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Hammerfinger – Orthesen-Vergleich bei konservativer Behandlung

Eine häufige Verletzung des Fingerendgelenks ist der Hammerfinger, der sich durch eine Beugestellung auszeichnet. Meist reißt hierbei nur die Strecksehne, ohne ligamentäre Beteiligung, aus. In vielen Fällen lässt sich die Verletzung konservativ mithilfe einer Orthese behandeln. Witherow und ihre Kollegin wollten untersuchen, ob Unterschiede zwischen vorgefertigten und individuell angepassten Orthesen hinsichtlich des Behandlungserfolgs bestehen.

Methoden

Zum Erstellen des systematischen Reviews durchsuchten die Autorinnen die Datenbanken AMED, CINHAL, MEDLINE, Embase, PubMed, OTseeker und PEDro nach Studien zu Hammerfingern, die bis September 2014 veröffentlicht wurden.

  • Die Studien mussten kontrolliert sein und Erwachsene Probanden betrachten, die eine Ruptur in Zone 1 der Strecksehne aufwiesen.
  • Ausschlusskriterien waren operatives Vorgehen, zusätzliche medizinische Probleme, offene Wunden und Patienten mit chronischen Hammerfingern.
Die Ergebnisse wurden nach folgenden Kriterien unterteilt:

  • Hautirritationen (Schmerz, Wunden, Aufweichen, Geschwürbildung etc.)
  • Extensor-Einschränkungen (Streckdefizit, Beugedefizit)
  • erfolgreiche Behandlung (Einteilung nach Abouna- und Brown-Kriterien)

Die Literatursuche ergab 954 potenzielle Studien, von denen am Ende 7 in die Auswertung aufgenommen wurden. Alle Studien waren kontrolliert, 5 waren RCTs. Insgesamt umfasst die Auswertung 491 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 43 Jahren.

Die Fingerendgelenke wurden in allen Studien für 6–8 Wochen immobilisiert. Zum Einsatz kamen entweder individuell angepasste Orthesen (Aluminium, Thermoplastik, Quickcast, Enid-Schiene und Paris-Pflaster) oder vorgefertigte Modelle (Stack-Schiene und Abouna- Schiene).

In 4 Studien wurden die Patienten über Hautpflege und Abnahme der Schiene informiert, 2 Studien boten ein zusätzliches Übungsprogramm für die Zeit nach der Ruhigstellung an.

Ergebnisse

Hautkomplikationen traten in 6 von 7 Studien auf. Dabei ergab sich eine mittelmäßige Evidenz, dass Hautprobleme häufiger bei Stack-Schienen vorkommen als bei individuell angepassten Modellen (n = 285; RR, 3,17; 95 % CI 1,19–8,43). Die Autorinnen empfehlen, den Patienten Informationen über Hygiene und Handpflege zu geben, um Hautirritationen zu vermeiden.

  • Es ließen sich keine signifikanten Unterschiede im Behandlungserfolg, nach den Kriterien von Abouna und Brown, zwischen den verschiedenen Orthesen nachweisen.
  • In allen Studien trat, unabhängig von der Orthesen-Art, Behandlungsmisserfolg auf (85 von 167 (32 %)).
  • Die Streckfähigkeit verbesserte sich in allen Studien durchschnittlich von 32 ° auf 5,7–13 °. Dabei trat die Verbesserung meist zwischen der Schienenabnahme (6–8 Wochen nach Behandlungsbeginn) und dem Behandlungsende (12 Wochen) ein. In dieser Zeit wurde entweder eine weitere Schiene verordnet oder Übungen durchgeführt.
  • In einigen Studien wurden die wahrgenommen Schmerzen ebenfalls erhoben, jedoch ohne signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Orthesen.
  • Ebenso ließen sich keine Unterschiede in der Patientenzufriedenheit mit den Ergebnissen oder der Orthesen-Ästhetik feststellen.

Fazit 
Die Autorinnen konnten kaum Unterschiede zwischen vorgefertigten Orthesen und individuell angepassten Schienen feststellen. Es zeigt sich jedoch, dass Hautirritationen häufiger bei Stack- Schienen auftreten als bei den individuellen Modellen. Der Behandlungserfolg scheint damit nicht vom Orthese-Modell abzuhängen, sondern mehr von der Therapiedauer und der Patientencompliance. 

Aus der Zeitschrift Sportverletzung Sportschäden 02/2016; Hammerfinger – Orthesen-Vergleich bei konservativer Behandlung; Stephanie Müller

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