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    Die chirurgische Behandlung der Aortenklappenendokarditis (AVE) erfordert interdisziplinäre Ansätze, um die hohe Sterberate und die Häufigkeit der Erkrankung zu begrenzen. © medistock, Adobe Stock.com

     

Experten fordern Behandlungsregister bei Herzklappenentzündungen

Stuttgart, Januar 2020 – Die chirurgische Behandlung der Aortenklappenendokarditis (AVE) erfordert interdisziplinäre Ansätze, um die hohe Sterberate und die Häufigkeit der Erkrankung zu begrenzen. Das Fehlen übergreifender Standards für die Diagnose und Behandlung dieser Infektionen erschwert Herzchirurgen die Wahl einer optimalen Therapie für ihre Patienten. Professor Payam Akhyari und seine Mitautoren sind der Ansicht, dass ein multizentrisches Behandlungsregister dringend benötigte Klarheit über Art und Verlauf der AVE sowie über die optimale Diagnose und Behandlung der Krankheit schaffen würde. Ihre Argumente, die sich auf eine deutschlandweite Befragung unter Herzchirurgen stützen, haben sie in der Fachzeitschrift The Thoracic and Cardiovascular Surgeon (Thieme Publishers, Stuttgart. 2019) veröffentlicht.

Die Aortenklappenendokarditis ist eine lebensbedrohliche Herzklappenentzündung, die durch Bakterien in der Blutbahn verursacht wird. Trotz erheblicher Verbesserungen der Labortests und der bildgebenden Verfahren zur Frühdiagnose sowie der Weiterentwicklung von Antibiotika ist der kurz-, mittel- und langfristige Behandlungserfolg für AVE-Patienten begrenzt. Eine Operation, bei der das gesamte infizierte Gewebe entfernt wird, bietet oft die einzige Chance auf Heilung. 

Um besser zu verstehen, wie und wann es zu einer solchen Herzklappenentzündung kommt, haben Professor Payam Akhyari von der Universität Düsseldorf und seine Mitautoren von der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg a. d. Fulda und dem Herzzentrum Leipzig, die Daten einer Umfrage analysiert, die die Arbeitsgemeinschaft für Aortenklappenchirurgie der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie durchgeführt hat. 

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede unter den 64 herzchirurgischen Abteilungen auf, die den Fragebogen der Fachgesellschaft beantwortet haben. Die Art und Weise wie eine Aortenklappenendokarditis diagnostiziert und herzchirurgisch behandelt wird, variiert insbesondere in folgenden Bereichen: Umfang und regelhafter Einsatz bildgebender Verfahren, Erfolgsquote bei der Identifikation der AVE verursachenden Bakterien, Festlegung des Operationszeitpunktes für gefäßverschließende Eingriffe sowie Auswahl der Klappenprothese für den Aortenklappenersatz. So wurde die transösophageale Echokardiografie – eine Ultraschalluntersuchung, bei der ein Endoskop mit Schallkopf in die Speiseröhre eingeführt wird – von den meisten Abteilungen als Standard-Diagnoseinstrument eingesetzt. Eine präoperative Angiografie der Herzkranzgefäße oder eine Computertomografie wurde jedoch nicht verpflichtend bei allen AVE-Patienten durchgeführt, die sich einem herzchirurgischen Eingriff unterzogen. Auch das systematische Screening auf Gefäßverschlüsse (Embolien) erwies sich als umstritten. Die Ergebnisse stellen die aktuell größte bundesweite Datenerhebung in diesem Bereich dar.

„Die Ergebnisse der Befragung zur herzchirurgischen Therapie der AVE verdeutlichen zum einen ein sehr heterogenes Bild, zeigen aber auch vereinzelt Gemeinsamkeiten in der Praxis auf“, so die Autoren der Studie. „Die erhobenen Daten sollten jetzt die Grundlage für ein multizentrisches Register bilden, um das Wissen über Art und Verlauf der AVE zu verbessern“, fordern sie. Darüber hinaus könne ein großes multizentrisches Register den Weg für zukünftige Studien ebnen, die sich mit den dringendsten klinischen Anforderungen bei der Diagnose und Behandlung der AVE beschäftigen.

Payam Akhyari et al.:
Evaluation of Strategies in the Management of Infective Aortic Valve Endocarditis at German Cardiac Surgical Departments
The Thoracic and Cardiovascular Surgeon 2019; 08: S. 624-630

 

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