• Studienergebnisse

     

Muskuloskelettal/Schmerz

Studienergebnisse November 2020

  • Subakromiales Schmerzsyndrom: Psyche beeinflusst Krankheitsverlauf

    Ergebnis: Die Literatur zeigt, dass Patienten mit subakromialem Schmerzsyndrom häufig koexistente psychosoziale Probleme aufweisen. Deshalb untersuchten Forscher, ob das psychosoziale Verhalten bei diesen Patienten mit einer Persistenz der Beschwerden nach vier Jahren verbunden ist. Sie führten dazu eine Längsschnittstudie mit 34 Patienten durch. Das Outcome war das Ergebnis des Fragebogens RAND-36. Die Ergebnisse zeigten, dass ein geringerer Ausgangswert im Fragebogen für psychische Gesundheit, Vitalität und des allgemeinen Gesundheitszustands mit anhaltenden Beschwerden verbunden war. Die Untersuchung der psychosozialen Funktionen parallel zu körperlichen Beschwerden ist derzeit kein Standardverfahren bei der Behandlung vom subakromialen Schmerzsyndrom. In dieser Studie fanden die Autoren jedoch heraus, dass Faktoren, die mit psychosozialen Funktionen zusammenhängen, mit dem langfristigen Fortbestehen von Beschwerden beim subakromialen Schmerzsyndrom verbunden sind.

    Reduced psychosocial functioning in Subacromial Pain Syndrome is associated with persistence of complaints after 4 years
    J Shoulder Elbow Surg 2020; doi: 10.1016/j.jse.2020.08.039

     

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  • Chronische Sprungelenksinstabilität (CAI): Kraftdefizit in unterer Extremität

    Ergebnis: Forscher untersuchten in diesem systematischen Review und Metaanalyse, ob Personen mit CAI im Vergleich zu gesunden Kontrollprobanden eine beeinträchtige Muskelkraft der unteren Extremität aufweisen. Sie suchten in den Datenbanken PubMed, Cochrane, CINAHL, Web of Science und EMBASE und schlossen 20 Studien ein, 16 davon in die Metaanalyse. Patienten mit CAI zeigen eine im Vergleich zu den Kontrollteilnehmern geringere exzentrische und konzentrische Kraft in Eversion und Inversion und geringere konzentrische Kraft der Knieextensoren. Die exzentrische Kraft der Dorsalextensoren des Sprunggelenks unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Daten aus drei separaten Studien zeigten, dass die Kraft der Hüftflexoren, -abduktoren und –außenrotatoren bei Patienten mit CAI geringer war als bei den Kontrollteilnehmern. Zusammengefasst weisen Patienten mit CAI Kraftdefizite in Inversion und Eversion auf. Außerdem gibt es auch Unterschiede zwischen Personen mit CAI und Kontrollprobanden hinsichtlich der Kraft im Hüft- und Kniegelenk. Diese Elemente der kinetischen Kette sollten von Therapeuten, die Patienten mit CAI behandeln, untersucht werden.

    Is chronic ankle instability associated with impaired muscle strength? Ankle, knee and hip muscle strength in individuals with chronic ankle instability: a systematic review with meta-analysis
    Br J Sports Med 2020; 54: 839-847


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  • Gonarthrose: Physiotherapeuten sollten mehr aufklären

    Ergebnis: Australische Wissenschaftler gingen der Frage nach, welche Erfahrungen Physiotherapeuten bei der Versorgung von Patienten mit Gonarthrose machen und ob diese Erfahrungen mit dem nationalen Versorgungsstandards übereineinstimmen. In einer qualitativen Studie führten sie dazu 22 Einzelinterviews mit erfahrenen australischen Physiotherapeuten. Es ergaben sich fünf Themen. Erstens konzentrierten sich die Physiotherapeuten auf die biomedizinische Beurteilung mit wenig psychosozialer Beachtung. Sie behandelten "mechanische" Aspekte der Gonarthrose mit dem Ziel, die Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Zweitens sahen die Physiotherapeuten ihre Rolle in erster Linie darin, durch kurzfristige Betreuung zielgerichtete, personalisierte Übungen anzubieten. Zu den Herausforderungen gehörten Komorbiditäten der Patienten, eine unbefriedigende Adhärenz der Patienten und der Wunsch der Patienten nach einer "schnellen Lösung". Physiotherapeuten beschrieben eine Diskrepanz zwischen dem, was sie wissen und dem, was sie tun, hinsichtlich Bildgebung, Gewichtsmanagement und manueller Therapie. Sie betrachteten Gewichtsabnahme, Medikation und chirurgische Beratung als außerhalb ihrer beruflichen Rolle liegend. Die Autoren fassen zusammen, dass die von Physiotherapeuten berichteten Erfahrungen mit der Versorgung von Patienten mit Gonarthrose weitgehend dem Qualitätsstandard der Leitlinien entsprachen. Therapeuten können das Management jedoch noch verbessern, indem sie die psychosozialen Aspekte stärker in den Vordergrund rücken, proaktiver in Bezug auf Gewichtsabnahme, Schmerzmedikamente und Knieoperationen beraten. Durch die Aufklärung über den potenziellen Nutzen und Schaden gängiger Medikamente und chirurgischer Eingriffe stellen Physiotherapeuten sicher, dass ihre Patienten umfassend über alle Behandlungsmöglichkeiten informiert sind.

    Physiotherapists may improve management of knee osteoarthritis through greater psychosocial focus, being proactive with advice, and offering longer-term reviews: a qualitative study
    J Physiother 2020; 66: 256-265

     

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  • Nackenschmerzen: Kraniozervikaler Flexionstest reliabel und valide

    Ergebnis: Patienten mit Nackenschmerzen haben häufig eine veränderte Aktivität der Nackenmuskeln. Therapeuten beurteilen mit dem kraniozervikalen Flexionstest die Funktion der tiefen Nackenflexoren bei Patienten mit muskuloskelettalen Nackenbeschwerden. Ziel dieser Studie war es, die Messeigenschaften des Tests systematisch zu überprüfen. Die Autoren schlossen 14 Studien in das systematische Review ein. Der kraniozervikale Flexionstest ist ein valider und zuverlässiger Test, den Therapeuten in der klinischen Praxis als Assessment verwenden können. Aufgrund der widersprüchlichen und qualitativ schlechten Evidenz ist jedoch Vorsicht geboten, wenn der Test als Diskriminierungstest und als Outcome verwendet wird.

    Measurement Properties of the Craniocervical Flexion Test: A Systematic Review
    Phys Ther 2020; 100: 1094–1117

     

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  • Krafttraining des M. gastrocnemius: Anteile unterschiedlich trainierbar

    Ergebnis: Ziel dieser Studie war es, zu untersuchen, wie sich der Muskelquerschnitt des M. gastrocnemius verändert, wenn der Fuß während des Trainings nach außen, nach innen oder nach vorne (FPF) gerichtet ist. Die Forscher führten mit 22 jungen Männern über einen Zeitraum von neun Wochen dreimal wöchentlich ein Ganzkörper-Trainingsprogramm durch, mit für die Waden unterschiedlichen, spezifischen Übungen. Die Wadenübungen waren einseitig auf einer sitzenden horizontalen Beinpresse mit 3 Sätzen à 20-25 Wiederholungen für die Trainingswochen 1-3 und 4 Sätzen für die Wochen 4-9. Nach der Trainingsperiode beobachteten die Forscher eine Zunahme des Muskelquerschnitts sowohl des medialen (Fuß nach außen gerichtet +8,4%, Fuß nach innen gerichtet +3,8% und Fuß nach vorne gerichtet +5,8%) als auch des lateralen (5,5%, 9,1% und 6,4%) Gastrocnemiuskopfs. Die Positionierung des Fußes nach außen verstärkte die Querschnittszunahme des medialen Gastrocnemiuskopfes, während der Fuß nach innen größere Zunahmen für den lateralen Gastrocnemiuskopf ergab. Die Ergebnisse zeigen, dass eine selektive Muskelhypertrophie für den M. gastrocnemius nach einem 9-wöchigen Wadentraining bei jungen männlichen Erwachsenen erreicht werden kann.

    Different foot positioning during calf training to induce portion-specific gastrocnemius muscle hypertrophy
    J Strength Cond Res 2020;  34: 2347–2351

     

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  • Kraftdefizit Hüftgelenksabduktoren: Indirekte Testung durch Seitschritte und Tandemgang bei älteren Senioren

    Ergebnis: Das Ziel dieser Querschnittsstudie war es, die Genauigkeit von 3 klinischen Tests (Seitschritt, Tandemgang und Einbeinstand) bei der Identifizierung älterer Frauen mit einem Kraftdefizit der Hüftgelenksabduktoren zu bestimmen. Es nahmen 123 Frauen an der Studie teil. Die Ergebnisse zeigen, dass Therapeuten indirekt mit der Kombination aus Seitschritt-Test und Tandem-Gangzeit die Kraft der Hüftgelenksabduktoren evaluieren können. Diese Muskeln sind für die Funktion bei älteren Frauen extrem wichtig. Die Kombination der Tests ist für Therapeuten eine einfache, schnelle und kostengünstige Methode zur Beurteilung dieser Muskelgruppe.

    Diagnostic Accuracy of Clinical Tests for the Indirect Assessment of Hip Abductor Muscle Strength in Community-Dwelling Older Women
    Phys Ther 2020; doi: 10.1093/ptj/pzaa139

     

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Studienergebnisse Oktober 2020

  • Gonarthrose: Empfehlungen für Elektrotherapie

    Ergebnis: Forscher untersuchten in diesem systematischen Review die Behandlungsparameter bezüglich Elektrotherapie für Patienten mit Gonarthrose. Sie schlossen 9 RCTs ein. Die Ergebnisse zeigen, dass die neuromuskuläre Elektrostimulation die wirksamste Behandlung bei Gonarthrose ist. Die Wirksamkeit ist noch höher, wenn die Elektrotherapie mit einem Kräftigungsprogramm kombiniert wird. Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine Frequenz von mindestens 50 Hz und nicht mehr als 75 Hz mit einer Impulsdauer zwischen 200 und 400 μs und einer Behandlungsdauer von 20 Minuten erforderlich.

    New Guidelines for Electrical Stimulation Parameters in Adult Patients With Knee Osteoarthritis Based on a Systematic Review of the Current Literature
    Am J Phys Med Rehabil 2020; 99: 682-688

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  • Laufen: Kein Zusammenhang zwischen isometrischer Hüftgelenkskraft und -kinematik

    Ergebnis: Die Querschnittsstudie untersuchte, ob es einen Zusammenhang zwischen isometrischer Hüftgelenkskraft, -kinematik und Spitzenwerten in der Aktivierung der Glutealmuskulatur bei Querfeldeinläufern gibt. 46 Läufer nahmen an der Studie teil. Die isometrische Hüftgelenkskraft scheint nicht mit der Kraft der Glutealmuskulatur und der Hüftgelenkskinematik während der Standphase des Laufens in Zusammenhang zu stehen. Die Forscher konnten aber eine Verbindung zwischen der Glutealmuskelkraft und der Hüftgelenksadduktion zeigen. Zudem könnten andere Faktoren als die Kraft können mit der Muskelkrafterzeugung und der Hüftgelenkkinematik während des Laufens zusammenhängen.

    Relationship among maximum hip isometric strength, hip kinematics, and peak gluteal muscle force during running
    Phys Ther Sport 2020; 45: 188-196

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  • Non-Kontakt-Verletzungen des vorderen Kreuzbands (VKB): Zusammenhang zwischen Sprunggelenkswinkel bei einbeiniger Landung

    Ergebnis: Wissenschaftler versuchten festzustellen, ob der Plantarflexionswinkel des Sprunggelenks beim initialen Kontakt (IC) und biomechanische Faktoren korrelieren und ob diese mit einer Non-Kontakt-VKB-Verletzung zusammenhängen könnten. Sie analysierten die Daten von 26 Männern während einer einbeinigen Landung. Ein größerer Plantarflexionswinkel im Sprunggelenk beim IC stand im Zusammenhang mit einem kleineren Knievalgus-Moment. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein großer Plantarflexionswinkel des Sprunggelenks während des ICs mit einer geringeren Belastung des Kniegelenks in der Frontalebene assoziiert sein könnte und dass eine Änderung des Sprunggelenkwinkels zu biomechanischen Veränderungen führen könnte, die mit dem VKB-Verletzungsrisiko in Verbindung stehen.

    Association between ankle angle at initial contact and biomechanical ACL injury risk factors in male during self-selected single-leg landing
    Gait Posture 2020; doi: 10.1016/j.gaitpost.2020.08.130

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  • Tendinopathien: Physiotherapeutisches Management

    Ergebnis: Die Autoren fassten die gewonnenen Erkenntnisse der letzten zehn Jahren über die Wirksamkeit physiotherapeutischer Interventionen zur Behandlung von Tendinopathien zusammen. Sie schlossen 40 Artikel in ihr systematisches Review ein. Evidenz mäßiger Qualität kann die folgenden Interventionen unterstützen: Die Low-Level-Lasertherapie zeigte kurzfristig eine statistisch und möglicherweise klinisch signifikante Verbesserung der Schmerzen und der Funktion. Die extrakorporale Stoßwellentherapie zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung von Schmerz und Funktion bei allen Follow-ups; ihre klinische Bedeutung war jedoch nicht eindeutig. Exzentrische Übungen wurden nur durch qualitative Evidenz unterstützt. Aufgrund möglicher pathologischer Unterschiede der Tendinopathien in den verschiedenen Körperregionen ist bei der Interpretation der Ergebnisse Vorsicht geboten.

    Physical therapy for tendinopathy: An umbrella review of systematic reviews and meta-analyses
    Phys Ther Sport 2020; 46: 30-46

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  • Achillessehnentendinopathie: Zusammenspiel des Sprung- und Hüftgelenks bei Läufern

    Ergebnis: Die Forscher untersuchten in einer Querschnittsstudie, wie die Kinematik zwischen Sprung- und Hüftgelenk bei Läufern mit Achillessehnentendinopathien zusammenhängt. Sie analysierten die Daten von 26 gesunden und 25 Probanden mit Achillessehnentendinopathien. Das passive Bewegungsausmaß der Hüftgelenksinnenrotation, die Kraft der Plantarflexoren im Sprunggelenk, das forefoot-shank Alignment und die isometrische Kraft der Hüftgelenksaußenrotatoren waren mit dem Auftreten einer Achillessehnentendinopathie assoziiert. Das Modell klassifizierte 92% der Personen ohne Tendinopathie und 72% der Personen mit Tendinopathie korrekt. Therapeuten sollten bei Achillessehnentendinopathien die Faktoren Sprung- und Hüftgelenk bei Läufern nicht außer Acht lassen.

    Interaction of foot and hip factors identifies Achilles tendinopathy occurrence in recreational runners
    Phys Ther Sport 2020; 45: 111-119

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