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Sprachfreie Intelligenzdiagnostik

Intelligenztests für Kinder und Jugendliche werden in vielfältigen klinischen und Beratungskontexten eingesetzt. Die Ergebnisse von Intelligenztests werden häufig bei der Auswahl von Behandlungs- und Platzierungsmaßnahmen berücksichtigt. Zudem sehen diagnostische Leitlinien bei vielen psychischen und Entwicklungsstörungen eine Erfassung des Intelligenzniveaus vor. So erfordert etwa die Diagnose einer Umschriebenen Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache nach ICD-10, dass eine Intelligenzminderung ausgeschlossen wurde.

Geschichtlicher Hintergrund

Die nonverbalen Intelligenztests SON-R 2½-7 und SON-R 6–40 sind die aktuellen Formen einer in den 1940er Jahren von der niederländischen Psychologin Nan Snijders-Oomen begründeten Testreihe, deren ursprüngliche Intention die Erfassung kognitiver Leistungen bei gehörlosen Kindern war. Die Testentwicklung erfolgte pragmatisch und ohne Anbindung an eine Intelligenztheorie.

Gestaltung der Aufgaben

Für jeden Schritt der Testdurchführung stehen eine verbale und eine nonverbale Instruktion zur Verfügung. Die zu untersuchende Person muss weder sprechen noch Sprache verstehen; eben so wenig sind Kenntnisse einer Gebärdensprache erforderlich. Durch die spezielle Gestaltung der Aufgabenvorgabe werden die Anforderungen unmittelbar ersichtlich. Da sprachliche Kompetenzen jedoch die Bewältigung sprachfrei durchgeführter Tests erleichtern können, betonen die Autoren, dass es sich um nonverbale Intelligenztests und nicht um Tests der nonverbalen Intelligenz handelt.

Vorschulalter: SON-R 2½-7

Testaufbau

Der SON-R 2½-7 umfasst 6 Subtests:

  1. Mosaike: 2-dimensionale Muster unterschiedlicher Komplexität sollen nachgelegt werden (räumliche Analyse- und Synthese).
  2. Kategorien: Bildkärtchen sollen nach einem bestimmten, selbst zu erkennenden Prinzip sortiert oder zugeordnet werden (Erkennen von Ordnungsprinzipien).
  3. Puzzles: Konkrete Objekte sind aus ungeordnet dargebotenen Einzelteilen zusammenzusetzen (Erkennen räumlicher Beziehungen).
  4. Analogien: Spielsteine, die sich nach Farbe, Form oder Größe unterscheiden, sind nach wechselnden, nicht explizit benannten Prinzipien zu sortieren oder zuzuordnen (schlussfolgerndes Denken).
  5. Situationen: Zuerst sollen Bilderhälften zusammengesetzt werden, was auch aufgrund einfacher visueller Merkmale der Testreize gelingen kann. Bei den schwierigeren Items sollen bei Darstellungen von konkreten Situationen fehlende Bildteile inhaltlich sinnvoll ergänzt werden (konkretes schlussfolgerndes Denken).
  6. Zeichenmuster: Vorgegebene Formen sollen abgezeichnet oder in ein Punktraster übertragen werden (räumlicher Test).

Die Subtests 1, 3 und 6 bilden die Handlungsskala, die Subtests 2, 4 und 5 die Denkskala. Die Testautoren verstehen die gemessenen Fähigkeiten als Maße der fluiden Intelligenz. Im Cattell-Horn-Carroll-Modell der Intelligenz erscheint eine Zuordnung der Denkskala zum Faktor fluide Intelligenz und der Handlungsskala zum Faktor visuelle Verarbeitung möglich.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Sprachfreie Intelligenzdiagnostik: Die nonverbalen Intelligenztests SON-R 2½–7 und SON-R 6–40

Aus der Zeitschrift Sprache Stimme Gehör 01/2016

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