• Störungen der Kognition verschlechtern stets die Kommunikationsfähigkeit. Daher zielt die Sprachtherapie auf Aktivierung und Erhalt kommunikativer Fähigkeiten ab. Diese helfen dem dementen Menschen länger an der Kommunikation teilzuhaben.

     

Sprache bei Demenz

Störungen der Kognition verschlechtern stets die Kommunikationsfähigkeit. Doch wie verändert eine demenzielle Entwicklung die Art, wie ein Mensch mit uns spricht – und wie können wir uns am besten auf ihn einstellen und seine Kommunikationsfähigkeit fördern?

Sprache zu verstehen und korrekt zu produzieren ist eine so komplexe Leistung, dass sich auch im Frühstadium einer Demenz in der Regel Defizite nachweisen lassen. Daher enthalten die meisten Tests zu kognitivem Assessment Items, die sprachliche Kompetenzen erfassen. Nach Steiner kann die Erfassung der Sprachleistungen wegen ihrer kognitiven Schlüsselfunktion als Indikator für die Leistungsfähigkeit des kognitiv-mnestischen Systems dienen. Zu berücksichtigen sind dabei allerdings Bildungsstand und Fremdsprachlichkeit. Das frühe Auftreten von Sprachauffälligkeiten bei demenziellen Erkrankungen ist ein wichtiger differenzialdiagnostischer Aspekt in der Abgrenzung zur depressiven Pseudodemenz.
Störungen der Kommunikationsfähigkeit sind ein früher Hinweis auf eine mögliche demenzielle Entwicklung.

Was unterscheidet „Aphasie bei Demenz“ von anderen Aphasie-Formen?

„Klassische“ Aphasiker wissen genau, was sie sagen wollen, ihnen gelingt lediglich die Umsetzung in Sprache nicht (fehlerfrei). Bei Demenz beginnt das Problem bereits auf einer vorsprachlichen Ebene. Das gestörte Ultrakurzzeitgedächtnis kann beim Hören u. U. zum Vergessen des Anfangs eines Satzes führen, während dieser noch gesprochen wird. Eine Reduktion des Arbeitsspeichers vermindert die Möglichkeiten, Assoziationen mit gespeicherten Informationen zur Interpretation des Gehörten zu knüpfen und in die Vorbereitung einer passenden Antwort einzubeziehen. Eine Sprachstörung kann bei Demenz auch ohne abgrenzbare Läsion in den primären Spracharealen auftreten. Die hohe Dunkelziffer kognitiver Störungen bei älteren Menschen macht es notwendig, bei Sprachstörungen generell nach einer Haupt- oder Mitverursachung durch eine demenzielle Entwicklung zu fahnden – z. B. im Rahmen geriatrischen Assessments.

Schreiben und Lesen erhalten!

Der Erhalt der Schriftsprachlichkeit hilft kognitiv eingeschränkten Menschen bei der Kompensation ihrer Defizite. Im Frühstadium einer demenziellen Entwicklung nutzen die davon Betroffenen oft spontan die Möglichkeit, Geplantes (z. B. Termine) sofort schriftlich zu fixieren, ehe es sich im Nebel des Vergessens auflöst. Dies ist zweifellos eine sinnvolle Strategie, um die Phase selbstständiger Lebensführung zu verlängern. Umgekehrt betrachtet muss es hellhörig machen, wenn z. B. eine ältere Hausfrau, die stets „aus dem Kopf“ einkaufte, plötzlich anfängt, eine Liste zu führen – oder sogar mehrere in der Wohnung verteilt sind.

Symptomorientierte Therapie

Logopädie bei demenziell bedingten Symptomen hat noch nicht annähernd der Stellenwert erlangt, der ihr gebührt. Das mag daran liegen, dass man mit Sprachtherapie vor allem symptomorientierte Therapie (SOT) assoziiert, wie sie bei Sprachstörungen anderer Genese geleistet wird. Über die Aufmerksamkeit bezüglich Fehlern soll die interne Sprachkontrolle wieder aufgebaut werden, die gestörte Sprachverarbeitung wird gezielt trainiert, z. B. mit Übungen für den Satzbau, die Unterscheidung semantischer Merkmale, den Wortabruf oder zum Erkennen phonologischer Kontraste.
Dieser therapeutische Ansatz ist aber bei progredienten Demenzen spätestens im mittleren Stadium zum Scheitern verurteilt. Lediglich bei einer Demenz, bei der bereits „die Talsohle erreicht“ ist, kann SOT auch langfristig mehr Nutzen als Frustration bringen. Die Möglichkeit des Stillstands der organischen Veränderungen mit Teilerholung der beeinträchtigten Funktionen besteht z. B. bei vaskulärer Demenz nach der Minimierung gefäßschädigender Einflüsse.

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Aus der Zeitschrift Sprache · Stimme · Gehör 03/2016

 

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