• Handwurzelknochenfraktur im Kindesalter

     

Diagnostisches Konzept bei vermuteter Handwurzelknochenfraktur im Kindesalter

Handwurzelfrakturen sind bei Kindern selten und können leicht übersehen werden. Sie sind nativradiologisch häufig nicht eindeutig zu diagnostizieren.

Die deutschen Autoren evaluierten in einer retrospektiven Analyse den an ihrer Klinik geltenden Diagnosealgorithmus bei klinischem Verdacht auf eine Fraktur der Handwurzelknochen bei Kindern.

In die Studie wurden 61 Kinder (34 Mädchen, 27 Jungen) im mittleren Alter von 11,5 Jahren aufgenommen, die von 9/2010 bis 2/2012 nach entsprechendem Trauma einen Druck- und Bewegungsschmerz und eine Schwellung über der Handwurzel aufwiesen. Alle Kinder erhielten eine Standardröntgenaufnahme des betroffenen Handgelenkes und auch bei unauffälligem Röntgenbefund, aber klinischem Verdacht auf eine Handwurzelknochenfraktur einen Unterarm-Cast mit Einschluss des Daumengrundgelenkes. Eine Nachuntersuchung dieser Kinder erfolgte nach 10 – 14 Tagen, bei Persistenz der klinischen Beschwerden wurde eine MRT-Untersuchung des Handgelenkes durchgeführt.

Bei einem mittleren Zeitabstand von 0,6 Tagen zwischen Unfall und Erstvorstellung wurde nur bei 2 Kindern eine Handwurzelfraktur primär röntgenologisch nachgewiesen, bei 6 Patienten ergab sich röntgenologisch der Verdacht auf eine Fraktur, bei 53 Patienten wurde eine Fraktur der Handwurzelknochen durch Röntgen nicht nachgewiesen. Zusätzliche Kahnbeinzielaufnahmen nach Stecher ergaben bei 14 Patienten eine sichere Fraktur, dreimal den Verdacht auf eine Kahnbeinfraktur, 10 waren unauffällig. Bei der klinischen Nachuntersuchung nach im Mittel 11,8 Tagen waren 27 Kinder völlig beschwerdefrei, sodass keine weitere Diagnostik erfolgte. Bei 32/61 Patienten wurde wegen weiterbestehenden Verdachts auf eine Handwurzelknochenfraktur nach im Mittel 17 Tagen ein MRT angefertigt. 12 von 32 MRT-Befunden waren unauffällig und bei 20/32 wurde eine Fraktur nachgewiesen. Es handelte sich um 14 Frakturen des Os scaphoideum (3 Bone-Bruise-Frakturen), 4 Frakturen des Os capitatum, 3 Frakturen des Os triquetrum (1 Bone-Bruise) und eine Bone-Bruise-Läsion des Os trapezium. Während des Beobachtungszeitraums war bei keinem der Kinder eine operative Therapie erforderlich. Es traten keine Komplikationen wie Pseudarthrosen oder avaskuläre Nekrosen auf. Bei nachgewiesener Handwurzelknochenfraktur betrug die Rekonvaleszenz im Mittel 52,6 (28 – 123) Tage, Kinder ohne Frakturnachweis waren im Mittel nach 15,2 (6 – 26) Tagen beschwerdefrei. Der Beobachtungszeitraum bei allen Kindern endete mit dem Erreichen klinischer Beschwerdefreiheit und dem Abschluss der primären Behandlung, ein weiteres Follow-up erfolgte nicht.

Fazit
Der hohe Anteil sekundär diagnostizierter Handwurzelknochenfrakturen ist den Autoren ein starker Hinweis auf die Effizienz des von ihnen vorgestellten Algorithmus. Wegen der unspezifischen klinischen Symptomatik dieser seltenen Frakturen im Kindesalter, die häufig konventionell-radiologisch initial nicht entdeckt werden, ist eine großzügige Immobilisation im Kahnbeingips sinnvoll. Bei einer spätestens nach 14 Tagen empfohlenen Nachuntersuchung sollte bei persistierenden Beschwerden eine MRT indiziert werden. Bei Verdacht auf dislozierte oder instabile Frakturen ist ein CT indiziert. 

Aus der Zeitschrift Handchirurgie Scan 2/2016; Diagnostisches Konzept bei vermuteter Handwurzelknochenfraktur im Kindesalter; Eckert K, Tröbs R-B, Schweiger B et al.

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