• Tibiamarknagel © Thieme Verlagsgruppe

     

Problemfall: Entfernung eines gebrochenen kanülierten Tibiamarknagels

Die intramedulläre Stabilisation von dislozierten Tibiaschaftfrakturen ist der Goldstandard und führt regelhaft zur Ausheilung der Verletzung. Trotzdem kann es in einigen Fällen zu einer verzögerten Heilung oder Pseudarthrose kommen, was eine Überlastung des Implantats bedeutet. Dies kann zu einem Nagelbruch führen.

Verschiedene Techniken zur Entfernung des distalen Segments eines gebrochen Marknagels wurden bereits beschrieben. Einige sind sehr zeitaufwendig, andere bedeuten große operative Zugänge oder benötigen spezielle Instrumente wie lange Haken, Führungsdrähte, Cerclagen, lange Zangen oder Bohrer. Idealerweise werden Extraktionshaken verwendet, die durch das kanülierte Nagelfragment eingeschoben und retrograd mithilfe des Hakens aus der Markhöhle geborgen werden. Diese Technik kann jedoch fehlschlagen, wenn der Haken sich nicht am Fragmentende des Nagels verankern lässt. Wir stellen eine weitere einfache und sichere Technik zur Entfernung eines kanülierten gebrochenen Tibiamarknagels vor.

Kasuistik

Eine 23-jährige Patientin stürzte mit dem Motorrad und zog sich eine zweitgradig offene, dislozierte mehrfragmentäre Fraktur des Tibia- und Fibulaschafts im mittleren Drittel (AO-Typ 42-C1.1) zu. Nach primärer Stabilisation der Fraktur durch einen Fixateur externe (ProCallus®, Firma Orthofix GmbH, Germany) wurde die Fraktur 12 Tage später intramedullär mit einem aufgebohrten Tibiamarknagel (Sirus® Tibiamarknagel, Firma Zimmer, Durchmesser 9,3 mm, Länge 360 mm) definitiv versorgt. Zehn Monate später hatte sich eine atrophe Pseudarthrose mit einem Nagelbruch 3,5 cm unterhalb der Pseudarthrose ausgebildet.

Bei der operativen Revision wurde nach der Entfernung der proximalen Verschlusskappe und der Verriegelungsbolzen ein 3-mm-Bohrdorn mit Olive durch das proximale und das distale Fragment des Nagels vorgeschoben. Die Olivenspitze wurde außerhalb des distalen Nagelfragments platziert. Zusätzlich wurde ein 2. an der Spitze angeschliffener 2,5-mm-Draht (Firma Marquardt Medizintechnik, Spaichingen/Deutschland) über das proximale in das distale Nagelsegment eingeführt und mit Hammerschlägen im distalen Nagelsegment verklemmt. Der meißelförmige Anschliff des Drahtes bewirkt zum einen die Verklemmung der beiden Drähte in der Kanülierung des distalen Segments, zum anderen verdrängt er die Olivenspitze aus der Achse der Kanülierung des distalen Segments, sodass die Olive beim Zurückschlagen der Drähte wie ein Haken fungiert. Mittels Bündelnagelzange (nach Hackethal®, Ulrich Medical, Germany) wurde der so im distalen Nagelsegment verklemmte Olivenbohrdraht nach proximal geschlagen, wodurch beide Nagelsegmente entfernt werden konnten. Der Tibiamarkraum wurde erneut aufgebohrt und mit einem AO Standard Nagel® (Firma Synthes, Durchmesser 11 mm, Länge 360 mm) stabilisiert. 12 Monate postoperativ war die Pseudarthrose ausgeheilt.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Problemfall: Entfernung eines gebrochenen kanülierten Tibiamarknagels

Aus der Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie 3/2015

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