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    Was tut man mit einem Patienten, der etwas fälschlich „inkorporiert“ hat? © florinoprea - fotolia.de

     

Fremdkörper verschluckt – was tun?

Es passiert schneller und öfter, als man denkt. Jemand lässt seine Gedanken schweifen, nuckelt an seinem Bleistift – und schwups! Weg ist das Teil! Was tut man mit einem Patienten, der etwas fälschlich „inkorporiert“ hat? Wir fragten Dr. med. Peter Ambe, Viszeralchirurg am Krankenhaus St. Remigius in Opladen.

Welche Fremdkörper werden am häufigsten verschluckt?

Bei Erwachsenen sind das Fischgräten und Hühnerknochen. Ältere Patienten verschlucken manchmal Zahnprothesen. Man sieht aber auch immer wieder ungewöhnliche Dinge – Löffel, Zahnbürsten, Münzen, Büroklammern, Batterien, Schlüssel, Messer, Kugelschreiber ... Das Repertoire ist groß!

Was ist zu tun, wenn ein Patient einen Fremdkörper verschluckt hat?

Erst muss man ihn fragen, was er verschluckt hat – und wann. Dann muss man herausfinden, ob er Beschwerden hat, und ihn körperlich untersuchen, um keine Komplikation zu übersehen. Hat der Patient Risikofaktoren? Ist er schon am Darm operiert worden? Je nach Form und Größe des Ingestats sollte man eine Röntgenuntersuchung veranlassen, um zu dokumentieren, wo es sich im Körper befindet.

Wann muss ein Ingestat entfernt werden?

Bei ungefähr 80% der Fälle muss man gar nichts tun. Der Fremdkörper durchwandert den Magen-Darm-Trakt und geht einfach ab. Solche Patienten suchen oft gar keinen Arzt auf. Kritisch wird es, wenn der Fremdkörper länger als 6 cm oder dicker als 2,5 cm ist. Dann sollte man versuchen, ihn endoskopisch zu entfernen, weil er möglicherweise nicht mehr durch den Pylorus oder die Ileozökalklappe passt. Bei rund 1% der Fälle kommt es zu einer Komplikation, und dann müssen wir das „Messer“ zücken und operieren! Ein Fremdkörper kann hängen bleiben und zum Beispiel einen Ileus verursachen. Noch gefährlicher ist, wenn ein spitzer Gegenstand die Darmwand perforiert. Wenn das in der Speiseröhre passiert, kommt es zu einer Mediastinitis, im Darmbereich droht eine Peritonitis. Das kann schon durch einen kleinen Zahnstocher passieren.

Wann muss man außerdem operativ eingreifen?

Alles, was sich noch im oberen Darmanteil befindet, kann endoskopisch geborgen werden. Man kann endoskopisch auch harte Materialien zerkleinern und die Trümmer dann Stück für Stück entfernen. Aber wenn der Gastroenterologe wirklich nicht weiterkommt, muss operiert werden. Meistens macht man das laparoskopisch. Man kann den Darm aufschneiden und das Ingestat entfernen. Oder man schneidet einfach das Stück raus, in dem sich der Fremdkörper befindet, und macht danach eine neue Darmverbindung.

Neben großen und spitzen Gegenständen – wo muss ich noch besonders vorsichtig sein?

Zum Beispiel bei Batterien. Die enthalten toxische Substanzen, die Darmnekrosen und innere Verbrennungen verursachen können. Auch Magneten können sehr gefährlich sein. Wenn mehrere Magneten, oder ein Magnet mit einem Metallteil verschluckt werden, muss man sie sofort entfernen. Sie ziehen sonst Darmschlingen zueinander, und es bilden sich ganz schnell Fisteln. Völlig anders ist die Situation bei Drogenkurieren, die zum Beispiel Päckchen voller Kokain verschlucken. Bei denen muss man auch sehr vorsichtig sein, man darf sie aber auf keinen Fall endoskopisch oder operativ anfassen. Solche Leute nimmt man auf die Intensivstation auf und hofft, dass die Päckchen nicht platzen und natürlich abgehen.

 

Das Interview führte Lena Schulze.

Quelle: Via medici

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