• Physiotherapie bei kolorektalen Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters - Pädiatrie - Georg Thieme Verlag

     

Physiotherapie bei kolorektalen Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters

Viele Kinder mit kolorektalen Erkrankungen leiden unter chronischer Verstopfung oder Stuhlinkontinenz, deren Ursache auch in einer muskulären Dysbalance oder neuronalen Störung des Beckenbodens begründet sein kann. Therapeutische Behandlungsansätze stellen die sakrale Nervenstimulation, Biofeedback oder die Beckenbodengymnastik dar.

Letztere findet ihren Ansatzpunkt im Erlernen und Verbessern der Perzeption des knöchernen Beckens und muskulären Beckenbodens. Bewusste Körperwahrnehmung bildet die Grundlage für aktives Beckenbodentraining. Das Alignement und die Mobilitätsprüfungen geben Rückschlüsse auf den Tonus der Beckenbodenmuskulatur. Atemtherapeutische Maßnahmen wie auch Dehnlagerungen, aktive und passive Techniken können die Darmperistaltik und das Atemgleichgewicht positiv beeinflussen. Anschließend werden Muskelimbalancen mithilfe der gewonnenen Perzeption und Atemtechniken aktiv in den Normotonus trainiert. Grundlage hierfür bilden Mobilisations-, Koordinationsund Gleichgewichtsübungen in verschiedenen Ausgangsstellungen. Eine spaßorientierte und vertrauensvolle Therapieeinheit begünstigt den Lernerfolg und motiviert das Kind zur Durchführung des individuellen Hausübungsprogrammes.

Viele Kinder mit angeborenen kolorektalen Erkrankungen wie anorektalen Malformationen (ARM) oder dem Morbus Hirschsprung (MH) leiden unter chronischer Verstopfung oder Stuhlinkontinenz. Bei deren Therapie kommen häufig Medikamente wie Stuhlweichmacher (z. B. Lactulose, Macrogol) oder Laxanzien (z. B. Sennesblätter) zum Einsatz. Die Ursache einer Stuhlinkontinenz oder Verstopfung kann jedoch auch in einer muskulären Dysbalance des Beckenbodens begründet sein. Um hier therapeutisch einzugreifen, werden Therapieformen wie die sakrale Nervenstimulation oder das Biofeedback angewendet. Die Wertigkeit dieser Verfahren ist sehr umstritten. Um mit dem Biofeedback arbeiten zu können, ist zudem die kognitive Fähigkeit des Patienten ausschlaggebend, welche altersabhängig ist. 2013 wurde erstmalig über den Einsatz von physiotherapeutischen Behandlungstechniken zur Therapie von kolorektalen Funktionsstörungen berichtet. Ziel dieses Artikels ist es, über unsere Erfahrungen mit dieser Therapieform zu berichten mit besonderem Fokus auf die praktischen physiotherapeutischen Aspekte. Ziele der Physiotherapie sind:

  • Körperwahrnehmung
  • Kräftigung
  • funktionelle Balance zwischen Zwerchfell und Beckenboden
  • Dehnung
  • Detonisierung/Entspannung.

Beginn der Behandlung

Zunächst ist es wichtig, eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung zum Kind und dessen Familie aufzubauen. Eine Stuhlinkontinenz ist ein sehr intimes Thema. Die Erkrankung ist vielen Patienten unangenehm, daher können sie oft zu Beginn noch nicht über ihre Situation und vor allem ihren Körper sprechen. Die ersten Minuten der Therapie sollten daher für ein „warm up“ mit dem Ziel des „bondings“ zwischen Patient und Therapeut genutzt werden. Wir lassen dem Kind daher die erste Wahl über ein Therapiegerät (z. B. Trampolin, Weichbodenmatte), um über einen spaßorientierten Lernerfolg die Verbindung zum Patienten zu schaffen.

Körperwahrnehmung

Ist der Behandlungseinstieg geglückt, stellt das nächste Ziel eine verbesserte Körperwahrnehmung dar. Nur aufgrund der Perzeption eines Patienten ist später ein gezieltes Training der Beckenbodenaktivität möglich. Ein Training der „Sinne“ entspricht demnach auch einem Training der Muskulatur. Eine willkürliche muskuläre Ansteuerung kann nur geschehen, wenn das Kind auch ein Gespür und eine Vorstellung von der Lage der Beckenbodenmuskulatur hat. Über das Alignement der Körperachsen und die Mobilität des knöchernen Beckens sind schon erste Rückschlüsse auf den Tonus der Beckenbodenmuskulatur sowie auch andere Muskelgruppen des Rumpfes zu schließen. Aus der Überführung des Normotonus in einen Hyper- oder Hypotonus spezifischer Muskelgruppen resultiert eine Veränderung des Spannungsgrades aller beteiligter Synergisten und Antagonisten der komplexen Muskelkette. Folgende Fragen sollte der Therapeut sich stellen:

  1. Welche Muskelimbalancen bestehen aufgrund der Körperhaltung?
  2. Welche Auswirkungen haben diese auf den Beckenboden? (direkt oder indirekt)
  3. Wird dadurch die Balance zwischen Zwerchfell und Beckenbodenmuskulatur gestört?

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Physiotherapie bei kolorektalen Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters

Aus der Zeitschrift: Kinder- und Jugendmedizin 01/2018

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