• © istockphoto

     

Warum können wir sprechen?

Genetik der Sprache
"Warum können wir sprechen?" Diese Frage beschäftigt die Menschheit schon lange. Dabei wollen wir nicht nur wissen, warum – d. h. welchen Selektionsvorteil diese Fähigkeit haben könnte und warum Sprache zur vielleicht einzigen humanspezifischen Eigenschaft werden konnte –, sondern auch wie – d. h. die Frage nach neurophysiologischen Zusammenhängen und deren genetischer "Verankerung" klären.

 

Historisch gab es seit jeher 2 "Lager": die einen vermuteten, dass der Mensch eine angeborene "Ursprache" besitze, die anderen, dass Sprache durch sprachliche Zuwendung der Umgebung erlernt werde. Heute würde man formulieren: Sprache kann genetisch angelegt sein oder durch Umwelteinflüsse entstehen. Diese Diskussion reicht in biblische Zeitalter zurück: Nach Herodot ließ Pharao Psammetisch I (664-610 v. Chr.) 2 Neugeborene ohne Kontakt zu Sprache von einem Hirten aufziehen. Mit 2 Jahren sollen die Kinder als erstes Wort "bekos" (phrygisch: Brot) gesprochen haben. So nahm man an, dass Phrygisch die angeborene Ursprache sei. Auch der schottische König James IV (1473–1513) kam in einem ähnlichen Isolationsversuch zu der Erkenntnis, dass Sprache angeboren sei. Diese Kinder sollen allerdings Hebräisch gesprochen haben. Wachsen Kinder völlig isoliert von Menschen ohne Sprache, Kultur und Sozialverhalten auf, werden sie als "Wolfskinder" bezeichnet. Es gibt viele beschriebene Fälle, bekannte Beispiele dafür sind Kaspar Hauser (Ansbach, 1812–1833) und Genie (Los Angeles, *1957). Die meisten waren der Sprache kaum mächtig, was als Zeichen dienen kann, dass äußere Faktoren (Umweltbedingungen) bei der Sprachentwicklung eine wichtige Rolle spielen.

 

Viele bedeutende Schriftsteller und Sprachwissenschaftler entwickelten Theorien „Über den Ursprung der Sprache” (u. a. Johann Gottfried Herder, 1772; Jacob Grimm, 1851). Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein konnte die Frage, ob Sprache eher durch Verhalten und Nachahmung erlernt werde (vor allem vertreten durch die Theorie des Behaviorismus von B.F. Skinner) oder genetisch determiniert sei (vor allem vertreten durch die nativistische Theorie von A.N. Chomsky) nicht vollständig beantwortet werden. In der dritten Ausgabe der Sprache – Stimme – Gehör des Jahres 1999 schrieb Kiese-Himmel mit dem Schwerpunktthema "Umschriebene Sprachentwicklungsstörungen": „Eine Bestimmung der Ursachen, womöglich der Ursache dieser Störung gelang … noch nicht”. Doch inzwischen haben sich die Erkenntnisse über genetische Faktoren der Sprache durch innovative molekulargenetische Methoden drastisch erweitert – ein aktuelles Themenheft der Zeitschrift Sprache – Stimme – Gehör ist überfällig!

 

Sicher, Sie haben Grundkenntnisse in Genetik, sei es aus der Schule oder aus dem Studium – doch das reicht heute nicht mehr aus! Yorck Hellenbroich und Christine Klein entführen Sie in die Welt der humangenetischen Hochtechnologie. Hier spielen auch ethische Aspekte eine große Rolle, die nicht ausgelassen werden.

Jochen Rosenfeld und Rainer Schönweiler

 

 Sprache Stimme Gehör 2/2011  „Grundlagen der Humangenetik: Vom Stammbaum zur Genanalyse“ von Yorck Hellenbroich und Christine Klein.

 

Hier finden Sie den vollständigen Beitrag.

Call to Action Icon
Sprache ● Stimme ● Gehör Jetzt kostenlos testen

Newsletter Logopädie

Quelle

Sprache • Stimme • Gehör
Sprache • Stimme • Gehör

Zeitschrift für Kommunikationsstörungen

EUR [D] 37,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.