Vitaminpräparate senken das Risiko nicht

  • Vitaminpräparat Nahrungsergänzungsmittel Kardiovaskuläres Risiko

    Die Einnahme eines Multivitaminpräparats hat keine Auswirkungen auf kardiovaskuläre Endpunkte, so die Autoren (Quelle/Fotograf: Fotolia/Marat Sirotyukov).

     

Studienergebnisse zum Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vitaminpräparaten und kardiovaskulärem Risiko sind widersprüchlich. H. D. Sesso et al. haben nun die Daten der Physicians‘ Health Study II hinsichtlich kardiovaskulärer Erkrankungen untersucht, in der die Effekte der Einnahme eines Multivitaminpräparats untersucht wurden. JAMA 2012; 308:1751-1760

Die doppelblind-randomisierte Studie bei Ärzten (initial mindestens 50 Jahre alt) zeichnet sich durch eine hohe Probandenzahl (n=14 641) und eine lange Nachbeobachtungsdauer (im Mittel 11,2 Jahre) aus. Die Probanden nahmen täglich entweder das Multivitaminpräparat oder Placebo ein. Ereignisse wurden durch jährliche schriftliche Befragung erhoben und durch Sichtung der zugehörigen Krankenakten verifiziert. Primärer Endpunkt war eine Kombination schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse (nichttödlicher Myokardinfarkt, nichttödlicher Schlaganfall und kardiovaskuläre Mortalität), sekundärer Endpunkt waren die Einzelereignisse. Ausschlusskriterien waren schwere Begleiterkrankungen, Leberzirrhose und Therapie mit Antikoagulanzien außer Acetylsalicylsäure, das 77,4% der Studienteilnehmer einnahmen.

Die Inzidenz des primären Endpunkts pro 1000 Patientenjahre betrug bei Einnahme des Multivitaminpräparats 11, bei Placebo 10,8 (Hazard Ration [HR] 1,01; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,91-1,10; p=0,91). Auch bei den sekundären Endpunkten gab es keine signifikanten Unterschiede. Bei Probanden mit und ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen wurde ebenfalls keine Reduktion des primären Endpunkts durch die Einnahme des Multivitaminpräparats beobachtet (p=0,62). Die Autoren geben zu bedenken, dass die Ernährung von Ärzten gesundheitsbewusster sein könne als beim Durchschnitt der Bevölkerung, die Ergebnisse der Studie somit nicht unbedingt allgemeingültig sein müssen.

Fazit
Bei einer großen Kohorte von Ärzten zeigte die Langzeiteinnahme eines Multivitaminpräparats keine signifikanten Auswirkungen auf kardiovaskuläre Endpunkte. Die Autoren halten weitere Studien für nötig, die den Effekt bei Bevölkerungsschichten mit anderen Ernährungsgewohnheiten untersuchen.

Kommentar zur Studie
In ihrem Kommentar zur Studie weist E. M. Lonn zunächst darauf hin, dass von 2003 bis 2006 53% der Amerikaner Nahrungsergänzungsmittel einnahmen, davon 39% Multivitamin- und Mineralstoffpräparate. Es bestehe zwar die Hoffnung, dass die gezielte Gabe einzelner Vitamine in bestimmten Situationen wirksam sein könne. Trotzdem sei das Risiko zu beachten, dass Menschen im falschen Vertrauen auf die hinsichtlich kardiovaskulären Erkrankungen wirkungslosen Mittel wirksame, aber auch mühsamere Präventionsstrategien vernachlässigen.
JAMA 2012; 308: 1802-1803

Sponsoring: Die Studie wurde von einer öffentlichen Institution und Pharmafirmen finanziell unterstützt.

Dr. med. Peter Pommer, Oberammergau; DMW

 

 

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