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Functional Training

Der Begriff des Funktionellen Trainings ist noch nicht eindeutig definiert. Wir haben Experten aus mehreren Bereichen des Sports befragt. Wir wollten wissen, was sie unter einem funktionellen Training verstehen und was es beinhalten muss. Welchen Stellenwert hat es in ihrer Sportart? Welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen athletischem und funktionellem Training gibt es? Und zu guter Letzt, was ist neu am funktionellen Training? Hier lesen Sie die Statements.

Als 2004 ein Amerikaner als Fitnesstrainer ins Team der deutschen Fußball-Nationalmannschaft berufen wurde, stieß dies zunächst auf wenig Gegenliebe, erregte aber viel Aufmerksamkeit. Zehn Jahre später gehört funktionelles Training zum Standardrepertoire vieler Trainer und Physiotherapeuten. In 47 Prozent aller europäischen Mannschaften der ersten Fußball-Liga nutzt man funktionelle Screens, um die Spieler zu untersuchen und daraus passende Trainingsstrategien zu entwickeln. Dabei hat sich aber doch unter anderem gezeigt, dass klassische Trainingsmethoden, wie etwa das Krafttraining auf stabilen Untergründen, viel effektiver sind, als beispielsweise Core-Training auf instabilen Untergründen. Warum wird funktionelles Training dann so häufig eingesetzt? Michael Boyle und Gray Cook, zwei Top-Experten dieses Themas, sagen, dass eine Übung per se niemals funktionell oder unfunktionell sein kann. Es kommt immer auf die Fähigkeiten, Defizite und Ziele des Athleten an. Wie sich zeigt, ist gerade das Verringern der Defizite ein perfektes Mittel, verletzungspräventiv zu arbeiten.

>> Etliche Studien zeigen, dass sportartspezifisches Training wie die Sprungschulung Nicht-Kontakt-Verletzungen deutlich reduziert.

Und wenn man sich die neuesten Studien zur motorischen Kontrolle anschaut, scheint genau dies der entscheidende Faktor zu sein, ob man verletzungsanfällig ist oder nicht. Wir Trainer und Sportphysiotherapeuten sollten also Experten dieses Themas sein und unsere Athleten so betreuen, dass sie die optimale Leistung bei möglichst geringem Verletzungsrisiko abrufen können.

Grundsätzlich kann alles, was im Training der Funktion des Körpers entspricht, als funktionelles Training gedeutet werden. Schon ganz früh in der Trainingswissenschaft orientierte man die Trainingsmethodik an den geforderten Bewegungsabläufen einer Sportart, um Athleten eben genau auf diese Abläufe und Belastungen vorzubereiten. In komplexen Sportarten hat sich aber gezeigt, wie wenig ein isoliertes Training von Bewegungen oder Muskelgruppen, mit der eigentlichen Leistung auf dem Spielfeld zu tun hat. Resultierend aus dieser Erkenntnis, hat sich das funktionelle Training, eben das Training zusammengehörender Funktionsketten/Muskelschlingen, angelehnt an die sportlichen Anforderungen entwickelt oder neu definiert.

Functional Training beinhaltet meiner Meinung nach alle Facetten der sogenannten konditionellen (Ausdauer, Schnelligkeit, Flexibilität, Kraft) und koordinativen Fähigkeiten. Dabei akzentuieren Dauer, Bewegungsgeschwindigkeit, -ausführung, -amplitude und die eingesetzte Methodik eben die Wirkungsweise auf die trainierten Funktionsketten – so können Yoga-Einheiten (Flexibilität) genauso funktionell sein wie Animal-Movement-Exercises (Rumpfstabilisation) oder ein modernes Cardio-Strength-Training (HIT). Es geht dabei immer um Ziele und Anforderungen.

Im Fußball, einer Schnellkraftsportart mit Gegnerkontakt, hat das funktionelle Training einen hohen Stellenwert, da ich sehr komplex auf die spezifischen Muskelschlingen eingehen kann und muss – sowohl zur Leistungsoptimierung als auch zur Verletzungsprophylaxe.

Functional Training hat als ein Teil des athletischen Konzeptes einen festen Platz wie etwa auch ein elementares Schnelligkeitstraining oder ein dynamisches Sprungkrafttraining. Wir im Nationalteam organisieren dies in sogenannten Quality Times, in denen wir verschiedenste Themen für die Spieler anbieten.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie hier.

Quelle: Sportphysio 1/2015; Einführung - Sportphysio fragt nach ... Experten antworten Was bedeutet funktionelles Training für Sie?

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