• Kieferschmerz

    Palpation N. infraorbitalis am Foramen infraorbitalis (© Monika Knust-Waßmuth)

     

Kiefer- und Gesichtsschmerz – Ein Fallbeispiel

Die funktionellen Zusammenhänge bei Patienten mit kraniomandibulären Beschwerden sind sehr komplex. Bei Frau G. löst eine vorbereitende Behandlung für eine Zahnkrone diffuse Schmerzen und Störungen aus. Ihre Manualtherapeutin fühlt ihr nicht nur auf den Zahn, sondern auch auf den N. maxillaris. – und wandelt Dysfunktion in Funktion.

Subjektiver Befund
Frau G. ist 61 Jahre alt. Sie klagt über Schmerzen im rechten Kieferbereich und in der rechten Gesichtshälfte sowie über Ohren und Zahnschmerzen. Insbesondere ihr oberer hinterer Molar
und das Gebiet über dem rechten Arcus zygomaticus schmerzen (▶ Abb. 1). Außerdem flimmert ihr rechtes Auge, zeitweise tränt es auch. Die Beschwerden bestehen schon seit längerem. Ihre Schmerzmedikamente wirken inzwischen nicht mehr. Die Beschwerden sind der Patientin bereits aus der Vergangenheit bekannt. Nach einer Zahnarztbehandlung vor vier Monaten traten sie wieder auf. Dort wurde sie auf das Einsetzen einer neuen Krone, 7. Molar oben rechts, vorbereitet. Die Schmerzqualität beschreibt sie als scharf, brennend, ziehend und manchmal dumpf. Beginnen die Schmerzen, ist ihr Gesichtsbereich mitunter auch heiß. Auf der visuellen Analogskala stellt sie eine Schmerzintensität von 8,5 ein. Ihre Hobbys sind Wassergymnastik, Tennis und Walken. Die Patientin ist nicht berufstätig.

Schmerzverhalten
Bei äußeren Reizen wie Kälte und Wind nehmen die Schmerzen zu und entsprechen dann einer Neun auf der visuellen Analogskala. Das Gleiche gilt für Stress. Vor allem in stressigen Zeiten neigt die Patientin dazu, tagsüber die Zähne aufeinanderzupressen (Bracing) und nachts zu knirschen (Bruxismus). Deshalb trägt
sie nachts eine orale Schiene. Auf die Frage, ob es irgendetwas gibt, was den Schmerz reduzieren kann, gibt die Patientin an, dass Druck auf den Arcus zygomaticus die Schmerzen kurz lindert, insbesondere im Ohr. Gängige Schmerzmittel lindern die Beschwerden nicht. Bis vor kurzem war jedoch ein US-amerikanisches Rheumamittel hilfreich. Zum 24-Stunden-Verhalten: Der Schmerz tritt zwar nicht täglich auf, kann aber bis zu vier Tagen anhalten. Tageszeitliche Abhängigkeiten gibt es nicht.  

Vorgeschichte
Die Patientin erinnert sich, dass sie sich als Kind den Kiefer „ausrenkte“ und danach den Mund nicht mehr so weit öffnen sollte. Mit etwa 25 Jahren begann eine massive Migräne, die sich vor allem auf die rechte Kopfseite konzentrierte. Hinzu kamen rechts Kiefer-, Ohr- und Zahnschmerzen, die den jetzigen Beschwerden entsprechen. Aufgrund der Beschwerden wurden die Weisheitszähne gezogen, was aber die Symptome nicht beeinflusste. Einige Jahre später zu Beginn der Wechseljahre nahmen die Beschwerden
ab, und die Migräne trat nicht mehr auf.

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Kiefer- und Gesichtsschmerz – ein Fallbeispiel

Aus der Zeitschrift manuelletherapie 3/2015 (erscheint am 17.7.2015)

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