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Vergleich von MRT und Sonografie bei Appendizitis im Kindesalter

Die MRT zeigt bei Verdacht auf Appendizitis bei Patienten im Kindes- und Jugendalter eine ähnliche diagnostische Leistungsfähigkeit wie die Sonografie. Diesen Schluss ziehen Robert Orth und seine Mitarbeiter, die zwischen Juni 2012 und Mai 2013 insgesamt 81 Patienten im Alter zwischen 4 und 17 Jahren (im Mittel 12,3 Jahre) in ihre prospektive Studie aufgenommen haben.

Bei den Kindern wurden sowohl eine Ultraschalluntersuchung, einschließlich Doppler, des unteren rechten Quadranten als auch eine Nativ-MRT von Abdomen und Becken durchgeführt. 2 pädiatrische Radiologen, die gegenüber den Ergebnissen der Sonografie verblindet waren, bewerteten die MRT-Aufnahmen unabhängig voneinander. Alle Befunde – Sonografie und MRT – wurden in 3 Gruppen eingeteilt: eindeutig positiv, eindeutig negativ, unklarer Befund. Beurteilt wurden Sensitivität, Spezifität, positiver und negativer Vorhersagewert (PPV/NPV) der beiden Modalitäten und miteinander verglichen. Referenzstandard war nach operativem Eingriff das Ergebnis der pathohistologischen Aufarbeitung; wenn nicht operiert wurde, folgte ein telefonisches Follow-up mit der Frage nach dem weiteren Verlauf.

30 der 81 Patienten hatten tatsächlich eine im Operationspräparat nachgewiesene Appendizitis, Appendektomien bei letztlich negativem Befund waren nicht erfolgt. Von den nicht operierten Patienten konnte bei 45 telefonisch der negative Befund bestätigt werden. 6 Patienten waren schmerzfrei aus der Notaufnahme entlassen worden und danach nicht mehr erreichbar.

Die Auswertung der radiologischen Diagnostik ergab für MRT bzw. Sonografie

• bei Einordnung der unklaren Befunde als positiv
o eine Sensitivität von 93,3 bzw. 90 %,
o eine Spezifität von 98 bzw. 86,3 %,
o einen PPV von 96,5 bzw. 79,4 %,
o einen NPV von 96,2 bzw. 93,6 %,

mit signifikanten Unterschieden zwischen den Methoden nur bei Spezifität und PPV.

• bei Einordnung der unklaren Befunde als negativ
o eine Sensitivität von 93,3 bzw. 86,7 %,
o eine Spezifität von 98 bzw. 100 %,
o einen PPV von 96,5 bzw. 100 %,
o einen NPV von 96,2 bzw. 92,7 %,

ohne signifikante Unterschiede zwischen den Methoden. Dabei fanden sich keine Unterschiede für die diagnostische Leistungsfähigkeit der MRT-Befunde zwischen 1. und 2. Studienhälfte.

Fazit

Die MRT kann eine fragliche Appendizitis bei Kindern ähnlich zuverlässig diagnostizieren oder ausschließen wie die Sonografie, meinen Orth et al., und könnte damit als Alternative eingesetzt werden, mit dem Vorteil der mangelnden Strahlenexposition gegenüber der CT. Dabei erscheint es der klinischen Situation am ehesten zu entsprechen, wenn unklare Befunde (zunächst) als negativ eingeordnet werden – kaum ein Chirurg würde in diesem Fall zur endgültigen Klärung sofort operieren. Diese Ergebnisse gelten allerdings derzeit nur für das eine Zentrum, an dem sie erhalten wurden – weitere Studien müssen die praktische Machbarkeit im Klinikalltag untersuchen und darüber hinaus auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Aus der Zeitschrift: Pädiatrie up2date 01/2015; Vergleich von MRT und Sonografie bei Appendizitis im Kindesalter; Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

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