• Muskelkrampf

     

Muskelkrämpfe: Halbwissen versus Evidenz

Eine ungewollte, schmerzhafte Muskelkontraktion, Muskelkrampf genannt, ist gerade bei Sportlern häufig anzutreffen. Zur Ursache und Prävention gibt es viele wissenschaftliche Theorien und Studien, die nicht mit dem unter Sportlern und Betroffenen vorhandenen aktuellen Wissen und dem gängigen Vorgehen übereinstimmen, das hier – als „Halbwissen“ bezeichnet – untersucht wird.

Definition eines Muskelkrampfes

Der Muskel zieht sich bei einer schmerzhaften Kontraktion unwillkürlich maximal zusammen und verbleibt einige Zeit in dem verhärteten Zustand. Maihöfner erklärt dazu, dass im wachen Zustand normalerweise auf jedes Zucken des Körpers automatisch eine Dehnung erfolgt, die den Krampf gar nicht erst entstehen lässt. Die Dauer einer Kontraktion kann von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten anhalten.

Gegenwärtige Annahmen seitens der Sportler zu Ursache, Behandlung und Prävention von Muskelkrämpfen

Die gängigsten Ursachenannahmen sind

  • der Mangel an Elektrolyten, insbesondere Magnesium,
  • zu wenig gesalzenes Essen und
  • zu geringe Flüssigkeitsaufnahme.

Als weitere Auslöser von Muskelkrämpfen werden unter Sportlern hoher Alkoholkonsum, Stoffwechselerkrankungen, wie z. B. Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Nervenschäden, eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Unterversorgung mit Kohlenhydraten, aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. Diuretika, Statine, Betarezeptorenblocker, Kalziumantagonisten) genannt. Aber auch die physiologischen Aspekte, wie die Überbeanspruchung der Muskulatur, Fehlstellungen/Fehlhaltungen des Bewegungsapparates, und auch eine Schwangerschaft oder hohes Alter gelten als Ursache für die schmerzhaften Muskelkontraktionen.

Ernährungstipps, Nahrungsergänzungsmittel, eine ausreichende Trinkmenge sowie Dehnungsübungen und Trainingsempfehlungen sind unter Sportlern als Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen etabliert. So wissen die meisten, dass die Dehnung des verkrampften Muskels im Akutfall hilft, aber wie man Krämpfe wirksam vermeiden kann, dazu gibt es die unterschiedlichsten Ansätze.

Allerdings wirken sich die gewählten präventiven Maßnahmen im krampffreien Intervall offensichtlich nicht positiv aus, denn die Häufigkeit der Muskelkrämpfe ist und bleibt hoch, besonders häufig treten sie beim/nach dem Sport oder nachts auf. Die untere Extremität ist stärker betroffen, an erster Stelle die Wade, dann der Fuß und schließlich der Oberschenkel. Krämpfe an der oberen Extremität sind deutlich seltener.

Wissenschaftliche Theorien und Diskussionen

In der Literatur beschrieben ist eine Inzidenz von 37 – 40 % für das Auftreten von Muskelkrämpfen in der Gesamtpopulation, außerdem eine Steigerung der Häufigkeit mit zunehmendem Alter. Zusätzlich wurde in der Bewegungsstudie der TK ermittelt, dass 18 % der Bevölkerung keinen Sport treiben, 30 % selten und 50 % regelmäßig. Wie oben beschrieben, leiden gerade Sportler beim und nach dem Training vermehrt an Krämpfen, was Ursachen in überlasteten oder verkürzten Muskeln vermuten lässt.

Die Behandlung zweier vermuteter Ursachen für die Muskelkrämpfe werden im Folgenden wissenschaftlich hinterfragt:

  • die Supplementierung von Elektrolyten und Flüssigkeit und
  • Therapie neurophysiologischer Gegebenheiten.

Die These von zu geringer Wasseraufnahme beim Sport stützt auch die Studie von Galloway. Layzer berichtete, dass eine Flüssigkeits- und Elektrolytverschiebung eine Sensibilität an den terminalen Nervenendigungen hervorruft. Die resultierende Kontraktion im interstitiellen Raum erhöht den mechanischen Druck an den Nervenendigungen und führt zum Muskelkrampf.

Es existiert eine alte Untersuchung von 1923, in der gezeigt wurde, dass Minenarbeiter in heiß-feuchtem Klima Muskelkrämpfe entwickelt haben, seitdem wird davon ausgegangen, dass durch Dehydrierung unter solchen klimatischen Bedingungen vermehrt Muskelkrämpfe auftreten. Zusätzlich wird diese These dadurch untermauert, dass die meisten Krämpfe bei Footballspielern in den heißen Monaten aufgetreten sind.

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Muskelkrämpfe: Halbwissen versus Evidenz

aus der Zeitschrift: Sportverletzung Sportschaden 04/2018

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