• Hüftgelenk – Arthrose und Arthritis

     

Hüftgelenk – Arthrose und Arthritis

Relativ häufig klagen Patienten über Beschwerden im Leisten- und Hüftbereich. Da degenerative Gelenkerkrankungen mit steigendem Lebensalter immer häufiger werden, sollte eine Koxarthrose als Schmerzursache differenzialdiagnostisch in Erwägung gezogen werden.

Ziel des Beitrags ist es, wesentliche klinische Erkrankungsmerkmale und diagnostische Prinzipien dieser Erkrankung darzustellen. Es soll der Stellenwert konservativer Therapiemöglichkeiten und operativer Maßnahmen aufgezeigt werden. Hierzu gehören die gelenkerhaltenden und gelenkersetzenden Verfahren. Schließlich bilden entzündliche Veränderungen am Hüftgelenk (Koxarthritis) eine wichtige Differenzialdiagnose zu den degenerativen Erkrankungen. Die Kenntnis der unterschiedlichen Verlaufsformen ist wichtig, um Notfallsituationen von weniger bedrohlichen Zuständen unterscheiden zu können.

Koxarthrose

Prävalenz und Inzidenz

Die Hüftarthrose zählt gemeinsam mit den Verschleißerkrankungen an anderen mechanisch belasteten Gelenken (v. a. Knie, Fuß, Hand) und der Wirbelsäule zu den häufigsten Erkrankungen in Industrienationen. Sie nimmt mit dem Lebensalter zu. In Querschnittuntersuchungen der mitteleuropäischen Bevölkerung werden bei etwa 5 % der 50-Jährigen und 25 % der 80-Jährigen röntgenologische Hinweise auf Abnutzungserscheinungen der Hüftgelenke gefunden. Im jüngeren Lebensalter sind vorwiegend Männer und mit zunehmendem Alter häufiger Frauen betroffen, da nach dem Klimakterium knorpelschützende Hormone nicht mehr ausgeschüttet werden.

Nur etwa ⅓ röntgenologisch nachweisbarer Arthrosen verursacht Beschwerden.

Es kann davon ausgegangen werden, dass hierzulande bei etwa 5 % aller Menschen im Laufe des Lebens Behandlungsbedarf wegen einer Hüftarthrose besteht. Genauere Daten werden derzeit im Rahmen der „Nationalen Kohorte“ erhoben, die als epidemiologische Quer- und Längsschnittuntersuchung in Deutschland erstmals valide Daten auch zur Prävalenz degenerativer Gelenkerkrankungen liefern wird. In Deutschland wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2012 insgesamt 287 Hüftendoprothesen pro 100 000 Einwohnern wegen einer Koxarthrose implantiert. Entgegen früherer Annahmen zur deutschen Spitzenposition belegen neuere (altersstandardisierte) Auswertungen, dass in 4 anderen europäischen Ländern mehr Endoprothesen als bei uns implantiert werden.

Ätiologie

Moderne Konzepte zur Ätiologie degenerativer Gelenkerkrankungen basieren auf einer multifaktoriellen Erkrankungsgenese. Als wichtige Risikofaktoren für eine Arthroseentwicklung werden neben dem Alter genetische, biomechanische und entzündliche Faktoren diskutiert. Auch Übergewicht, Osteoporose, kardiovaskuläre und Stoffwechselerkrankungen sind mittlerweile bekannte Faktoren, die sich negativ auf den Knorpelstoffwechsel auswirken können.

Mechanische Risikofaktoren. Am Hüftgelenk gibt es besonders wichtige mechanische Risikofaktoren, die als präarthrotische Deformitäten bezeichnet werden. Besondere Bedeutung kommt dem femoroazetabulären Impingement zu: Man unterscheidet die folgenden Deformitäten:

  • Cam-Deformität (Verlust der normalen Sphärizität des Hüftkopfs insbesondere am Kopf-Hals-Übergang)
  • Pincer-Deformität (Vermehrung der Pfannenüberdachung in Teilabschnitten oder der gesamten Pfannenzirkumferenz,)

Diese Formstörungen können isoliert oder in Kombination beobachtet werden und zu Abnutzungsschäden von Gelenkknorpel bzw. Labrum führen.

Bei der ebenfalls als Risikofaktor wirksamen Hüftdysplasie führt eine unzureichende Pfannenüberdachung in Abhängigkeit vom Schweregrad zur Knorpelüberlastung. Diese kann durch Dezentrierung bzw. Instabilität des Gelenks noch erheblich verstärkt werden. Durchblutungsstörungen des Hüftkopfs im Kindesalter (Morbus Perthes) und bei Erwachsenen (avaskuläre Nekrose) bzw. nach Schenkelhalsfrakturen mit Zirkulationsstörung führen ebenfalls häufig zu einer gestörten Gelenkform mit daraus resultierender Knorpelschädigung.

Weitere Faktoren. In etwa der Hälfte der Koxarthrosefälle sind möglicherweise genetische Komponenten beteiligt. Verschiedene Gene (u. a. Kollagen 2A, Vitamin-D-Rezeptor und Östrogenrezeptor α) spielen für die Prädisposition der Arthrose eine Rolle. Im Hinblick auf die multifaktorielle Ätiologie von Arthrosen muss aber betont werden, dass auch am Hüftgelenk Umwelteinflüsse sowie berufliche und sportliche Expositionsmuster von Bedeutung sind.

Der genaue zelluläre und subzelluläre Entstehungsmechanismus bzw. Erkrankungsprozess bei der Arthrose ist immer noch Gegenstand der aktuellen Forschung.

Insgesamt führt ein Missverhältnis zwischen Tragfähigkeit und Beanspruchung des Gelenks zu einer fortschreitenden Schädigung der Knorpelmatrix mit den typischen Folgeveränderungen der Arthrose auch an weiteren Gelenkstrukturen (Knochen, Gelenkkapsel und Schleimhaut, Bänder, Muskulatur).



Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Hüftgelenk – Arthrose und Arthritis

Aus der Zeitschrift Radiologie up2date 4/2015

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