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    Eine Impfung kann schmerzen - macht das Verhalten der Angehörigen einen Unterschied für die Schmerzempfindung des Säuglings?

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Warum man Säuglinge beim Impfen beruhigen soll

Die archaische Ansicht, dass Säuglinge relativ schmerzunempfindlich sind, gilt seit langem als überholt. Schmerz in der frühen Kindheit kann dauerhafte Schäden nach sich ziehen. Derzeit wird intensiv untersucht, wie sich das Verhalten der Bezugspersonen z. B. während der Impfung eines Säuglings auf die spätere Schmerzverarbeitung auswirkt.

Auch wenn sich Pflegepersonen und Angehörige die größte Mühe geben, einem Baby die Angst vor der Spritze zu nehmen, hat dies offensichtlich wenig Einfluss auf die Schmerzempfindung von Säuglingen im 1. Lebensjahr. Ein verlässlicher Prädiktor für die Wahrnehmung von Schmerzen bei einer Immunisierung war dagegen der Schmerz bei der letzten Impfung.

Diesen überraschenden Zusammenhang fanden Campbell und Mitarbeiter, als sie den Einfluss von beruhigendem Verhalten bei 4 im zeitlichen Abstand folgenden Impfungen von Säuglingen im 1. Lebensjahr untersuchten. Sie fragten dabei

 

  • nach dem Zusammenhang zwischen dem beruhigendem Verhalten der Bezugsperson und der Schmerzempfindung bzw. -verarbeitung des Kindes
  • und wie sich diese Beziehungen mit dem Alter verändern.

 

Dabei gingen sie davon aus, dass das Verhalten v. a. die Schmerzverarbeitung beeinflusst und weniger die Schmerzempfindung, und dass die Kinder mit zunehmenden Alter stärker auf das Verhalten reagieren würden.

Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 760 Kindern und ihren Bezugspersonen während der Routineimpfungen im 2., 4., 6. und 12. Lebensmonat in Toronto. Die Schmerzen evaluierten sie anhand der 10 Mimik-Items des NFCS (Neonatal Facial Coding System), das beruhigende Verhalten der Bezugspersonen bewerteten sie anhand der MAISD-Beobachtungsskala (Measure of Adult and Infant Soothing and Distress).

Es ergab sich keine signifikante Beziehung zwischen dem Verhalten der Bezugspersonen und den Schmerzreaktionen der Säuglinge bei den 4 Impfungen. Die Angst vor der Spritze und die Schmerzreaktionen waren im Wesentlichen auf die unterschiedliche Schmerzverarbeitung zurückzuführen und nahmen mit jeder Immunisierung zu. Der stärkste Prädiktor für Schmerzreaktionen war das Verhalten des Säuglings nach der vorherigen Spritze.

 

Fazit 
Auch wenn die Ergebnisse darauf hindeuten, dass der Versuch der Bezugspersonen, den Kindern die Angst vor der Spritze zu nehmen, nicht zu geringeren Schmerzen führt, sollten sie dieses Verhalten nicht aufgeben. Langfristig gesehen profitieren Kinder, die sich geborgen fühlen, von stabilen Beziehungen durch ein höheres Maß an Selbstbewusstsein und seelischer Ausgeglichenheit.

 

Quelle: Journal Club Schmerzmedizin 03/2013

Originaltitel der Publikation: Campbell L, Pillai Riddell R, Garfield H, Greenberg S. A cross-sectional examination of the relationships between caregiver proximal soothing and infant pain over the first year of life. Pain 2013; 154: 813–823

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