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    Die Frage, ob die Ernährungsweise an sich, einzelne Nahrungsmittel oder ihre Komponenten an der Auslösung der RA beteiligt sein könnten, wird seit langem untersucht.

     

Die Auswirkungen der Ernährung auf das Erkrankungsrisiko und den Verlauf der rheumatoiden Arthritis

Fragen der Ernährung und der „richtigen“ Lebensweise sind für chronisch Kranke sehr wichtig. In der Besprechung der Erstdiagnose wird oft gefragt: „Habe ich etwas falsch gemacht, hätte ich durch eine andere Ernährung meine Erkrankung verhindern können?“ Häufig möchten die Patienten danach wissen, ob er/sie durch eine Ernährungsumstellung die Erkrankung beeinflussen, evtl. sogar die medikamentöse Behandlung vermeiden können.

Für Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises ist die Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen Krankheitsentstehung und Ernährung nur auf den ersten Blick simpel. Manche Zusammenhänge sind offensichtlich, wie die zwischen dem Übergewicht und der Arthrose gewichttragender Gelenke oder einer purinreichen Kost und der Gicht. Aber selbst hier werden die ernährungsbedingten Faktoren von genetischen Konstellationen und anderen Parametern der Lebensweise wie Trainingszustand (Arthrose), Komorbidität oder Medikamenteneinnahme (Gicht) beeinflusst und manchmal überformt. Für entzündlich-rheumatische Erkrankungen existieren Untersuchungen zur ätiologischen und therapeutischen Relevanz der Ernährung fast ausschließlich für die rheumatoide Arthritis (RA), so dass dieser Artikel sich auf dieses Krankheitsbild beschränkt.


Ernährung als ätiologischer Faktor der rheumatoiden Arthritis (RA)

Die Frage, ob die Ernährungsweise an sich, einzelne Nahrungsmittel oder ihre Komponenten an der Auslösung der RA beteiligt sein könnten, wird seit langem untersucht. Die Komponenten menschlicher Ernährung sind vielfältig, deren Zubereitung, Qualität und Herkunft variabel, Ernährungsgewohnheiten sind Schwankungen und Moden unterworfen. Daher müssen für die Gewinnung aussagefähiger Daten oft sehr große Probanden- und Patientenzahlen ausgewertet werden.

In Bezug auf den globalen Ernährungsstatus fand die Sister Study Cohort des US-amerikanischen NIHS (National Institute of Environmental Health Sciences) bei über 50 000 untersuchten Frauen ein erhöhtes RA-Risiko in Abhängigkeit von ernährungsbedingten Faktoren: Frauen die ein erniedrigtes Geburtsgewicht aufgewiesen hatten, und solche, die in der Kindheit mangelernährt waren, hatten ein bis zu 50% höheres Erkrankungsrisiko. Allerdings konnte die Studie nicht nach spezifischen Nahrungsfaktoren differenzieren.


Ernährungsassoziierte Faktoren bei Rauchern

Raucher erkranken häufiger und schwerer an einer RA. Interessanterweise ließen sich diätetische Komponenten identifizieren, die bei Rauchern zusätzlich die Suszeptibilität für eine RA steigern: Raucher in der höchsten Tertile der täglichen Kochsalzaufnahme (mindestens 5,5 g NaCl) verdoppeln ihr ohnehin erhöhtes RA-Risiko im Vergleich zu Rauchern mit geringerer Zufuhr (3,8 g/d). Der Effekt war bei langjährigen Rauchern stärker, bei Nichtrauchern gar nicht nachweisbar. Unklar blieb, ob die Kochsalzzufuhr an sich für das erhöhte Risiko verantwortlich ist oder eine Kopplung an salzreiche, aber aus anderen Gründen ätiologisch bedeutsame Nahrungsmittel vorlag.

Ein erhöhter body-mass-Index (BMI) ist bei Nichtrauchern mit einer geringen, bei Rauchern mit einer erheblichen Risikozunahme für die Entwicklung einer RA vergesellschaftet: Bei übergewichtigen Rauchern lag im Beobachtungszeitraum von 30 Monaten das kumulative Erkrankungsrisiko um fast 70% höher als bei Rauchern mit einem BMI unter 25.


Alkohol

Ein moderater Alkoholkonsum von etwa 1–5 alkoholischen Getränken pro Woche senkt das RA- Risiko signifikant. Allerdings muss diese Aussage differenziert betrachtet werden: Sie gilt vor allem für Patienten, die durch das shared epitope genetisch für eine RA prädisponiert sind, und nur für die seropositive RA. Der Effekt ist vor allem bei Frauen nachweisbar. Bei einer Zufuhr, die über durchschnittlich 10 g Alkohol pro Tag hinausgeht, verschwindet der protektive Einfluss. Aus ungeklärten Gründen waren die protektiven Auswirkungen am deutlichsten bei Bier, nicht bei anderen Alkoholika.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Die Auswirkungen der Ernährung auf das Erkrankungsrisiko und den Verlauf der rheumatoiden Arthritis

Aus der Zeitschrift Aktuelle Rheumatologie 3/2015

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