• Schütteltrauma - Pädiatrie - Georg Thieme Verlag

     

Das Schütteltrauma

Die Dunkelziffer bei Kindesmisshandlungen ist hoch. Bei entsprechender Befundlage ist auch an ein Schütteltrauma zu denken und der Verdacht diagnostisch abzuklären. Erhärtet sich der Verdacht, ist ein rasches rechtsmedizinisches Konsil indiziert. Das Schütteltrauma ist eine spezielle Form der Kindesmisshandlung, in deren Folge durch ein stumpfes Trauma, durch heftiges Schütteln oder einer Kombination aus beidem Schädigungen an Schädelknochen, Gehirn und Rückenmark auftreten. Typischerweise kommt es zu intrakraniellen Verletzungen, die mitunter zu einer diffusen Gehirnschädigung führen. Treten subdurale sowie retinale Blutungen in Kombination mit einer akuten Enzephalopathie auf, wird dies als „Shaken-baby“-Syndrom bzw. „Shaken-Impact“-Syndrom bezeichnet.

Ein Schütteltrauma tritt meist bei Kindern auf, die jünger als 4 Jahre alt sind und ist in den USA der dritthäufigste Grund für Kopfverletzungen im Kindesalter. Dies beruht vor allem auf 2 Umständen:

  • Das Schütteln eines Kindes wird vorrangig durch Schreiphasen getriggert. Diese treten hauptsächlich zwischen dem zweiten und fünften Lebensmonat auf.
  • Verletzungsfolgen durch Schütteln sind bei Säuglingen aufgrund der ungünstigen Größen- und Gewichtsrelation des Kopfs zum Körper sowie der geringeren Kopfkontrolle wahrscheinlicher als bei Kindern über 1 Jahr.


Etwa 40 % der Kinder, die infolge einer Kindesmisshandlung starben, waren jünger als 12 Monate. Dabei ist das Schütteltrauma die häufigste Todesursache. 2006 wurden in Deutschland bezogen auf 100 000 Kinder 30 Misshandlungen zur Anzeige gebracht. Davon handelte es sich in 3 Fällen um Verletzungen mit Todesfolge. Die Dunkelziffer ist jedoch vermutlich deutlich höher. Mindestens 30 % der Kindesmisshandlungen werden bei der Erstuntersuchung nicht diagnostiziert.

Die Genese ist multifaktoriell. Ein niedriger sozioökonomischer Status, Behinderungen des Kindes, junges Alter der Kindseltern, eine erhöhte Gewaltbereitschaft und Substanzmissbrauch innerhalb der Familie sind Risikofaktoren. Jedoch treten Misshandlungen in jeder sozialen Schicht auf. Täter sind meist Väter oder neue Lebenspartner der Kindsmütter, seltener Babysitter oder die Mütter selbst.

Symptomatik

Die Symptome eines Schütteltraumas variieren je nach Ausmaß der Gewalteinwirkung stark. Sie reichen von einer leichten Schädelprellung bis zu einer schweren diffusen Hirnschädigung mit akuter Enzephalopathie oder Todesfolge. Begleitverletzungen können vorhanden sein.

Geringgradige Schädigung: Ein leichtgradiges Schütteltrauma kann asymptomatisch verlaufen. Im Übrigen werden misshandelte Kinder häufig mit unspezifischen Symptomen vorgestellt. Der behandelnde Kinderarzt sollte Verdacht schöpfen, wenn die Anamnese die festgestellten Befunde nicht hinreichend erklären kann. Gegebenenfalls sollte die Rechtsmedizin hinzugezogen werden.

Typische Anzeichen eines leichteren Schütteltraumas sind Erbrechen ohne Fieber und Enteritis, Inappetenz oder Trinkschwäche. Diese nicht eindeutigen Symptome werden häufig als Infekt oder Gastroenteritis fehlgedeutet oder führen gar nicht erst zu einer ärztlichen Konsultation.

Schwere Schädigung: Ein schwerwiegendes Schütteltrauma führt zu zentralneurologischen Phänomenen wie Bewusstlosigkeit und Krampfanfällen. Der Zustand des Kindes kann häufig nicht hinreichend erklärt werden. Charakteristisch sind fehlende äußere Verletzungen, welche die schwerwiegende Enzephalopathie erklären.

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Das Schütteltrauma

Aus der Zeitschrift Pädiatrie up2date

 

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