• © Dmitry Kalinovsky/shutterstock.com

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Schenkelhalsfraktur – Innerhalb von 12 Stunden operieren

Die Mortalitätsrate nach 30 Tagen bei einer Schenkelhalsfraktur liegt bei 8,2 Prozent. Doch gibt es Faktoren, die vorhersagen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit jemand eine Schenkelhalsfraktur überlebt? Dieser Frage gingen zwei Orthopäden aus Peterborough in England nach. Sie sammelten zwischen 1989 und 2013 die Daten von 6.226 Patienten über 60 Jahre, die sich eine Schenkelhalsfraktur zugezogen hatten, und beobachteten, wer von ihnen 30 Tage nach der Fraktur noch lebte.

Die Daten umfassten:

> Alter
> Geschlecht
> ASA-Grad (Glossar)
> die Mobilität auf einer Skala von null bis neun (0 = immobil,
9 = unabhängig mobil)
> Wohnort (zu Hause oder im Heim)
> mentale Funktion (MMTS – Mini Mental Test Score)
> intra- oder extrakapsuläre Fraktur
> Art der Operation (Fixation oder Gelenkersatz)
> Zeitpunkt der Operation nach der Klinikeinweisung

Die Patienten waren durchschnittlich 82 Jahre alt, 78 Prozent von ihnen waren weiblich. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass von allen Daten der ASA-Grad die zuverlässigste Aussage darüber machen kann, wie wahrscheinlich es ist, dass der Patient die ersten 30 Tage nach Klinikeinweisung überlebt. Jede Steigerung um eine Stufe auf dem ASA-Grad erhöhte bei den Patienten die Wahrscheinlichkeit zu sterben um das 1,5-Fache. Auch ein höheres Alter und eine extrakapsuläre Fraktur steigerten das Risiko deutlich. Einen großen Einfluss auf die Mortalität hatte zudem der Zeitraum, innerhalb dessen die Operation stattfand. Ein Eingriff, der später als 12 Stunden nach dem Ereignis erfolgte, erhöhte die Wahrscheinlichkeit um 60 Prozent, nach 30 Tagen nicht mehr zu leben. Die beste Prognose hatten dagegen die Patienten, die innerhalb der ersten 12 Stunden nach Aufnahme operiert wurden. Bessere Überlebenschancen hatten auch die weiblichen Teilnehmerinnen sowie diejenigen mit einer guten mentalen Funktion und einer höheren Mobilität.

Die Forscher betonen daher, dass es aufgrund ihrer Ergebnisse legitim sei, in der Klinik alle möglichen Ressourcen zu mobilisieren, um Patienten mit Hüftfrakturen möglichst innerhalb von 12 Stunden nach Einweisung operieren zu können.

Quelle: Bone Joint J 2015; 97-B: 104–108

ASA-Klassifikation

1963 führte die American Society of Anesthesiologists eine fünfstufige Klassifikation ein, um den Zustand von Patienten vor einer Operation einzuschätzen. Die sechste Kategorie wurde später hinzugefügt.

Quelle: Anesthesiology 1963; 24: 111

Glossar

  • ASA 1
    Gesunder Patient
  • ASA 2
    Patient mit leichter Allgemeinerkrankung
  • ASA 3
    Patient mit schwerer Allgemeinerkrankung
  • ASA 4
    Patient mit schwerer Allgemeinerkrankung, die eine ständige Lebensbedrohung ist
  • ASA 5
    Moribunder/sterbender Patient, der ohne Operation voraussichtlich nicht überleben wird
  • ASA 6
    Hirntoter Patient, dessen Organe zur Organspende entnommen werden