• Die Beobachtung und Dokumentation der frühen sprachlichen Bildung bei Kindern eröffnet die Chance, möglichst frühzeitig Kinder zu erkennen, die eine intensive Unterstützung benötigen.

     

Frühe sprachliche Bildung beobachten und begleiten

„Late Talker“ gelten als Risikogruppe. Diese Kinder sprechen mit 2 Jahren weniger als 50 Wörter. Doch ein Blick auf die Definition und die Ausschlusskriterien von „Late Talker“ zeigt, dass 2-jährige Kinder keine homogene Gruppe darstellen. Außerdem ist der Erwerb der ersten Wörter das Endresultat eines psychologischen Prozesses, an dem die Bezugspersonen der Kinder ebenso beteiligt sind wie die Kinder.

Die frühen Meilensteine der sprachlichen Bildung zu beobachten und zu begleiten ist Aufgabe von pädagogischen Fachkräften und Sprachtherapeuten und lässt sich nicht auf die Anzahl von Wörtern reduzieren. Vielmehr ist es bedeutsamer, auf die Meilensteine der frühkindlichen Bildung zu blicken, die Kinder durchlaufen, bis sie erste Wörter äußern. Weiterhin ist das sprachliche Handeln von Bezugspersonen bedeutsam.
Andererseits gibt es Kinder, die nach dem Erwerb der ersten 50 Wörter zeigen, dass sie beim Erwerb der Regeln von Aussprache und Grammatik den üblichen Meilensteinen der sprachlichen Bildung nicht folgen. Diese Kinder zu erkennen ist ebenfalls ein wichtiger Beitrag zur Früherkennung von Schwierigkeiten bei der sprachlichen Bildung.

Beispiel Louisa und Laura

In einer Fortbildung für pädagogische Fachkräfte stellte eine Teilnehmerin das Kind Louisa (2;7 Jahre, simultan zweisprachig aufwachsend) vor. Sie notierte folgende Äußerungen: „Wus“ (Wurst), „Bei“ (Bär), „Of“ (Ofen) „Nona“ (Jona). Auch einzelne Mehrwortäußerungen konnte sie beobachten: „Mama Mich“ (Milch)“, „Teller tehn“ und „Papa au“. Die pädagogische Fachkraft verdeutlichte in ihren Schilderungen die Ratlosigkeit der Eltern und pädagogischen Fachkräfte sowie deren Befürchtungen, dass die sprachliche Bildung von Louisa stagniere. Der Kinderarzt wurde einbezogen und versuchte, die Eltern zu beruhigen: Manche Kinder bräuchten mehr Zeit als andere. Bei den Vorsorgeuntersuchungen seien ansonsten keine Auffälligkeiten feststellbar. In der Krippe würde Louisa häufig lächeln und sei interessiert an anderen Kindern; gemeinsame Spielformate seien jedoch nicht möglich. Nun müsse sie bald in einen Kindergarten wechseln und man habe die Befürchtung, dass sie sich dann noch weniger verbal äußere.
Laura (2;6 Jahre, Deutsch als Erstsprache) wird ebenfalls von einer pädagogischen Fachkraft vorgestellt. Ihre Äußerungen sind im Handlungskontext kaum verständlich: „Gume“ (Blume), „Guhl“ (Stuhl), „Kerken“ (Kerzen), „harm“ (warm), „angaggen“ (anfassen), „gümmen“ (schwimmen), „Belle“ (Libelle). Auch Mehrwortäußerungen wurden notiert: „Gagga auch ham wolln“ (Ich will auch Wasser haben), „Pipi magen“ (Pipi machen).
Louisa hat im Alter von 2 Jahren vermutlich weniger als 50 Wörter gesprochen und auch keine Mehrwortäußerungen geäußert. Gehörte dieses Mädchen mit 2 Jahren zu den Late Talkers? Allerdings wächst sie simultan zweisprachig auf. Gehörte Laura im Alter von 2 Jahren zu den Late Talkers?

Late Talker – ein Indiz für Schwierigkeiten bei der sprachlichen Bildung?

Als Late Talker werden 2-jährige Kinder bezeichnet, die über einen unterdurchschnittlich geringen Wortschatzumfang verfügen. Als grober Richtwert gilt der Wortschatzumfang von 50 aktiv gebrauchten Wörtern im Alter von 24 Monaten“. Oder es sind Kinder, bei denen in diesem Alter noch keine Mehrwortäußerungen auftreten. In jüngster Zeit gibt es umfangreiche Studien zum Thema Late Talker. Im Rahmen dieser Studien wird oftmals hervorgehoben, dass bei einem Teil der Kinder später eine Spezifische Sprachentwicklungsstörung auftreten würde, die erst mit 4 Jahren diagnostiziert werden könne.
2-jährige Kinder mit einem Wortschatzumfang von nicht mehr als 50 aktiv gebrauchten Wörtern oder Kinder, bei denen in diesem Alter noch keine Mehrwortäußerungen auftreten, werden als Late Talker bezeichnet.

Lesen Sie den gesamten Beitrag: Frühe sprachliche Bildung beobachten und begleiten: Sprachförderung und Sprachtherapie bei mehr- und einsprachigen Kindern unter 3 Jahren

Aus der Zeitschrift Sprache · Stimme · Gehör 04/2014

 

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