• Entdeckt der Physiotherapeut einen Fehler auf der Verordnung, kann er nur hoffen, dass Arzt und Patient geduldig mitspielen – sonst gibt es von manchen Krankenkassen die Rote Karte.

     

Für die Fehler anderer büßen

SCHIKANE REZEPTPRÜFPFLICHT: Physiotherapeuten haben ihren Beruf gewählt, um Patienten schnell und zuverlässig die therapeutische Unterstützung zukommen zu lassen, die sie brauchen. Doch bis sie endlich therapieren dürfen, müssen sie einen Rezept-Bürokratiekampf ausfechten. Manche Krankenkassen greifen dabei zu Methoden, bei denen die Therapeuten rotsehen.

Wer seine Rezepte ungeprüft zur Abrechnung gibt, muss damit rechnen, dass einige Krankenkassen die erbrachten Leistungen nicht bezahlen. Konkrete Daten zu ermitteln ist schwer. Ende 2010 hat eine Abrechnungsfirma über insgesamt drei Monate alle Verordnungen für Maßnahmen der physikalischen Therapie ausgewertet: Trotz Prüfung durch die Physiotherapeuten setzen die Krankenkassen bundesweit immer noch jede 33. Verordnung ab. Spitzenreiter sei Baden-Württemberg – das bestätigen auch die physiotherapeutischen Berufsverbände. Bei der AOK Baden-Württemberg sehen die Therapeuten rot – sie fühlen sich durch das Vorgehen der Kasse schikaniert. Exquisite Gegebenheiten aus dem physiotherapeutischen Alltag:

Falle: Telefonische Terminvergabe
Ein Patient vereinbart seine Behandlungstermine in der Regel telefonisch und bringt sein Rezept zur ersten Therapiesitzung mit. Diese Vorgehensweise birgt schon die erste Falle, in die der Therapeut tappen kann: Hat der Arzt das Rezept nicht korrekt ausgestellt, war das bisher kein Problem. Der Therapeut konnte das Rezept jederzeit vom Arzt korrigieren lassen. Und landete ein fehlerhaftes Rezept zur Abrechnung bei der Krankenkasse, schickten sie es zur Verbesserung zurück. Doch das hat sich seit April 2010 geändert: Die AOK BadenWürttemberg verlangt die Korrektur einer fehlerhaften Verordnung vor Behandlungsbeginn. Wenn nicht, behält sie es ein. Der Physiotherapeut, der aus Sicht der AOK Baden-Württemberg seine Prüfpflicht verletzt hat, hat dann umsonst behandelt. Es sind gefühlte zehn Prozent der Einnahmen, die den Therapeuten so wegfallen. Und das aufgrund eines Fehlers des Arztes.

 

Lesen Sie hier den ganzen Artikel Für die Fehler anderer büßen.