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    Studien haben gezeigt, dass Krampfanfälle bei Frühgeborenen mit einem erhöhten Risiko für IVH, Schädigungen der weißen Hirnsubstanz, Sterblichkeit und spätere kognitive Beeinträchtigungen einhergehen. Foto:©Tobilander-Fotolia.com

     

Krampfanfälle im aEEG: Risiko für Hirnschäden erhöht

Elektroenzephalografie (EEG)-Untersuchungen zeigen bei 4 – 48 % der Frühgeborenen Krampfaktivität. Klinisch findet sich häufig kein Korrelat. Studien haben gezeigt, dass Krampfanfälle bei Frühgeborenen mit einem erhöhten Risiko für intraventrikuläre Hämorrhagien (IVH), Schädigungen der weißen Hirnsubstanz, Sterblichkeit und spätere kognitive Beeinträchtigungen einhergehen. Eine prospektive US-Studie liefert dafür weitere Hinweise.

Z. Vesoulis et al. untersuchten, ob Frühgeborene, die in den ersten 3 postnatalen Tagen Krampfanfälle erleiden, häufiger zerebrale Schäden und entwicklungsneurologische Defizite davontragen. Die Pädiater vom St Louis Children’s Hospital überwachten 95 Säuglinge, die zwischen 24. und 30. Gestationswoche zur Welt kamen, kontinuierlich 72 Stunden lang mittels 2-Kanal-amplitudenintegriertem EEG (aEEG). Die Aufzeichnungen begannen im Schnitt 18,5 Stunden postpartal. Kraniale Ultraschall- und MRT-Untersuchungen (zum Zeitpunkt des errechneten Geburtstermins; n = 56) ergänzten das Untersuchungsprogramm. Im korrigierten Alter von 2 Jahren wurden die Kinder (n = 59) dem Bayley-III-Test unterzogen. Dieser gibt Auskunft über die motorische, kognitive und sprachliche Entwicklung. Für jeden der ersten 3 Lebenstage sowie die Gesamtzeit (0 – 72 h) wurden Anfallsfrequenz und -dauer registriert.

48 % der Frühgeborenen (n = 46) erlitten mindestens 1 Krampfanfall in den ersten 3 Lebenstagen (33 % an Tag 1, 42 % an Tag 2, 34 % an Tag 3). Im Schnitt traten 4 Anfallepisoden auf. Drei Kinder hatten einen Status epilepticus. Die mediane Anfallsdauer lag an Tag 1, 2 und 3 bei 71, 66 bzw. 44 s. In 10 % der Fälle (90. Perzentile) betrug sie > 121, > 201 bzw. > 91 s. Lediglich bei 3 Neugeborenen wurden die Anfälle auch klinisch erfasst. Kinder mit Krampfanfällen waren unreifer und kränker als diejenigen ohne Anfälle.

Frühgeborene mit einem Krampfanfall hatten im Vergleich zu anfallsfreien Kindern an keinem der 3 Tage nach der Geburt ein erhöhtes relatives Risiko für IVH jeden Grades im Ultraschall, für Schäden der weißen Hirnsubstanz einschließlich zystischer Läsionen im MRT oder für eine erhöhte Sterblichkeit. Dagegen besaßen Säuglinge mit langer Anfallsdauer (oberhalb der 90. Perzentile) an Tag 1 ein 2,9-fach erhöhtes IVH-Risiko und an Tag 2 ein 2,6-fach erhöhtes Risiko für IVH, ein 3-fach erhöhtes Risiko für Schäden der weißen Hirnsubstanz und ein 2,7-fach erhöhtes Sterberisiko. Am 3. Tag war das Risiko für IVH bzw. IVH Grad III und IV um den Faktor 3,1 bzw. 4,0 erhöht. Die Auswertung des Bayley-III-Tests zeigte eine verzögerte Sprachentwicklung bei Frühgeborenen, die an einem der ersten 3 Lebenstage einen Krampfanfall erlitten. Dabei wurde der familiäre Sozialstatus berücksichtigt.

 

FAZIT

Die Ergebnisse untermauern die Bedeutung eines aktiven, frühen zerebralen Monitorings von sehr kleinen Frühgeborenen. Dies kann zum besseren Verständnis neonataler Hirnschädigungen sowie späterer entwicklungsneurologischer Auffälligkeiten beitragen und die Entwicklung gezielter Präventionsstrategien vorantreiben. Die Autoren regen eine Neuauflage der Studie mit größerer Fallzahl und längerer Nachbeobachtungzeit an.

Aus: Neonatologie Scan

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