• Medical Yoga

    Muskeln | Doppelspirale: zwei muskuläre Schrägsysteme. Die Rumpfmuskulatur besteht aus zwei Schrägsystemen – einem inneren und einem äußeren. In der Dynamik arbeiten die beiden Schrägsysteme synergistisch zusammen.

     

Rotation der Wirbelsäule: Muskeln

  • Doppelspirale: zwei muskuläre Schrägsysteme
    Die aktive Links-rechts-Verschraubung ist die Urbewegung der menschlichen Wirbelsäule. Sich hin und her schlängeln, das konnten bereits Fische, Reptilien und Amphibien. Spätestens mit den Säugetieren kamen dann Beuge- und Streckbewegungen hinzu. Die Aufrichtung des Menschen zum Lauftier auf zwei Beinen brachte das Erfordernis der Rotation um die eigene Längsachse mit sich. Die Evolution der Lokomotion spiegelt sich in der Muskelanatomie des Rumpfes: Die große Mehrzahl aller Rumpfmuskeln verläuft schräg. Speziell die Rückenstrecker links und rechts der Wirbelsäule bestehen vorwiegend aus Schrägmuskeln – wie Taue, die aus geflochten gewundenen Fasern hergestellt werden. Schräge Muskeln an der Wirbelsäule haben immer auch eine Drehwirkung. Ihre Vielzahl und Vielfalt erhellen, wie wichtig die Rotation ist. Drehbewegungen spannen und entspannen die schrägen Muskeln gemäß ihrem Verlauf, sie geben der Wirbelsäule ihre Geschmeidigkeit zurück. Symmetrische Streck- und Beugeübungen tun dies in viel geringerem Ausmaß. Drehbewegungen sind eine Trumpfkarte für die Gesundheit der Wirbelsäule. Der menschliche Stamm vom Becken bis zum Kopf ist, muskulär gesehen, eine Doppelspirale, die sich gleichwertig nach links und rechts drehen kann. Stellen Sie sich den Rumpf mit zwei breiten und gegenläufigen Binden eingewickelt vor! So ähnlich ist es mit den Muskeln: Die beiden diagonalen Muskelsysteme umhüllen den ganzen Rumpf – das eine System ist linksdrehend, das andere rechtsdrehend. Die beiden Schrägsysteme verlaufen in entgegengesetzte Richtungen, arbeiten aber Hand in Hand. Sie sind Agonisten und Synergisten zugleich. Jede Drehung bedeutet ein Aufwinden des Stammes in eine Richtung und gleichzeitig die Vordehnung der Gegenschlaufe. Das erzeugt und speichert rhythmisch Kraft. Beim Tennis, Golf oder in der Kampfkunst entlädt sich die Kraft explosiv. Beim Gehen, Laufen oder Crawl-Schwimmen entlädt sich die gespeicherte Energie im bewegungszyklischen Rhythmus. Im Dauerlauf beispielsweise wirken die Muskelschlaufen fast wie ein links-rechts rotierendes Perpetuum mobile. Jedes Aufwinden in eine Richtung ist zugleich
    Vordehnung für die nachfolgende Gegendrehung – ein offenes Geheimnis zur Steigerung der
    Bewegungsökonomie. Das Zusammenspiel der diagonalen Muskelschlaufen ist dem Körperbewusstsein bei subtiler Beobachtung zugänglich. Deutlich spürbar beispielsweise sind die schrägen Bauchmuskeln, sie vermitteln ein Gefühl zentrierter Kraft in der Leibesmitte. Dieser dreidimensionale „Powerhouse-Effekt“ ermöglicht eine kraftvoll-dynamische 3D-Zentrierung der
    eigenen Mitte. Rumpfmuskeln sind nicht primär Haltemuskulatur für einen stabilen Rumpf im
    Dienste der Zielmotorik von Armen und Beinen. Rumpfmuskeln sind primär dynamische Drehmuskeln, abgeleitet aus ihrem schrägen Verlauf. Beide Sichtweisen haben Konsequenzen für die
    Bewegungspraxis.
  • Tiefe Rückenmuskeln: Aufrichten-Drehen kombiniert
    Die Schrägmuskeln des Rückens drehen und strecken – darin liegt die aufrichtende Kraft der
    Spirale. Durch Drehübungen werden Sie automatisch beweglicher und gerader. Die sogenannten
    Mm. rotatores bilden die tiefste Schicht im großen Geflecht der Rückenstrecker, sie sind die
    tiefen Stützmuskeln der Wirbelsäule. Sie sind die einzigen Muskeln, die wirklich Wirbel für Wirbel
    drehen können. Um die gesamte Wirbelsäule global und segmental bewegen zu können, müssen
    die Wirbeldreher aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden. Die feine Gliederung der Rotatores
    erlaubt eine gleichmäßige Verschraubung und eine gleichmäßige Streckung der Wirbelsäule.
    Andere Schrägmuskeln des Rückens sind nicht so fein gegliedert. Die Rotatores sind vorwiegend an
    den Brustwirbeln angelegt – im Brennpunkt der Wirbelsäulendrehung! Sie verlaufen im A-förmigen
    Fischgrätenmuster, jeweils mittig vom höher gelegenen Dornfortsatz schräg nach seitlich unten,
    zu den tiefer gelegenen Querfortsätzen. Bei einer Drehung rechtsherum wird der rechte A-Schenkel gedehnt, der linke A-Schenkel zieht sich verkürzend zusammen. Außerdem stellt sich der Wirbel senkrechter – in die Aufrichtung. Probieren Sie es am besten gleich mal aus: Weichen Sie in der Drehung in den Rundrücken oder in eine Seitneigung aus? Oder werden Sie in der Drehung
    spürbar aufgerichteter und messbar länger? Dann haben Sie Ihre Rotatores wachgeküsst.

Wirbelsäulenspirale: Stabile Säule – wirbelnde Säule

Übung Wahrnehmung – Kopfwende: Würde statt Würgen

Ziel:
Sie üben das koordinierte Kopfwenden mit langem Nacken.

Start:
Sie sitzen aufgerichtet auf einem Stuhl, der Kopf ist zentriert aufgerichtet, Blick geradeaus.

Aktion:
Stellen Sie sich vor, Sie trügen eine Krone auf dem Kopf, die beim Drehen nicht hinunterfallen darf. Ein Sandsack oder Buch auf dem Kopf kann dank Feedback helfen, das Gefühl für eine horizontale Ausrichtung des Kopfes während der Drehbewegung zu eichen.
Jetzt geht’s los: zuerst Kopf und Nacken aufrichten. Langer Nacken, Kinn bleibt horizontal statt spitz nach vorne-oben, der Blick ist geradeaus bis leicht gesenkt. Aus der Verlängerung des Nackens heraus drehen. Die Drehbewegung beginnt ganz oben in den Kopfgelenken. Langer Nacken, beginnende Drehung, der Kopf schraubt sich hoch, das zurückdrehende Ohr zieht nach hinten-oben (es darf nicht absinken), der Dreh und Aufrichtimpuls der Kopfgelenke wandert Wirbel für Wirbel nach unten, die Halswirbelsäule dreht harmonisch und knickfrei um ihre Längsachse, und die Drehbewegung erfasst fließend die Brustwirbelsäule.

  • Kopfwende

    Übung Wahrnehmung | Kopfwende. Würde statt Würgen. Im Detail a) Kopfhaltung geradeaus mit Längszug im Nacken; b) Drehung des Kopfes und der Brustwirbelsäule.

     

Übung Beweglichkeit – Mm. rotatores: dynamische Dreh-Streckung der Wirbelsäule

Ziel:
Mm. rotatores – die tiefen Drehmuskeln der Wirbelsäule – „wachküssen“. Wahrnehmen, wie sie zugleich drehen und strecken.

Start:
Sie sitzen in einer Ihnen angenehmen Drehsitzposition, rechtes Bein sei das überkreuzende Bein, rechte Hand stützt körpernah auf den Boden.

Aktion:
Im Rhythmus von Entspannung und aktiver Drehung wechseln Sie zwischen Rundrücken und Aufrichtung. Langsam drehen Sie rechtsherum zum überkreuzenden Bein hin in die aktive Aufrichtung, dann entspannt linksherum zurück in einen leichten Rundrücken. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit direkt zu den Brustwirbeln und deren kleinen Wirbeldrehern hin. Spüren Sie, wie bei der Drehung linksherum in den Rundrücken die linken A-Schenkel der Wirbeldreher gedehnt werden. Und wie sie sich bei der Drehung rechtsherum in die Streckung wieder zusammenziehen. Viele kleine Wiederholungen, bis Sie das Gefühl haben, Ihre Brustwirbelsäule sei gut durchgewalkt und drehe von Mal zu Mal flüssiger. Dann Seiten- und Beinwechsel.

Variante:
Fassen Sie mit Ihrer freien rechten Hand unter die linke Achsel, direkt auf die Rippen dort. Beim Drehen in die Aufrichtung nach rechts führt und zieht diese Hand die Rippen mit nach rechtsherum und zugleich nach oben. Da die Rippen mit den Brustwirbeln verbunden sind, hilft dies den Brustwirbeln, die entscheidende Kombination Rotation und Extension zu finden.

  • Mm. rotatores

    Übung Beweglichkeit | Mm. rotatores. Drehen und Strecken kombiniert. a) Sie drehen zum überkreuzenden Bein in die streckende Aufrichtung; b) Sie drehen zum untenliegenden gestreckten Bein hin in den Rundrücken.

     

Quelle:

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