• Blutgefäß mit Ablagerungen © Christoph Burgstedt/ Adobe.Stock.com

    Bei 95 Prozent der Patienten geht der pAVK eine Arteriosklerose voraus. Ablagerungen verengen die Blutgefäße. © Christoph Burgstedt/ Adobe.Stock.com

     

Armtraining verbessert die Durchblutung der Beine bei pAVK

fzm, Stuttgart, Januar 2019 – Etwa 20 Prozent der über 60-jährigen Deutschen leiden unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Infolge einer Arterienverkalkung sind die Gefäße der Extremitäten, meist der Beine, nicht mehr ausreichend durchblutet. Mediziner empfehlen Betroffenen in der Regel ein gezieltes Beintraining, um die Durchblutung zu verbessern. Eine Studienübersicht in der Fachzeitschrift „physiopraxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019) zeigt, dass die Betroffenen auch von einem Training am Arm-Ergometer profitieren.

Neben einer Therapie mit blutverdünnenden Medikamenten empfehlen Ärzte den Betroffenen ein regelmäßiges körperliches Training, um die Funktion der Gefäße zu verbessern. Als Goldstandard gelten dabei Trainingseinheiten auf dem Laufband oder dem Fahrradergometer. „Gerade diese Beinarbeit kann jedoch sehr schmerzhaft sein und wird von pAVK-Patienten oft abgelehnt“, schreiben Erik Willems und Raphael Weidmann in ihrem Beitrag. Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW) in Winterthur haben die beiden Physiotherapeuten deshalb nach Alternativen gesucht. Dafür haben sie Studien gesichtet, die die Wirkung eines Armtrainings auf eine pAVK der Beine untersucht haben. Insgesamt vier Forschungsarbeiten werteten sie aus.

Alle Untersuchungen zeigten, dass sich ein mehrwöchiges Armtraining positiv auf die pAVK-Symptome auswirkte. Die Patienten blieben beim Gehen länger schmerzfrei, und auch die maximale Gehstrecke, die sie am Stück zurücklegen konnten, verlängerte sich. Außerdem verbesserte sich die Sauerstoffversorgung der Wadenmuskulatur. Die Probanden schätzten zudem ihre Lebensqualität nach dem Training positiver ein. „Diese Effekte waren genauso deutlich, zum Teil sogar deutlicher ausgeprägt, wie beim herkömmlichen Training mit Laufband und Fahrradergometer“, fassen Willems und Weidmann zusammen.

Vermutlich trage Ausdauertraining generell dazu bei, dass sich Kollateralgefäße um blockierte Arterien herum entwickelten – und zwar unabhängig vom Ort der Muskelbeanspruchung. Wie „Umgehungsstraßen“ sorgen die Kollateralen dann dafür, dass zuvor unterversorgte Areale besser durchblutet werden. „Auch wenn dieser Mechanismus aktuell nicht abschließend geklärt ist, ist das Arm-Ergometer-Training in jedem Fall eine sinnvolle Alternative zur herkömmlichen Trainingspraxis“, konstatieren die Schweizer Physiotherapeuten. Das gelte insbesondere auch für Patienten mit fortgeschrittener pAVK, denen aufgrund schwerwiegender Durchblutungsstörungen von einem Beintraining abgeraten wird.

Im Volksmund wird die pAVK oft als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet: Betroffene können nur noch kurze Strecken schmerzfrei gehen und bleiben daher oft stehen, um ihren Beinen Erholung zu verschaffen – gerade so, als interessierten sie sich für jedes Schaufenster, an dem sie vorübergehen. Bei 95 Prozent der Patienten geht der pAVK eine Arteriosklerose voraus. Durch chronische Entzündungsprozesse aufgrund einer defekten Arterieninnenwand sammeln sich Plaques an, die den Arteriendurchmesser verringern. Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Übergewicht sowie Fettstoffwechselstörungen erhöhen das Risiko für eine Arteriosklerose. Entsprechende Ablagerungen und Engstellen in Gefäßen, die das Herz oder das Gehirn versorgen, erhöhen zudem die Gefahr, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

E. Willems und R. Weidmann
Sinnvolle Umleitung: Armergometertraining bei pAVK
Physiopraxis 2019; 17 (1); S. 40-41

 

Call to Action Icon
FZMedNews Bestellen Sie hier!