• Red Flags 4

    Red Flags: Symptome, die auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen können.

     
  • Red Flags 1

    Wegen massiver Kopfschmerzen kommt der 8-jährige Roy[*] in die Praxis des Physiotherapeuten Dr. Harry von Piekartz.

     
  • Red Flags 3

    Dr. Harry von Piekartz entschließt sich zu einer Mobilisation des Neurokraniums.

     
  • Red Flags 2

    Zunächst geht es Roy so gut wie seit langem nicht mehr. Doch dann verschlechtern sich seine Symptome dramatisch.

     

Feind im Kopf

RED FLAGS ERKENNEN: Der 8-jährige Roy kommt wegen massiver Kopfschmerzen in die Praxis des Physiothera-peuten Dr. Harry von Piekartz. Dieser entschließt sich zu einer Mobilisation des Neurokraniums. An den beiden nächsten Tagen geht es Roy so gut wie seit langem nicht mehr. Am dritten Tag jedoch verschlechtern sich seine Symptome dramatisch.

Der 8-jährige Roy kommt zu mir in die Praxis, weil er über einen seit vier Wochen zunehmenden (RF), pulsierenden, bilateralen Kopfschmerz klagt. Die Beschwerden verschlechtern sich meist, wenn er in der Schule ist, was dazu führt, dass Roy sich nicht gut konzentrieren kann. Die Schmerzen beginnen meist gegen 10 Uhr (VAS 3/10) und werden dann zusehends schlimmer – manchmal bis VAS 8/10. In den vergangenen zwei Wochen musste Roy deswegen mehrmals früher von der Schule nach Hause gehen. Er legt sich dann hin und nimmt eine Tablette, was die Schmerzen bis zum Abend hin stark verringert oder sogar ganz verschwinden lässt. Roys Mutter glaubt, dass die Schmerzen mit der Anstreng-ung in der Schule zu tun haben. Allerdings kommen sie manchmal auch während des Fußballspielens. Ruhe und Medikamente helfen Roy meist. Zur Migräneprophylaxe nimmt er täglich 50 mg Ascal.

Vorgeschichte
Roy hat bereits seit Jahren rechtsseitige Migräne, seit vier Jahren treten die Anfälle zwei bis vier Mal im Monat auf. Die prodromalen Symptome sind pulsierende, unilaterale Missempfindungen rund um das rechte Auge sowie Photophobie (Lichtempfindlichkeit) und Phonophobie (Lärmempfindlichkeit). Diese Symptome dauern etwa zwei Stunden an, dann kommt der eigentliche Migräneanfall. Weil für den behandelnden Neurologen das klinische Muster klar war, keine neurologische Symptome vorhanden waren und Roy auf die verordneten Medikamente reagierte, sah er keine Indikation für bildgebende Verfahren. In den vergangenen Jahren war Roy regel-mäßig zur Kontrolle beim Arzt.

In den letzten Wochen nahmen die Beschwerden zu und sind nun auch auf der linken Kopfseite zu spüren. Die prodromalen Symp-tome haben sich zwar verringert, doch seit Kurzem muss sich Roy zeitweise erbrechen, wenn er die Kopfschmerzen hat, dann ver-ringern sich die Beschwerden deutlich. Der Neurologe entschied sich dafür, Roy zum Kinderneurologen zu schicken. Dieser bestä-tigte die erste Diagnose und beruhigte Roy und seine Mutter, dass diese Art von Migräne manchmal heftig verlaufen kann, vor allem, wenn sie bereits in der Familie vorkommt (Roys Mutter hat auch Migräne). Er schlug vor, die Ascal-Dosis auf 75 mg täglich zu erhöhen. Doch Roys Mutter hat inzwischen das Gefühl, dass ihr Junge nicht mehr auf die Medikamente reagiert.
* Name von der Redaktion geändert

 

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