erfolg des Eingriffs beeinflusst, würden ältere Frauen bisher weniger oft operiert als jüngere, so Joukhadar. Um eine mögliche Korrelation von Patientenalter und OP-Erfolg aufzuzeigen, wertete der Gynäkologe entsprechende Krankenakten der Universität Homburg/Saar aus, wo er bis 2015 als Leiter der Urogynäkologie tätig war.

An der Klinik unterzogen sich zwischen Juli 2012 und Ende Dezember 2014 insgesamt 407 Frauen einer Operation. 129 von ihnen waren über 70 Jahre* alt. Während sich die unter 70-jährigen Patientinnen häufiger mit einer Belastungsinkontinenz vorstellten, lag bei den älteren mehrheitlich eine Senkung der Genitalorgane oder des Beckenbodens vor. Bei einer Blasenschwäche legten die behandelnden Ärzte unabhängig vom Patientenalter meistens ein Vaginalband zur Stabilisierung der Harnröhre ein. Die Erfolgsquote lag bei älteren Frauen bei rund 84 Prozent und bei jüngeren Frauen bei fast 93 Prozent.

Im Falle eines Deszensus unterschieden sich die OP-Verfahren in den beiden Altersgruppen. Bei Frauen unter 70 Jahren entschieden sich die Ärzte eher für eine laparoskopische Sakropexie: Unter Vollnarkose verbinden die Chirurgen mittels Bauchspieglung den sich senkenden Anteil (Gebärmutter, Scheide, Blase) unter Anwendung eines Netzstreifens (Gewebsersatz) mit dem Kreuzbein. Bei älteren Frauen wurde die Korrektur häufiger vaginal durchgeführt. In manchen Fällen legten die Ärzte ein Netz im Bereich der Scheide ein. Dieser Eingriff ist durch örtliche Betäubung der Rückenmarksnerven möglich und kann somit älteren Patientinnen die Vollnarkose ersparen.

Eingriffe auch jenseits der 70 größtenteils erfolgreich

Dr. Joukhadar gibt die Erfolgsquote der Deszensus-Operation bei Frauen über 70 Jahren mit rund 84 Prozent an. Unter den jüngeren Patientinnen waren die Eingriffe bei gut 93 Prozent der Frauen erfolgreich. Das Gelingen der Operation wurde durch einen Funktionstest am Entlassungstag sowie drei bis sechs Monate danach beurteilt.

Angesichts der positiven Ergebnisse plädiert Dr. Joukhadar dafür, weniger zurückhaltend zu sein als bisher, wenn es darum geht, eine Operation bei älteren Patientinnen durchzuführen. Sofern es der Allgemeinzustand erlaubt, sollten Patientinnen nicht allein aufgrund eines höheren Alters ausgeschlossen werden. Sie profitierten ebenso wie jüngere von den beschriebenen Eingriffen, ist der Gynäkologe überzeugt.

* Die Wahl der Altersgrenze von 70 Jahren zur Unterteilung in jüngere und ältere Patientinnen basiert auf der in Deutschland gültigen Definition geriatrischer Patienten.

R. Joukhadar et al.:
Einfluss des Patientenalters auf das Outcome vaginaler und laparoskopischer Eingriffe in der Urogynäkologie
Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2019; eFirst erschienen am 22.5.2019

 

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