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Sportklettern – Verletzungen der oberen Extremitäten: Häufigkeit und Risikofaktoren

Sportklettern wird zunehmend als Breitensport populär, nicht nur als Outdoor-Climbing, sondern auch in Kletterhallen – verbunden mit einer zunehmende Anzahl von entsprechenden Sportverletzungen. Bislang wurden aber Häufigkeit und Risikofaktoren für solche, v. a. chronischen Verletzungen, im Wesentlichen in retrospektiven Auswertungen untersucht. Eine Gruppe aus den Niederlanden hat jetzt eine prospektive longitudinale Studie dazu durchgeführt.

Einleitung und Methoden

Bei Freizeitkletterern sind Sportverletzungen der oberen Extremität relativ häufig – und eine Reihe von Risikofaktoren scheint unabhängig damit verbunden zu sein. Zu diesem Ergebnis kommen van Middelkoop und Kollegen, die zwischen Juni 2007 und April 2008 in 4 Kletterhallen in Rotterdam und Den Haag insgesamt 426 Kletterer in ihre Längsschnittkohorte aufgenommen haben.

Alle Teilnehmer füllten zu Studienbeginn einen Fragebogen aus zu demographischen und persönlichen Faktoren, wie Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Körpergröße, Ausbildung, Berufstätigkeit und sonstige ausgeübte Sportarten. Darüber hinaus wurden sie befragt zu Faktoren in Zusammenhang mit dem Klettern, wie:

  • Häufigkeit, Erfahrung, Art des Kletterns (z. B. Bouldering)
  • Durchführung von Aufwärm- und / oder Cooldown-Übungen
  • Training am Campus-Board
  • Gefragt wurde auch nach Verletzungen der oberen Extremitäten – speziell an Fingern, Handgelenk, Ellenbogen und Schultern – beim Klettern innerhalb der vergangenen 12 Monate.
Weiterhin beurteilten die Wissenschaftler die Funktionsfähigkeit der oberen Extremitäten mithilfe des Quick-DASH (Disabilities of Arm, Shoulder, and Hand) und maßen die grobe Kraft in Zeige-, Mittel- und Ringfingern. Nach 3, 6 und 12 Monaten wurden die Teilnehmer dann jeweils nach in der Zwischenzeit neu aufgetretenen Kletterverletzungen gefragt. Ausgewertet wurden Inzidenz und Prävalenz der Verletzungen sowie mittels multivariater logistischer Regressionsanalyse unabhängig damit assoziierte Risikofaktoren.

Finger am häufigsten betroffen

Bei der Auswertung nach 1 Jahr standen Daten von 308 der ursprünglichen 426 Teilnehmer zur Verfügung (72,3 %). Das Durchschnittsalter betrug 32 Jahre, etwas mehr als ein Viertel waren Frauen. Zwischen den beiden Gruppen (Non-Responder vs. Responder nach Jahr 1) gab es keine Unterschiede im Hinblick auf Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index.

Zu Studienbeginn hatten 157 Kletterer (36,9 %, 1-Jahres-Prävalenz) mindestens 1 Verletzung im zurückliegenden Jahr berichtet – insgesamt waren es 220 Verletzungen.

  • Am häufigsten waren die Finger betroffen (35 %),
  • gefolgt von Ellenbogen und Handgelenk mit jeweils 23,6 %.
Zum Zeitpunkt der 1. Befragung lag eine aktuelle Verletzung bei 97 Teilnehmern vor (22,8 %, Punktprävalenz)

  • auch hier waren die Finger die häufigste Verletzungslokalisation.

Über die 12-monatige Nachbeobachtungszeit traten insgesamt 267 neue Verletzungen bei 180 Kletterern auf (42,2 %), entsprechend einer Inzidenz von 13,04 pro 1000 Kletterstunden.

  • Die Finger führten erneut mit 36 %,
  • seltener lagen Traumata des Ellenbogens (25,8 %), des Handgelenks (19,5 %) und der Schulter (18,7 %) vor.
In der multivariaten Analyse waren mit dem Auftreten neuer Verletzungen signifikant verknüpft:

  • höheres Alter (Odds Ratio [OR] 1,03)
  • Durchführung von Cooldown-Übungen (OR 2,02)
  • Training am Campus-Board (OR 2,48)
  • grobe Kraft im Mittelfinger (OR 1,12)
  • Zustand nach früheren Verletzungen (OR 3,12)
Fazit
Fast jeder zweite Freizeitkletterer trägt innerhalb eines Jahres eine Verletzung durch das Klettern davon, so die Autoren. Dabei konnten allerdings die Genauigkeit der Diagnose und die Schwere der Verletzung nicht beurteilt werden, da die Angaben lediglich auf den Selbstauskünften der Patienten beruhten – Krankenakten o. ä. waren nicht verfügbar. Das höhere Verletzungsrisiko bei Kletterern, die am Campus-Board trainierten, und bei denjenigen, die Cool-Down-Maßnahmen durchführten, lässt sich möglicherweise indirekt erklären: Es könnte sich dabei um die Sportler handeln, die am intensivsten trainieren und klettern und damit per se in höheres Risiko für Verletzungen aufweisen.


Aus der Zeitschrift Sportverletzung Sportschaden 3/2015; Sportklettern – Verletzungen der oberen Extremitäten: Häufigkeit und Risikofaktoren; Elke Ruchalla

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