• SOP Proximale Femurfraktur

     

SOP Proximale Femurfraktur

Frakturen des proximalen Femurs umfassen die Femurkopffrakturen, Schenkelhalsfrakturen und die Frakturen der trochantären sowie subtrochantären Region. In Deutschland zeigt sich eine altersabhängige, exponentiell ansteigende Inzidenz dieser Frakturen von 0,06% bei den 60- bis 64-Jährigen, bis hin zu 1,32% im Alter von 85 Jahren oder höher.

Insgesamt handelt es sich bei den proximalen Femurfrakturen um die häufigste Ursache eines stationären Krankenhausaufenthalts von Patienten im Alter über 64 Jahre, bedingt durch die resultierende Immobilität mit notwendiger stationärer und operativer Versorgung. Aufgrund des demografischen Wandels ist in Zukunft von einer deutlichen Zunahme dieser Verletzungsarten auszugehen. Daher ist das Wissen um die SOPs bei proximalen Femurfrakturen im klinischen Alltag von großer Bedeutung.

Femurkopffraktur (Pipkin-Fraktur)

Femurkopffrakturen sind seltene Verletzungen, die häufig auf ein Hochenergietrauma zurückzuführen und mit Hüftkopfluxationen oder Azetabulumfrakturen assoziiert sind. Insgesamt wird in 5 – 15% der traumatischen Hüftkopfluxationen eine Femurkopffraktur beobachtet. Häufigster Unfallmechanismus ist der Verkehrsunfall mit resultierender „dashboard injury“, betroffen sind vor allem junge Menschen, wobei das männliche Geschlecht überwiegt. Weitere Unfallmechanismen, die zu dieser Verletzung führen, sind Verkehrsunfälle mit Fußgängerbeteiligung, Sportunfälle und Stürze aus großer Höhe.

Schenkelhalsfraktur

Die Schenkelhalsfraktur ist eine typische Verletzung des alten Menschen. Ursache ist in der Mehrzahl der Fälle ein Bagatelltrauma mit Sturz aus geringer Höhe, wobei die Inzidenz dieser Verletzung bei den über 85-jährigen Frauen deutlich höher liegt als in der altersgleichen männlichen Gruppe (2543 vs. 1370). Prädisponierend ist die Osteoporose.

Deutlich seltener ist eine Schenkelhalsfraktur Folge eines Hochenergietraumas, welches vor allem junge männliche Patienten betrifft. Klinisch imponiert die Schenkelhalsfraktur durch Schmerzen in der Leistenregion und die Unfähigkeit, das betroffene Bein von der Untersuchungsliege anzuheben. Die aktive Beweglichkeit im Hüftgelenk ist aufgehoben. In den meisten Fällen ist aufgrund des Muskelzugs eine Fehlstellung mit Beinverkürzung und Außenrotation nachzuweisen.

Die Schenkelhalsfraktur ist die bedeutendste alterstraumatologische Verletzung und geht einher mit einem hohen Risiko von perioperativer Morbidität und Mortalität.

Fraktur der peri- und subtrochantären Region

Die Hälfte der proximalen Femurfrakturen sind in der peri- bzw. subtrochantären Region lokalisiert. Hinsichtlich der Patientencharakteristika, des Unfallmechanismus und der Klinik besteht eine Analogie zu den Schenkelhalsfrakturen, wenngleich sich die Strategie der operativen Behandlung deutlich unterscheidet.

Präoperative Diagnostik und Klassifikation

  • Erhebung der Unfallanamnese
  • subjektive Beschwerden
  • körperliche Untersuchung:
  1. Fehlstellung des Beines: dorsale Hüftkopfluxation mit Hüftkopffraktur: Flexion, Adduktion, Innenrotation; Schenkelhalsfraktur und peri- bzw. subtrochantäre Frakturen: Beinverkürzung und Außenrotation
  2. Bewegungseinschränkung (Cave: Die detaillierte Bewegungsprüfung sollte aufgrund der Schmerzen unterbleiben.)
  3. Überprüfung der körperfernen Durchblutung, Motorik und Sensibilität

  • bildgebende Diagnostik:
  1. tiefe Beckenübersichtsaufnahme mit Messkugel und Hüfte axial nach Sven Johansson
  2. bei Femurkopffraktur: CT-Diagnostik zur Abschätzung des Verletzungsausmaßes (Größe des Fragments, freie Gelenkkörper)
  3. bei peri- bzw. subtrochantären Frakturen: Bildgebung des gesamten Femurs einschließlich Knie (Einbringen zephalomedullärer Implantate)

  • Komplettierung der (Medikamenten-)Anamnese. Betroffen sind häufig alte Patienten mit Antikoagulation!
  • weitere Diagnostik entsprechend Unfallmechanismus und Untersuchungsbefund

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: SOP Proximale Femurfraktur

Aus der Zeitschrift: Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 02/2019

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