• dysgrammatismus, Störung, sprechen, schreiben, Beeinträchtigungen

     

Dysgrammatismus

Der Dysgrammatismus (auch als Agrammatismus infantilis oder Paragrammatismus bezeichnet) wird als grammatische, morphologische und syntaktische Störung des Sprechens und des Schreibens definiert, die mit zusätzlichen Beeinträchtigungen in motorischen und kognitiven Bereichen einhergeht. Zusätzlich treten Auffälligkeiten auf der semantischen Sprachebene auf. Ein dysgrammatisches Sprachverhalten ist bis zum 4. Lebensjahr physiologisch, jedoch sind Fehler beim Dativgebrauch und bei einigen Wortflexionen auch im 4. Lebensjahr noch altersgerecht. Liegt im 5. bzw. 6. Lebensjahr noch kein Verständnis der muttersprachlichen Grammatik vor, spricht man von einem Dysgrammatismus.

Symptome

Beim Dysgrammatismus können Nominalphrasen durch Auslassung von Artikeln und falschen Genus- und Numeruszuweisungen verändert sein. Auffällig sind Auslassungen von Präpositionen oder ihre Ersetzung durch Funktionswörter, da diese im Lexikon fehlerhaft als Präpositionen kategorisiert werden. Besonders gut zu beobachten sind die Einschränkungen verbaler Elemente: So ist der Gebrauch von Kasusmarkierungen stark eingeschränkt. Dies tritt besonders bei kasusmarkierten Pronomen und Flexiven auf. Folge ist eine Übergeneralisierung neutraler Nominativformen auf Akkusativ- und Dativkontexte und dadurch bedingt eine fehlerhafte Einordnung von Agens und Patiens. Neben der inkorrekten Einordnung der Kasusmarkierungen ist auch der Gebrauch von Verben allgemein auffällig. Sie sind zwar rezeptiv und auch produktiv in allen Positionen vorhanden, werden vom Betroffenen aber vorzugsweise in der Verbendstellung angewendet, wodurch zusammen mit der inkorrekten Stellung von Negationselementen eine sehr starre und oft unverständliche Satzstruktur auftritt.


Diagnostik und Therapie

Der Dysgrammatismus lässt sich gut durch eine Analyse der kindlichen Spontansprache diagnostizieren. Da standardisierte Testverfahren kaum vorliegen, wird eine Analyse der Spontansprache empfohlen. So kann man gleichzeitig die oft als unnatürlich empfundene Kommunikation während einer Testdurchführung vermeiden. Mithilfe von Sprachanalysesystemen wie der COPROF (Computerunterstützte Profilanalyse) und der ESGRAF (Evozierte Sprachdiagnose grammatischer Fähigkeiten) kann die Analyse vereinfacht werden.

Die Therapie wird ganzheitlich und spracherwerbsorientiert gestaltet.

Die sprachfördernde Situation innerhalb der Therapie wird so gestaltet werden, dass der Patient die eigene Selbstlernaktivität erweitert. Die Therapieinhalte werden thematisch für das Kind interessant gestaltet. Neben einer positiven Patient-Therapeuten-Beziehung ist die Rollenübernahme des Sprachvorbildes des Therapeuten elementar. Dem Patienten wird das Erlernen von Regeln für den Erwerb sprachlich-kognitiver Strategien nahegebracht.

Der Therapeut kann durch „Corrective Feedback“ die natürliche Sprechsituation als Übungssequenz intensivieren. Dabei können die Kommunikationsabläufe unterschiedlich stark vorstrukturiert werden.


Hörbeispiel

Der 11-jährige Patient unseres Hörbeispiels leidet an einer Sprachentwicklungsstörung schwersten Grades mit einer globalen Entwicklungsretardierung in Kombination mit einer Lernbehinderung. Der Patient wurde bereits im Alter von 7 Jahren ein Jahr lang in einer Sprachheilklinik intensiv therapeutisch gefördert. In diesem Zeitraum konnte sein Wortschatz erweitert werden sowie eine Förderung der Motivation zur eigenständigen Deblockierung vorangetrieben werden. Zurzeit besucht er eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen und erhält zusätzlich 2–3-mal wöchentlich logopädische Therapie.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Dysgrammatismus

Aus der Zeitschrift Sprache · Stimme · Gehör 01/2017

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Zeitschrift für Kommunikationsstörungen

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