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Periphere Stimulation

Neben direkter zentralnervöser Stimulation wie TMS oder tDCS und roboter- und gerätegestützter Rehabilitation wurden Therapieansätze basierend auf peripherer Stimulation entwickelt. Die bisher an Gesunden erhobenen Befunde deuten darauf hin, dass die repetitive sensorische Stimulation zu einer weitreichenden Reorganisation in den sensomotorischen Netzwerken führt. Die bisher publizierten Metastudien verweisen darauf, dass die alleinige oder in Kombination mit anderen Therapiemaßnahmen erfolgende Anwendung der peripheren Stimulation zu einem verbesserten Rehabilitationserfolg führt

Die nach einem Schlaganfall auftretenden massiven sensomotorischen Beeinträchtigungen haben trotz vorhandener rehabilitativer Behandlungen weitreichende physische, psychologische, finanzielle und soziale Auswirkungen. Beeinträchtigungen der Willkürmotorik und der Somatosensorik gehören zu den häufigsten Folgen des Schlaganfalls, wobei die Auswirkungen auf obere und untere Extremitäten vergleichbar sind. Es herrscht heute Einigkeit darüber, dass die Unversehrtheit des somatosensorischen Inputs nicht nur für die taktile Wahrnehmung, sondern auch für die sensomotorische Leistung von entscheidender Bedeutung ist. Der Verlust sensorischer Fähigkeiten der oberen Extremitäten, insbesondere der Hand, verstärkt, trotz möglicher Erholung motorischer Funktionen, die Komplikationen bei Nutzung der Hand für allgemeine Alltagstätigkeiten.

Therapeutische Intervention und Leistungssteigerung

Grundsätzlich nutzen alle auf neuroplastischen Prinzipien basierenden Rehabilitationsmaßnahmen nach Schlaganfällen aufgabenspezifisches Training in Verbindung mit erheblichem Übungsaufwand, um Plastizitätsprozesse auszulösen und damit sensomotorische Funktionen zu verbessern. Da viele Patienten an eingeschränkter Mobilität leiden, sind diese Therapieansätze aus oben genannten Gründen oft nur bedingt zu realisieren. Demzufolge werden die bisherigen Erkenntnisse zur Effektivität von Standardtherapieverfahren im Rahmen der Leistungswiederherstellung von Patienten kontrovers diskutiert. Insbesondere für die oberen Extremitäten konnte bislang nur ein bedingter Zusammenhang zwischen dem Umfang therapeutischer Intervention und der daraus resultierenden Leistungssteigerung festgestellt werden. Nach einer 2014 veröffentlichten Metastudie gab es zum genannten Zeitraum keine „high-quality evidence“ für Interventionsmaßnahmen, die im Rahmen der Routineversorgung von Schlaganfallpatienten im Einsatz sind. Aus diesem Grund ist die Entwicklung zusätzlicher Ansätze notwendig, die konventionelle Trainingsprozeduren ergänzen und verstärken.

Neue Rehabilitationsmaßnahmen

In den letzten Jahren wurden Anstrengungen unternommen, die Wirksamkeit und Realisierbarkeit neuartiger Rehabilitationsmaßnahmen auf ihre Effizienz hin zu untersuchen. Neben direkter zentralnervöser Stimulation wie TMS oder tDCS und roboter- und gerätegestützter Rehabilitation wurden Ansätze mithilfe peripherer Stimulation untersucht.

Repetitive sensorische Stimulation in der Rehabilitation

Das Konzept sensorischer Stimulation zur Auslösung von Plastizitätsprozessen wird von verschiedenen Labors untersucht, die unterschiedliche Motivationen und Begriffe nutzen wie beispielsweise „peripheral nerve stimulation“ , „somatosensory stimulation“, „unattended-based learning“ oder „high-frequency stimulation“. Das Prinzip der „co-activation“ unterstreicht die Bedeutung des Hebb‘schen Lernens, wonach im Gehirn synchrone neuronale Aktivität eine wichtige Voraussetzung zur Auslösung plastischer Veränderungen ist. Manche Labore nutzen „stimulus-selective response plasticity“ oder „tetanic stimulation“ in Anlehnung an das Konzept der tetanischen Stimulation im Rahmen synaptischer Plastizitätsuntersuchungen. Der häufig verwendete Begriff „passive Stimulation“ oder „passives Lernen“ soll deutlich machen, dass zeitlich strukturierte sensorische Reize verwendet werden, ohne diese aktiv zu beachten oder beachten zu müssen. Im Rahmen dieses Beitrags wird durchgehend der Begriff „repetitive sensorische Stimulation“ benutzt.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Periphere Stimulation

Aus der Zeitschrift neuroreha 4/2018

 

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