Distaler Radius - Komplikationen nach Osteosynthese oder konservativer Therapie

Obwohl distale Radiusfrakturen häufig auftreten, gibt es in der Literatur wenige Daten über die assoziierten Komplikationen, insbesondere bei älteren Patienten. Eine vom Canadian Institute of Health Research unterstützte Studie zielte deshalb primär darauf ab, die akute Komplikationsrate einer operativen oder konservativen Behandlung von distalen Radiusfrakturen bei Patienten ab 65 Jahren zu vergleichen.

Auch weitere Outcome-Daten wie Häufigkeit von Reoperationen sowie radiografische und funktionelle Ergebnisse (Patient-Rated Wrist Evaluation, PRWE) wurden erfasst. Dabei wurden die Patienten nach Schweregrad der Fraktur, Geschlecht, Alter und der beim Trauma einwirkenden Energie gematcht. Insgesamt 129 operierte und 129 nicht operativ behandelte Patienten aus einer prospektiven klinisch-operativen Datenbasis und aus Operationsberichten wurden einander gegenübergestellt. 43 % der chirurgisch behandelten Patienten stammten aus der prospektiven Datenbasis. Zum funktionellen Outcome nach 1 Jahr lagen nur für einen Teil der Patienten Daten vor.

Die Patienten waren im Mittel 74 ± 5 Jahre alt, 92% waren Frauen. 90 % der Frakturen waren Folge eines niederenergetischen Traumas. Am häufigsten kamen bei der Osteosynthese palmare oder dorsale Platten, gefolgt von externer Fixation und perkutaner Drahtosteosynthese zum Einsatz. Das mittlere Follow-up seit dem letzten Klinikbesuch betrug 11,3 Monate bei den operierten und 14,9 Monate bei den nicht operierten Patienten. In der operativ behandelten Gruppe traten bei 37, in der konservativ behandelten bei 22 Patienten Komplikationen auf. Am häufigsten handelte es sich um eine Medianus-Neuropathie, die 8 operierte und 14 nicht operierte Patienten betraf. Bei den chirurgischen Patienten waren in 16 Fällen Infektionen des Operationssitus aufgetreten. Bei Patienten, die mit palmaren Platten versorgt wurden, betrug die Komplikationsrate 22 % verglichen mit 50 % bei Verwendung dorsaler Platten, 42 % bei externer Fixation und 23 % bei perkutaner Drahtosteosynthese. Re- bzw. Erstoperationen nach konservativer Therapie wurden in beiden Gruppen ähnlich häufig notwendig. Am häufigsten musste der Karpaltunnel gespalten werden. Trotz einer höheren Inzidenz von Fehlstellungen bei den konservativ behandelten Patienten (69 % vs. 29 %) gaben zusammen 140 Patienten in beiden Gruppen (75 % der nicht chirurgischen und 33 % der operierten) nach einem Jahr minimale Schmerzen und Behinderung an. Der PRWE-Score in der chirurgischen Gruppe betrug 16,9 ± 23,2 und in der nicht chirurgischen Gruppe 15,7 ± 17,5 Punkte.

Fazit

Die Studie zeigte, dass bei chirurgisch behandelten Patienten ab 65 Jahren mit distalen Radiusfrakturen mehr Komplikationen auftraten als bei konservativ behandelten Patienten. Sie hatten zwar ein besseres radiologisches Outcome, aber keinen Vorteil im funktionellen Ergebnis.

Lesen Sie hier den Kommentar zur Studie

 

Lutz K, Yeoh KM, MacDermid JC et al. Complications associated with operative versus nonsurgical treatment of distal radius fractures in patients aged 65 years and older.
J Hand Surg Am 2014; 39: 1280–1286

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Handchirurgie Scan
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