• Diemer Sutor

    Frank Diemer und Volker Sutor plädieren für den progressiven Behandlungsweg bei Patienten nach Bandscheibenoperation.

     

Verstaubte Ansichten

THERAPIE NACH LUMBALER BANDSCHEIBEN-OP: Die Behandlung von Patienten nach Bandscheibenoperation an der LWS ist oft geprägt von pauschalen Verboten – zum Beispiel, nicht zu beugen. Diese Verbote sind wissen-schaftlich nicht haltbar, meinen Volker Sutor und Frank Diemer. Sie plädieren für den progressiven Weg.

Frank Diemer und Volker Sutor sind Physiotherapeuten, Autoren der Bücher „Praxis der medizinischen Trainingstherapie“ und Mitinitiatoren der Weiterbildungsgruppe „Fortbildungen für orthopädische Medizin und manuelle Therapie“ (FOMT).

Frank und Volker, was sind eurer Meinung nach die drei größten Fehler, die momentan in der Therapie von Patienten nach Bandscheiben-OP gemacht werden?
Frank Diemer: Zu viele pauschale Verbote, zu wenig Aktivität, zu wenig oder falsche Infos.

Während meiner Ausbildung vor 15 Jahren war die Behandlung von Patienten nach Bandscheiben-OP immer mit Angst und großer Vorsicht von Seiten der Therapeuten verbunden: nicht drehen, nicht sitzen, nicht beugen, ja nichts kaputtmachen. Wie ist das heute?
Volker Sutor: Einige Ausbildungsstätten gehen inzwischen progressiver vor, aber es wird auch immer noch viel Angst verbreitet.

Worauf basiert diese Angst?
VS: Wahrscheinlich darauf, dass biomechanische Untersuchungen irgendwann einmal falsch interpretiert und diese falschen Inter-pretationen immer weitergetragen wurden. Nehmen wir das Flexions-verbot: Historisch gesehen basiert es auf einer Studie von Alf Nachemson aus den 60er Jahren. Nachemson selbst kam darin allerdings nie zu dem Ergebnis, dass Flexion problematisch ist. Er fand lediglich anhand von drei Probanden heraus, dass der Druck in der Bandscheibe beim Vorneigen im Stand größer ist als im Sitzen und Liegen. Aber was bedeutet schon ein höherer Druck? Viele solcher Ängste und Verbote beruhen auf Thesen, die falsch aus Studien abgeleitet werden. Sie vermitteln beispielsweise die scheinbare Sicherheit, dass man „weiß“, wann die Bandscheibe viel belastet ist und wann wenig. Doch de facto kann man das gar nicht sagen. In Extension ist eben ein anderer Teil belastet als in Flexion, und der Druck ist mal höher und mal niedriger. Man kann daher auch nicht pauschal sagen, dass bestimmte Bewegungen „schädlich“ sind. Und deswegen versagt auch ein Konstrukt wie: „Ich verbiete bestimmte Dinge und bin deshalb auf der sicheren Seite.“

 

Lesen Sie hier das ganze Interview zum Thema Therapie nach lumbaler Bandscheiben-OP.