• © A.-M. Schmitz, H. von Piekartz

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Einmalige manuelle Traktion bei Patienten mit kraniomandibulären Dysfunktionen

Die kraniomandibulären Dysfunktionen (CMD) umfassen eine Gruppe von Dysfunktionen des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur, die einzeln oder kombiniert auftreten. Vermutlich können mehrere Faktoren CMD hervorrufen, die sich gegenseitig beeinflussen. Die häufigsten Symptome der CMD sind Schmerzen im Kiefergelenk-, Kopf- oder Gesichtsbereich und in anderen Körperregionen. Zudem kommen Kiefergelenkgeräusche wie Knacken oder Knirschen, aber auch eine eingeschränkte Beweglichkeit wie Mundöffnungsschwierigkeiten vor. CMD verursachen auch eine schmerzhafte, druckempfindliche Kaumuskulatur und Ohrgeräusche wie Tinnitus oder Rauschen.

Etwa 40 % der Patienten mit Schmerzen aufgrund von CMD sind in ihrer Fähigkeit zu arbeiten, an Schule oder Ausbildung teilzunehmen sowie in der Ausübung alltäglicher Aktivitäten eingeschränkt. Laut einem Review leiden 20 % der Bevölkerung unter CMD, von denen sich 10–20 % in therapeutischer Behandlung befinden, was den Behandlungsbedarf dieser Dysfunktionen verdeutlicht.

Zusammen mit anderen Disziplinen kann die Physiotherapie einen wichtigen Beitrag beim Management dieser Beschwerden leisten. Bei der physiotherapeutischen Behandlung von Kiefergelenkbeschwerden spielt die Manuelle Therapie eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang wird in der Literatur vor allem die Manuelle Traktion nach kaudal mehrfach beschrieben.

Effektivität manueller Traktion

Die Effektivität manueller Traktion kann auf verschiedene Weise erklärt werden. Bei der Betrachtung vom mechanistischen Modell her zeigt sie sich in einer Entlastung der Gelenkflächen, des Knorpels und des subchondralen Bereiches. Neurophysiologische Denkmodelle erklären die Wirkung basierend auf Reflexmechanismen, bei denen periartikuläre Muskeln entspannt bzw. relaxiert werden. Auch segmentale neurophysiologische Modulation lokal biologischer Effekte führt zu reduzierter Nozizeption und dadurch vermindertem Schmerz- und Muskeltonus.

Im Folgenden wird angenommen, dass die (Selbst-) Traktion mehr Raum zwischen den Gelenkpartnern schaffen soll und dadurch Schmerzen und intraartikuläre Dysfunktionen reduziert werden. Aufgrund der Mängel dieser Studie muss der Gedanke zurückgestellt werden, dass Separation einen Effekt auf Schmerzen und Funktion hat.

Obwohl aus klinischer Erfahrung Traktion in verschiedenen Fällen Schmerzen lindern und die Funktion verbessern kann, sind aus Sicht der Autoren bislang keine Studien über die Effektivität einmaliger kurzzeitiger manueller Traktion des Kiefergelenks bekannt. Relevante Studien erforschten manuelle Therapie am Kiefergelenk als Langzeitbehandlung mit symptomlindernden Ergebnissen. Aufgrund dieser Rechercheergebnisse entwickelte sich die vorliegende Studie mit der Untersuchung der Effektivität einmaliger kurzzeitiger manueller Traktion am Kiefergelenk von CMD-Patienten.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie hier.

Quelle: manuelletherapie 1/2012; Einmalige manuelle Traktion bei Patienten mit kraniomandibulären Dysfunktionen

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