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Logopädische Intervention bei neurologischen Erkrankungen

Mit steigendem Alter der Bevölkerung steigt die Zahl der Menschen mit neurologischen und neurodegenerativen Erkrankungen. Als Folge treten vermehrt komplexe Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen auf, die logopädische Therapie erforderlich machen.

Als Folge von neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen, Hirntumoren oder entzündlichen Gehirnerkrankungen und von neurodegenerativen Erkrankungen mit demenziellen Syndromen treten häufig Störungen der Sprache, des Sprechens und des Schluckens auf. Störungen des Sprechens und der Sprache wirken sich auf die Lebensqualität und kommunikative Teilhabe der Patienten aus. Eine Schluckstörung kann zu Aspirationspneumonien, aber auch zur Unfähigkeit, sich oral zu ernähren, führen. Selbst leichte Dysphagien wirken sich durch häufige Hustenreize und Verschlucken auf die soziale Teilhabe während der Mahlzeiten aus. Häufig treten die Symptome nicht isoliert, sondern in unterschiedlicher Kombination und mit unterschiedlichen Schweregraden auf, was für die Betroffenen, aber auch die Therapeuten eine besondere Herausforderung darstellt.

Im Hörbeispiel (Ausschnitt aus: Der Nordwind und die Sonne) hören Sie einen 86-jährigen Patienten, der nach mehreren lakuniären Infarkten im letzten Jahr zusätzlich vor 3 Monaten einen pontin-zerebellären Infarkt links und einen weiteren Infarkt temporo-occipital rechts erlitten hat. Logopädisch imponiert die schwere Dysarthrophonie des Patienten. Erhebliche Probleme zeigen sich bei der Phonation, der Tonhaltedauer und der Artikulation. Nur durch erhebliches Pressen und sehr hohen Anblasdruck ist es dem Patienten möglich, einen Stimmlippenschluss und damit eine Stimmproduktion herbeizuführen. Als Folge des fehlenden Stimmlippenschlusses tritt zusätzlich eine erhebliche Atemproblematik auf. Eine prosodische Intonation des Sprechens ist dem Patienten nicht möglich. Die Artikulation des Patienten ist seit dem Schlaganfall und zusätzlich durch fehlende Zähne im Frontbereich des Oberkiefers sehr verwaschen. Die Oberkieferprothese wird seit dem letzten Infarkt nicht mehr getragen.

Der Patient ist nur noch sehr schwer bis gar nicht verständlich, weshalb er sich aus der Kommunikation mit seiner Familie, Freunden und Bekannten stark zurückgezogen hat. Auch Telefonieren ist ihm nicht mehr möglich. Seine soziale Teilhabe ist somit massiv eingeschränkt.

Gesicht-, Mund-, und Zungenmotorik sind seit dem Schlaganfall stark verlangsamt, wodurch ein adäquates Speichelmanagement und der Aufbau des intraoralen Druckes beim Schlucken stark erschwert werden. Der Patient leidet unter einer Dysphagie, mit einem Aspirationsrisiko (5 von 6 Prädiktoren nach Daniels). Die Speichelpenetration erschwert die Phonation zusätzlich, akustisch wahrnehmbar als brodelnder Stimmklang. In der Akutphase der Erkrankung entwickelten sich wiederholt Aspirationspneumonien. Die Dysphagie wurde mithilfe der fiberendoskopischen Evaluation des Schluckens bestätigt.

Im Fokus der Therapie steht die Eliminierung des Aspirationsrisikos durch die Behandlung der Dysphagie. Das Schlucken wird unter Zuhilfenahme der evidenzbasierten Schluckmanöver (Mendelsohn, Shaker und Masako) trainiert.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Logopädische Intervention bei kombinierten neurologischen und neurodegenerativen Erkrankungen

Aus der Zeitschrift Sprache · Stimme · Gehör 02/2017

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