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    Immer mehr Patienten werden nicht notfallmäßig, sondern dauerhaft beatmet. © Tobilander/Adobe.Stock.com

     

Zahl der Beatmungspatienten in Deutschland nimmt rasant zu

fzm, Stuttgart, Mai 2019 – In Deutschland sind immer mehr Menschen dauerhaft auf Beatmungsgeräte angewiesen. Darunter befinden sich laut einer epidemiologischen Studie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019) immer mehr ältere und mehrfach erkrankte Patienten. Für sie ist es besonders schwer, nach einer längeren intensivmedizinischen Behandlung wieder selbstständig zu atmen.

Experten in sogenannten Weaning-Zentren bemühen sich gezielt darum, Intensivpatienten von der Beatmung zu entwöhnen. Aber trotz steigender Erfahrung und Expertise können nur etwa 60 Prozent der Patienten von der invasiven Beatmung entwöhnt werden. Ein Teil von ihnen benötigt jedoch auch danach noch eine Atemunterstützung in Form einer nichtinvasiven Maskenbeatmung. Knapp 25 Prozent der Weaning-Patienten müssen die Beatmung über die Trachealkanüle auch außerklinisch fortsetzten. Rund 15 Prozent der Patienten versterben. Experten gehen davon aus, dass die Rate des erfolglosen Weanings außerhalb der etablierten Fachzentren noch wesentlich höher ist.

Auch außerklinisch beatmete Patienten müssen regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen oder bei akuten Problemen ins Krankenhaus. Im Jahr 2016 wurden nach einer Datenbankrecherche von Professor Christian Karagiannidis, Lungenklinik Merheim, in Deutschland insgesamt rund 86 000 ambulant beatmete Patienten in einer Klinik betreut. Im Jahr 2006 waren es nur rund 25 000. Gleichzeitig sank die Sterblichkeit der beatmeten Patienten im Krankenhaus von 13,2 Prozent auf 5,7 Prozent. Die Datenanalyse offenbarte auch, dass immer häufiger sehr alte Menschen mit einem Beatmungsgerät versorgt werden. Knapp 1500 der im Jahr 2016 künstlich beatmeten Patienten waren laut den Recherchen von Professor Karagiannidis über 90 Jahre alt.

Viele der dauerbeatmeten Patienten haben eine oder mehrere schwerwiegende Erkrankungen. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) leidet an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), ein Drittel hat eine Pumpschwäche des Herzens (32 Prozent) oder einen Typ-2-Diabetes (32 Prozent). Ein Viertel leidet an einer Verengung der Herzkranzgefäße (25 Prozent) oder an einer Nierenschwäche (24 Prozent). Auch neurologische Erkrankungen sind häufig zu verzeichnen. Hinzu kommen laut Professor Karagiannidis Infektionen mit Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind.

Der exponentielle Anstieg der sehr pflegeintensiven Patienten stellt das Gesundheitssystem nach Ansicht von Professor Karagiannidis vor extreme finanzielle und personelle Herausforderungen. „Die Vielzahl der zugrunde liegenden Haupt- und Nebendiagnosen erfordern die Expertise unterschiedlichster Fachdisziplinen in der ambulanten und stationären Versorgung“, betont Professor Dr. Wolfram Windisch, Seniorautor der Studie. Hinsichtlich der zunehmenden Zahl solcher Patienten gefährde der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal zunehmend die Versorgung der Betroffenen.

Darüber hinaus wirft die Beatmungstherapie bei hochbetagten, mehrfach erkrankten Patienten ethische Fragen für Windisch auf. Denn im Falle eines erfolglosen Weanings sei die Fortsetzung einer invasiven Langzeitbeatmung im außerklinischen Bereich mit einer stark eingeschränkten Lebensqualität verbunden, wie aktuelle Studien belegten. „In diesem Sinne ergibt sich die Frage, ob alles das, was die moderne Medizin heute leisten kann, unter ethischen Betrachtungen auch geleistet werden muss“, so Windisch.

C. Karagiannidis et al.:
Epidemiologische Entwicklung der außerklinischen Beatmung: Eine rasant zunehmende Herausforderung für die ambulante und stationäre Patientenversorgung
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2019; 144 (9); e58–e63

 

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