• Ultraschall-Monitor

     

Gicht – Gichtdiagnose mittels Ultraschall

Für eine zuverlässige Gichtdiagnose ist der Nachweis von Mononatriumharnsäure-Kristallen (MSU) unerlässlich. Während eines Gichtschubs oder bei einer chronischen Gichtarthritis gelingt dies in entzündeten Gelenken meist problemlos. Jedoch ist die Diagnose zwischen Gichtschüben in nicht entzündlichen Gelenken schwierig. Naredo et al. haben nun mittels Ultraschall (US) versucht, typische Gichtanomalien an den oberen und unteren Extremitäten zwischen 2 Gichtschüben nachzuweisen. Zudem eruierten sie die minimal nötige Anzahl an anatomischen Strukturen, um eine Gicht zu diagnostizieren.

Die Autoren schlossen in ihre prospektive, Fall-Kontroll-Studie 91 Männer mit einer Gichtdiagnose (MSU-Nachweis) und 42 alterskorellierte Kontrollpersonen mit ein. Als Ausschlusskriterien galten eine schwere Niereninsuffizienz (glomeruläre Filtrationsrate < 30 %), Psoriasis, eine medikamenteninduzierte Gicht oder andere sekundäre Gichttypen. Alle Studienteilnehmer wurden mittels US von erfahrenen Rheumatologen (10–15 Jahre Erfahrung mit muskoloskeletalem US) untersucht und folgende anatomische Strukturen berücksichtigt:


26 Gelenke,
6 Schleimbeutel,
8 Sehnen,
20 Sehnenscheidenfächer,
4 Bänder und
18 Gelenkknorpel.


Die Zuverlässigkeit der Inter- und Intraobserver überprüften die Autoren mithilfe eines webbasierten Tests. Dabei zeigten die Intraobserver eine Verlässlichkeit von κ 0,75 (κ : Light’s κ) und die Interobserver eine von κ 0,52. Bei einer MSU-Detektion im Ultraschall baten die Autoren sowohl die Kontrollprobanden als auch die Gichtpatienten um eine Punktion eines positiv getesteten Gelenks. Bei denjenigen Patienten, die ihre Zustimmung erteilten, erfolgte eine Gelenkpunktion mit einer 21-G-Nadel.

Bestimmte anatomische Strukturen häufiger von Gicht betroffen

Im Großzehengrundgelenk und im Radiokarpalgelenk waren bei Gichtpatienten am häufigsten echoreiche Aggregate zu finden (57,1 vs 38,5 %). Ebenso waren das Interkarpal- und Kniegelenk häufiger betroffen (28,6 vs. 25,3 %). US-Abnormalitäten der Sehnen fanden sich vorwiegend bei der Trizeps- und Patellarsehne (60,4 vs. 47,3 %), gefolgt von der Quadrizepsund der Achillessehne (beide 38,5 vs. 34,1 %). Doppelkonturen von Gelenkknorpeln detektierten die Rheumatologen vorwiegend an der Dorsalfläche des ersten Mittelfußknochens und am Oberschenkel (61,5 vs. 41,8 %). Grundsätzlich wurden US-Abnormalitäten bei Gichtpatienten häufiger als in der Kontrollgruppe gemessen (p < 0,05).


Die US-Untersuchungen zeigten, dass eine Untersuchung von folgenden anatomischen Strukturen ausreicht, um eine gute Balance zwischen Sensitivität (84,6 %) und Spezifität (83,3 %) sowie von positivem Vorhersagewert (91,7 %) und negativem Vorhersagewert (71,4 %) zu erzielen:


1 Gelenk (z. B. Radiokarpalgelenk),
2 Sehnen (z. B. Patellar- und Trizepssehne),
3 Gelenkknorpeln (z. B. am ersten Mittelfußknochen dorsal und plantar, am Sprungbein, und entweder am zweiten Mittelfußknochen oder Oberschenkelknochen).


Einer Gelenkspunktion stimmten 49 Gichtpatienten und 8 Studienteilnehmer der Kontrollgruppe zu. Das gewonnene Material war MSU-positiv bei 38 (77,6 %) Gichtpatienten und negativ bei allen Kontrollpersonen. Ein Gichtpatient (2 %) und 1 Kontrollproband (1,5 %) waren positiv für andere Kristallarten (z. B. Calziumpyrophosphat) getestet worden. Negativ auf Kristalle waren 10 (20,4 %) Gichtpatienten und 7 (87,5 %) Kontrollpersonen.

Fazit
In der vorliegenden Studie konnte von Naredo et al. gezeigt werden, dass durch eine Untersuchung von 1 Gelenk, 2 Sehnen und 3 Gelenkknorpeln mittels Ultraschall eine Gichtdiagnose mit ausreichender Spezifität und Sensitivität möglich ist. Limitierend ist jedoch die geringe Studienpopulation zu nennen, sodass weitere Studien, auch bei anderen Gichttypen, notwendig sind, um die Ergebnisse dieser Studie zu bestätigen.

Aus der Zeitschrift Aktuelle Rheumatologie 01/2015

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