• Kinder im Schwimmbad

    Sportliche Aktivität kann die Behandlung von ADHS unterstützen. ©shock/Fotolia

     

Weltweit sind etwa 2 – 10 % der Kinder von einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betroffen. Begleittherapien können die Wirkung von Medikamenten verbessern und eine Verringerung der Dosis ermöglichen. Eine Studie überprüfte nun, ob durch aerobe sportliche Betätigung eine Verbesserung der Wirkung von Methylphenidat auf die klinischen Symptome, die kognitiven Funktionen und die Hirnaktivität erreicht werden kann.

An der koreanischen Studie beteiligten sich 35 jugendliche ADHS-Patienten im Alter von 13–18 Jahren. Diese wurden in zwei Gruppen randomisiert. Die eine Gruppe beteiligte sich zusätzlich zur Methylphenidattherapie an einem 6-wöchigen Sportprogramm (sports-ADHD), das eine Sporttherapie von 3 Einheiten á 90-Minuten pro Woche umfasste. Die andere Gruppe nahm hingegen zusätzlich zur Methylphenidattherapie an Schulungen zur Verhaltenssteuerung teil (edu-ADHD).

 

Sowohl zu Studienbeginn als auch nach der 6-wöchigen Behandlung wurden die Symptome der ADHS, die kognitiven Funktionen und die Hirnaktivität mit Hilfe der Dupaul ADHD rating scale – korean version (K-ARS), dem Wisconsin Card Sorting Te st und einer 3-T Magnetresonanztomographie erfasst.

 

Niedrigere K-ARS-Werte und Perseverationsfehler

Das Gesamtergebnis des K-ARS sank in der sports-ADHD-Gruppe (Baseline (B), 25,3 ± 8,1; 6 Wochen (6w), 9,4 ± 4,8) im Vergleich zur edu-ADHD-Gruppe (B, 26,1 ± 7,3; 6w, 14,9 ± 3,6) signifikant (F = 4,53, p = 0,04). Ebenso sanken die Perseverationsfehler der sports-ADHD-Gruppe (B, w, 7,8 ± 8,7) im Vergleich zu denen der edu-ADHD-Gruppe (B, 12,6 ± 4,9; 6w, 11,1 ± 4,0; F = 5,61, p = 0,03)

 

Nach der 6-wöchigen Therapie konnte in insgesamt 3 Bereichen des Gehirns Aktivitätsunterschiede zwischen der sports-ADHD- und der edu-ADHD-Gruppe festgestellt werden. Dabei handelte es sich um den rechten Frontallappen, den linken Parietallappen und den rechten limbischen Lappen. Nach dem 6-wöchigen Behandlungszeitraum, war der durchschnittliche ®-Wert des rechten Frontallappens in der sports-ADHD-Gruppe (z = 2,83, p = 0,01) im Vergleich zur edu-ADHD-Gruppe (z = 2,21, p = 0,03) signifikant angestiegen (F = 4,3, p = 0,04).

 

Der durchschnittliche ®-Wert für den linken Parietallappen der sports-ADHD-Gruppe stieg ebenfalls an (z = 2,4, p = 0,02). Der Anstieg dieses Wertes im linken Parietallappens der edu-ADHD-Gruppe war jedoch nur als Trend erkennbar (z = 1,8, p = 0,06). Somit konnte für den linken Parietallappen in der sports-ADHD-Gruppe im Vergleich zur edu-ADHD-Gruppe ein geringfügiger Anstieg festgestellt werden (F = 2,9, p = 0,09)

 

Außerdem sank der durchschnittliche ®-Wert des rechten Temporallappens in der sports-ADHD-Gruppe (z = 2,4, p = 0,02), wohingegen dieser in der edu-ADHD-Gruppe unverändert blieb (z = 1,1, p = 0,25). Im Vergleich der beiden Gruppen miteinander zeigte sich, dass der ®-Wert des rechten limbische Lappen der sports-ADHD-Gruppe im Vergleich zu dem der edu-ADHD-Gruppe leicht absank (F = 3,7, p = 0,06).

 

Die Veränderung in der Aktivität des rechten präfrontalen Cortex war bei allen Jugendlichen mit ADHS negativ mit Veränderungen in den Ergebnissen des K-ARS (r = -0,57, p = 0,01) und den Perseverationsfehlern (r = -0,53, p < 0,01) korreliert.


Fazit

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen deutlich, dass durch regelmäßige aerobe sportliche Betätigung die Effektivität der Methylphenidatwirkung im Hinblick auf klinische Symptome, Perseverationsfehler und Hirnaktivität des rechten frontalen und temporalen Cortex als Antwort auf die Wisconsin card sorting Stimulation gesteigert werden kann. Weitere Studien sollten sich, nach Meinung der Autoren, der Entwicklung von speziellen Übungen zur Verbesserung der Aufmerksamkeitskapazität widmen.

 

Aus der Zeitschrift Sportverletzung Sportschaden 2/2015

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