• Schlafendes Kind

     

Kinderschlafmedizin

Epidemiologischen Studien zufolge bestehen bei 16 % der Kinder und Jugendlichen Schlafstörungen. Gemessen an dieser Prävalenz ist die Problematik in der kinder- und jugendärztlichen Praxis unterrepräsentiert.

Die Physiologie und Pathophysiologie des Schlafes bei Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich grundlegend vom Schlaf des Erwachsenen. Insofern sind Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen primär dem Fachgebiet der Kinder- und Jugendmedizin zuzuordnen. Neuere wissenschaftliche Studienergebnisse belegen den Stellenwert des erholsamen Schlafes für die körperliche, psychische und kognitive Entwicklung des Menschen.

Schlafstörungen sind in der International Classification of Sleep Disorders (ICSD) kategorisiert. Die Klassifizierung beinhaltet auch die für Säuglinge, Kinder und Jugendliche relevanten Störungen. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen den organisch bedingten Schlafstörungen wie dem obstruktiven Schlafapnoesyndrom und den nicht organisch bedingten Störungen wie der Insomnie, die bei Kindern häufig als Folge mangelnder Schlafhygiene oder verhaltensbedingt zu erklären ist.

Diagnostisch steht bei allen Schlafstörungen eine ausführliche schlafmedizinische Anamnese im Vordergrund. Durch den Einsatz von Schlaffragebögen können sowohl für die organisch bedingten Erkrankungen als auch für die nicht organisch bedingten Schlafstörungen wertvolle zusätzliche Informationen gewonnen werden. Das Führen eines Schlaf-Wach-Protokolls über 3 Wochen hilft insbesondere bei den nicht organisch bedingten Schlafstörungen, das Schlaf-Wach-Verhalten eines Kindes differenzierter zu beurteilen. Neben den Angaben der Eltern sollten spätestens ab dem Grundschulalter auch die Angaben der Kinder mit einbezogen werden. Viele wissenschaftliche Studien belegen, dass bis zu einem Drittel der von den Kindern genannten Probleme von ihren Eltern nicht wahrgenommen werden.

Je nach Art und Ausprägung der Störung sind neben dem kinder- und jugendärztlichen Know-how weitere Fachdisziplinen mit einzubeziehen. Bei den nicht organisch bedingten Störungen sind das Psychologen und Kinder- und Jugendpsychiater, bei den organisch bedingten Schlafstörungen HNO-Ärzte, Kieferorthopäden und auch Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen. Um Kinder und Jugendliche mit Schlafstörungen einer adäquaten Behandlung zuzuführen, ist kinder- und jugendärztliche schlafmedizinische Kompetenz gefragt. Nur wenn im kinder- und jugendärztlichen Bereich hinreichend schlafmedizinische Kenntnisse vorhanden sind, wird die Versorgung schlafgestörter Kinder und Jugendlicher gewährleistet sein.

ZUSAMMENFASSUNG 

  • 16% der Kinder und Jugendlichen haben Schlafstörungen. Die Folgen sind körperliche, psychische und kognitive Beeinträchtigungen.
  • Kinderschlafmedizin ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das kinder- und jugendärztlich geprägt sein sollte.

Physiologie und Entwicklung des Schlafes

Der Schlaf bei Kindern unterscheidet sich deutlich vom Schlaf bei Erwachsenen. Das bezieht sich nicht nur auf die Schlafdauer und die zirkadiane Verteilung des Schlafes, sondern auch auf die Schlafstruktur. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen dem Rapid-Eye-Movement- (REM-) Schlaf und dem Non-REM-Schlaf, der in Leicht- und Tiefschlaf unterteilt wird. Der Schlaf verläuft im zyklischen Wechsel von REM- und Non-REM-Schlafphasen, wobei die Schlafzyklen bei Kindern altersabhängig deutlich kürzer sind als bei Erwachsenen, die mit 60 bis 90 min. angegeben werden.

Während der ersten Schlafhälfte dominieren bei Erwachsenen Leicht- und Tiefschlafphasen, durch kürzere REM-Schlafphasen unterbrochen, während in der zweiten Schlafhälfte die Tiefschlafphasen kaum noch erreicht werden, stattdessen aber längere REM-Schlafphasen. Bei Kindern ist diese Strukturierung zunächst noch nicht entwickelt. Insgesamt hat der REM-Schlaf bei Kindern einen deutlich höheren Anteil als bei Erwachsenen. Bei jungen Säuglingen ist der REM-Schlaf mit dem „aktiven Schlaf“ zu vergleichen, der 50 % der Gesamtschlafzeit ausmacht.

 

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Aus der Zeitschrift Pädiatrie up2date 1/2016

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